Roßdorf
Schöner umziehen

In diese Kabine wird keine Pizza mehr geliefert

In der Umkleide der Fußballer der SG Roßdorf Brüder am Forst finden schon länger keine Partys mehr statt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Lisa Büttel in der Heimkabine der SG Roßdorf Brüder am Forst: Mit Spiegeln wurde der abbröckelnde Putz notdürftig kaschiert.Matthias Hoch
Lisa Büttel in der Heimkabine der SG Roßdorf Brüder am Forst: Mit Spiegeln wurde der abbröckelnde Putz notdürftig kaschiert.Matthias Hoch
+1 Bild

Es riecht nach verschwitzten Socken. Der unverwechselbare, leicht muffige Geruch erinnert an die Schulzeit, an alte Turnhallen-Umkleiden nach der Sportstunde. "Es ist keine Kabine zum Verweilen", sagt Thomas Görtler, Spieler der SG Roßdorf Brüder am Forst und Trainer der A-Jugendlichen. Früher lieferte der Stamm-Pizzabote die Verpflegung für die hungrigen Spieler direkt in die Kabine, doch Partys gab es zuletzt kaum noch. "Das liegt auch ein bisschen an unserer momentanen sportlichen Situation. Wir haben wenige Siege gefeiert", verdeutlicht Marco Erhardt, ebenfalls SG-Spieler und Trainer der A-Jugend.

Der Verein, der mit der zweiten Mannschaft des SC Melkendorf eine Spielgemeinschaft bildet und aktuell auf Platz 8 der Bamberger B-Klasse 4 steht, erlebte vor fünf Jahren einen sportlichen Umbruch: "Unser damaliger Trainer Benedikt Iskra ist gegangen und hat viele Spieler mitgenommen", sagt Erhardt. Die SG konnte keine eigene Mannschaft mehr stellen und musste eine Spielgemeinschaft gründen: Erst mit dem FC Strullendorf II, dann mit dem SV Wernsdorf II und seit dieser Saison mit Melkendorf II.

Was den Brüdern am Forst blieb: Das eigene Vereinsheim mit einem Rasenplatz und den Kabinen, die in Eigenregie aufgebaut wurden. Und der Zusammenhalt: Immer wieder helfen die Vereinsmitglieder zusammen und renovieren. Zuletzt wurde das Dach des Vereinsheims erneuert. Im kommenden Jahr sollen die Kabinen dran sein. Und die haben es nötig: Der Putz am Türstock und an den Wänden fällt ab, die Türen lassen sich nicht mehr ohne Gewalt schließen. "Die Lüftungsanlage ist defekt, wir haben Schimmel im Fenster und in den Ecken", zählt Lisa Büttel auf. Sie ist seit Januar zweite Vorsitzende, ihr Vater Günter und ihr Großvater Johann waren ebenfalls Vorsitzende und halfen beim Aufbau des Vereinsheims und der Kabinen.

"Die Duschen sind mit einem Einrohrsystem ausgestattet: Es kann sein, dass kein heißes Wasser mehr kommt, wenn in der Gästekabine ebenfalls geduscht wird. Das müssten wir komplett rausreißen. Modernisieren ist nicht möglich", sagt Büttel. Auch in den Silikonfugen hat sich Schimmel gebildet. "Die A-Jugendlichen wollen nach dem Training so schnell wie möglich heim, um dort zu duschen. Das sagt schon alles."

Das Problem ist die Feuchtigkeit, die in der Kabine bleibt. Das sieht auch Roßdorfs Vorsitzender Josef Göller so: "Die Kabinen bestehen seit 1973. Seitdem wurden sie immer mal wieder notdürftig renoviert. Die Decke wurde bereits zweimal erneuert", sagt er. Die Holzpaneelen, die sich aufgrund der Feuchtigkeit angehoben hatten, wurden durch Blechpaneelen ausgetauscht. "Die sind dann verrostet", sagt Göller. "Wir sind jetzt bei Kunststoff. Das lässt die Feuchtigkeit aber gar nicht mehr durch."

Göller blickt aber auch auf alte Zeiten zurück. "Ich kann mich noch an die Gasheizung erinnern, die wir damals in der Kabine hatten", sagt Göller. "Der erste Spieler, der da war, musste den Ofen anzünden. Das war ein wahnsinniger Glücksmoment, wenn es geklappt hat. Wenn nicht, blieb die Kabine kalt." In den 1980er Jahren baute der Verein eine Zentralheizung ein. Alles in Eigenregie, wie auch die Renovierungen in den folgenden Jahren. "Ohne Menschen wie Josef würde es den Verein schon lange nicht mehr geben", sagt Stefan "Charly" Werner, der als ehrenamtlicher Hausmeister und Platzwart selbst einiges auf Vordermann bringt und erhält. Jeden Tag ist er am Vereinsgelände zu finden, trotz Vollzeitjob und Familie. Den großen öffentlichen Kinderspielplatz neben dem Vereinsheim betreut Werner ebenfalls.

Eine Arbeit blieb ihm zuletzt aber erspart: Das Aufräumen nach Kabinenpartys. Früher gingen die Roßdorfer Kicker noch auf einen Absacker in die Kabine. Das hat schon lange nicht mehr stattgefunden, wie Marco Erhardt bestätigt. Ausgeschlossen sind diese Aktionen in der Zukunft aber nicht. Spätestens in ein paar Jahren, zur Einweihung der renovierten Kabinen, könnte wieder Pizza statt Wände und Türstöcke verputzt werden. Die Umkleidekabine ist oft das Herzstück der Sportheime. Hier werden gemeinsam Siege gefeiert und Niederlagen analysiert. Dort wird diskutiert, gefachsimpelt, gelacht oder auch ein wenig gestritten. Einige Amateurvereine sind zu recht stolz auf ihre "wohnliche" Kabine, andere hoffen seit langem auf einen Umbau - und die Saale-Zeitung bietet hier ihre Unterstützung an.

In der Serie "Schöner umziehen - ein Blick in Frankens Kabinen" sucht die Saale-Zeitung die schönste , aber auch die renovierungsbedürftigste Umkleidekabine Frankens. Bewerbt euch bequem unter www.infranken.de/ schoenerumziehen oder schreibt eine Mail mit euren Kontaktdaten an sport@infranken.de, hängt ein Bild von der Kabine an und erklärt kurz, warum ihr dabei sein müsst. Die Redaktion entscheidet über eure Teilnahme.

Mitmachen lohnt sich: Der Verein mit der "hässlichsten" Kabine erhält 2000 Euro Starthilfe für einen Umbau. Der Verein mit der schönsten Umkleide gewinnt eine Kabinenparty im Wert von 500 Euro und einen großen, gefüllten Glastür-Kühlschrank.

Bis Juni wirft die Sportredaktion regelmäßig einen Blick in die Umkleide-Kabinen von Amateurvereinen. Alle in der Saale-Zeitung vorgestellten Kabinen nehmen an der Online-Abstimmung auf inFranken.de teil. Kabinen in kommunalen Einrichtungen sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren