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Schöner umziehen

Kabinen-Serie: Nicht besonders hübsch, Mann!

Hinausschauen kann man aus der Kabine des SV Poxdorf angesichts der milchigen Glasbausteine nicht. Zum Glück aber auch nicht hinein.
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Zum letzten Mal zog sich Michael Hübschmann vor eineinhalb Jahren hier um. Jetzt ist der 42-Jährige 2. Vorsitzender. Matthias Hoch
Zum letzten Mal zog sich Michael Hübschmann vor eineinhalb Jahren hier um. Jetzt ist der 42-Jährige 2. Vorsitzender. Matthias Hoch
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Was haben Pep Guardiola und die Umkleidekabinen im Sportheim des SV Poxdorf gemeinsam? Beide existieren seit 1971. Ansonsten trennen den Star-Trainer von Manchester City und die Garderoben des Fußballvereins aus der Kreisklasse 2 Erlangen/Pegnitzgrund aber Welten. Der Spanier, der in den höchsten Ligen seines Heimatlands, Deutschlands und zur Zeit Englands erfolgreich ist, fällt an der Seitenlinie mit feinstem Zwirn und akrobatischen Gesten auf. Dort, wo sich die Poxdorfer Amateure und ihre Gegner umziehen, ist Charme dagegen ein Fremdwort.

"Wir haben die Kabinen in den vergangenen Jahren immer nur notdürftig geflickt", erzählt der stellvertretende Vorsitzende Michael Hübschmann. Am deutlichsten gelitten hat in den 38 Jahren die Umkleide für den Schiedsrichter, "daher haben wir manchen Schiri in den Nebenraum unserer Kabine umquartiert. Nur wenn einer schlecht gepfiffen hat, musste er in dem schmuddeligen Raum bleiben", sagt Hübschmann mit einem Grinsen.

Von 2009 bis 2015 spielte der SVP in der Kreisliga - mit Gespann. "Manchmal war eine Linienrichterin dabei, da mussten wir die Schiris ohnehin aufteilen", erklärt Hübschmann das logistische neben dem optischen Problem. Seit dem Abstieg aus dem Kreisoberhaus sei der Schamfaktor nicht mehr ganz so groß. Kritik habe er bisher aber kaum vernommen. Auch nicht vom weiblichen Geschlecht; immerhin hat Poxdorf auch eine Frauenmannschaft.

Wirklich unhygienisch sind die Kabinen nicht. Dafür sorgen ehrenamtliche Saubermacher. Vielmehr geht es um splitternde Fliesen, bröckelnden Putz, abgebrochene Kleiderhaken, verfärbtes Holz. "Als ich in der F-Jugend angefangen habe, sah es hier schon so aus", erinnert sich Christoph Reck, dessen Mutter Monika regelmäßig im Sportheim durchwischt. "Ich habe in meiner Karriere aber auch schon schlimmere Kabinen gesehen", sagt der 35-Jährige, ohne die potenziellen Konkurrenten um die 2000 Euro zu verraten. Kabinenpartys finden beim SVP jedenfalls nicht statt. Gefeiert wird lieber woanders. Abgeschreckt habe die Garderobe bislang aber auch niemanden. Als Neuzugänge braucht der Kreisklassist bald vielleicht ohnehin keine Filigrantechniker mehr, sondern Handwerker.