Kirchleus
Schöner umziehen

In der Ecke der Rumpelkammer

Der FC Kirchleus nutzt bei Trainingseinheiten statt einer Kabine eine "Multifunktionshütte".
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Es ist eng, die Bänke sind zum Teil angebrochen, doch die Kirchleuser (v.li.) Michael Passing (Kapitän), Sebastian Lerner (Spielertrainer), Andi Herold (Vorsitzender) und dessen Stellvertreter Markus Pistor mögen ihre Kabine.  Fotos: Monika Limmer
Es ist eng, die Bänke sind zum Teil angebrochen, doch die Kirchleuser (v.li.) Michael Passing (Kapitän), Sebastian Lerner (Spielertrainer), Andi Herold (Vorsitzender) und dessen Stellvertreter Markus Pistor mögen ihre Kabine. Fotos: Monika Limmer
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Die Kirchleuser Fußballer sind genügsam. Drei Stühle, vier Bierbänke, acht Kleiderhaken, eine Taktiktafel - viel mehr gibt es in der Kabine der A-Klassen-Kicker aus dem Kulmbacher Stadtteil nicht. Zumindest nicht viel mehr, was in einer Umkleide Sinn ergeben würde. Denn ansonsten ist die etwa 30 Quadratmeter große "Multifunktionshütte" ziemlich zugestellt: mehrere Herdplatten, ein Tresen, massig Leergut, Werkzeuge für die Rasenpflege und einiges mehr.

In einer fürs Umziehen ausgeräumten Ecke sitzen Michael Passing (Kapitän der ersten Mannschaft), Sebastian Lerner (Spielertrainer der ersten Mannschaft), Andi Herold (Vorsitzender) und dessen Stellvertreter Markus Pistor auf zum Teil angebrochenen Bierbänken. Die vier Urgesteine des FC Kirchleus scherzen über ihre "gute alte Hütte". "Wenn sich hier 15 Fußballer umziehen, dann ist es richtig voll und es sieht aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte", gesteht Lerner. "Aber wenigstens wird es dann schnell gemütlich warm."

Der Holzofen, der mindestens 50 Jahre auf dem Buckel hat, wird dann nicht gebraucht. Auch nicht, wenn in der Hütte Partys oder das traditionelle Schlachtfest gefeiert werden.

500 Meter bis zum Sportplatz

"Wir verbinden mit dieser Hütte viele schöne Erinnerungen", sagt Herold. "Aber dass sie jetzt auch seit einiger Zeit Umkleide ist, war eigentlich nicht geplant. Da mussten wir improvisieren." Jahrzehntelang zogen sich die Fußballer an anderer Stelle um - im etwa 500 Meter entfernten Gasthaus Pistor.

Dort fühlten sie sich auch wohl. Das Problem: Die Fußballer nutzen den Eingang ins Gasthaus, der auch zur Privatwohnung der Wirtsleute führt. Wenn Spiele oder Training waren, mussten also auch die Wirtsleute zu Hause sein. "Der Wirt geht jetzt auf die 70 zu, ein Nachfolger ist nicht in Sicht und so wird es eben schwieriger, dass immer jemand da ist", sagt Herold. Der Vorsitzende ist dankbar, dass bei Spielen weiterhin das Gasthaus als Umkleide genutzt werden kann, doch bei Trainingseinheiten heißt es immer öfter: "Hinein in die Hütte" und danach "anstellen". Denn es gibt nur eine Dusche auf dem Sportgelände. Zudem reicht das warme Wasser nicht immer, bis alle geduscht haben. Dann heißt es also wieder warten - diesmal aufs heiße Wasser. "Aber die Wartezeit kann man mit einem Bier schön überbrücken und das fördert die Gemeinschaft", sieht Lerner das Positive. Und diese Vereinsgemeinschaft wird bald richtig gefragt sein. Ein Großprojekt steht an: der Bau neuer Kabinen. "Das ist ein Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte", sagt Herold. "Der finanzielle Rahmen beträgt ungefähr 150 000 Euro." Auf etwa 110 Quadratmetern entstehen unter anderem eine große Heimkabine, zwei Gäste- und eine Schiedsrichterkabine sowie ein Duschraum. Mit viel Eigenleistung, Spenden, Zuschüssen und den Ersparnissen des Vereins wird das Projekt verwirklicht. Die möglichen 2000 Euro aus der Aktion "Schöner umziehen" wären da eine willkommene Unterstützung. "Die Spieler spekulieren schon auf einen Whirlpool", sagt Herold und lacht. "Aber wenn wir gewinnen sollten, fließt das Geld in die Inneneinrichtung der Kabine."

Der Masterplan steht

Doch verplanen können die Kirchleuser die 2000 Euro noch nicht, dazu brauchen sie bei der im Juni startenden Online-Abstimmung auf inFranken.de die meisten Stimmen.

"Wenn wir allen Gastmannschaften sagen, sie müssen nicht mehr die 500 Meter vom Gasthaus den Berg zum Sportplatz rauflaufen, wenn sie für uns stimmen, dann gewinnen wir", verkündet Markus Pistor mit einem Lächeln im Gesicht seinen Masterplan. Und dann rechnet der 48-Jährige: 30 Jahre Aktiver, mindestens drei Mal die Woche Spiel oder Training, immer vom Gasthaus zum Platz und zurück. "Ich bin ja als Fußballer etwa 4000 Kilometer durch mein Heimatdorf gelaufen, ohne überhaupt einen Ball gesehen zu haben", fasst Pistor das Ergebnis seiner Rechnung zusammen. Die Kirchleuser Fußballer sind eben nicht nur genügsam, sondern auch ausdauernd.

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