Großbardorf
Fussball Bayernliga Nord

Emotionen und Leidenschaft sind beim Derby garantiert

Der TSV Großbardorf will im Derby dem Grabfeld-Konkurrenten TSV Aubstadt die Tour vermasseln.
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Zarko Poznic (rechts) trifft im Grabfeld-Derby mit dem TSV Großbardorf auf seine früheren Mitspieler vom TSV Aubstadt. Er wechselte in der Winterpause vom Schulstadion an die Unterhofer Straße. Anand Anders
Zarko Poznic (rechts) trifft im Grabfeld-Derby mit dem TSV Großbardorf auf seine früheren Mitspieler vom TSV Aubstadt. Er wechselte in der Winterpause vom Schulstadion an die Unterhofer Straße. Anand Anders
TSV Großbardorf - TSV Aubstadt (Samstag, 16 Uhr)

Es ist wieder soweit: Das immer wieder spannende Grabfeld-Derby zwischen dem TSV Großbardorf und dem TSV Aubstadt steht am Samstag auf dem Spielplan der Bayernliga Nord. Dabei könnten zumindest von den Rahmenbedingungen her die Voraussetzungen nicht besser sein. Die Wetterbedingungen mit reichlich Sonne scheinen ideal: für die Sportler und die Zuschauer.
Sportlich sind die Voraussetzungen aber unterschiedlich. In den letzten Jahren spielten die Großbardorfer Hausherren bekanntlich stets bis zuletzt um die Aufstiegsplätze mit. Das ist aber in der laufenden, durchwachsenen Saison nicht mehr der Fall. Die Grabfeld-Gallier stehen derzeit im vorderen Mittelfeld der Tabelle, während der Gast aus Aubstadt sich auf Platz vier liegend noch Chancen auf den Relegationsplatz ausrechnet.

Allerdings patzten beide Teams in den letzten Partien. Die Platzherren verloren ihre Heimspiele gegen Bayern Hof und Jahn Forchheim. Aber auch die Mannschaft von Josef Francic konnte ihre beiden letzten Heimpartien nicht siegreich beenden, gegen die Hofer und die zweite Schweinfurter Mannschaft reichte es jeweils nur zu Unentschieden. Ein erneutes Remis wäre sicher aber zu wenig, um die Ambitionen der Gäste zu untermauern. Dies meint auch Großbardorfs Trainer André Betz: "Für Aubstadt zählt nur ein Dreier, um vorne dabei zu bleiben."


Hinspiel ging an Großbardorf

Dies wollen aber er und seine Kicker verhindern. "Derbys haben ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Gesetze. Da kann man kaum vorhersagen, wer sie letztendlich zu seinen Gunsten entscheidet. Ich kann auf jeden Fall versprechen, dass jeder meiner Spieler alles geben wird, um den Rasen als Sieger zu verlassen. Im Training merkt man, dass jeder dabei sein und eine gute Leitung zeigen will. Denn die zwei Grabfeld-Derbys sind für jeden Spieler die Highlights der Saison." Dabei entschieden die Bardorfer, damals noch unter Trainer Dominik Schönhöfer, das Hinspiel durch ein Eigentor von Aubstadts Daniel Leicht für sich. Gegen ein ähnliches Ergebnis hätte sicher kein Bardorfer etwas einzuwenden.


Poznic fühlt sich wohl

Auch nicht Zarko Poznic, der in der Winterpause aus Aubstadt nach Großbardorf wechselte und damit erstmals auf seine ehemaligen Mitspieler trifft. Der 27-jährige Defensivspieler mit kroatischen Wurzeln erzählt, dass ihn Andreas Lampert von der sportlichen Leitung der Bardorfer angerufen und nachgefragt habe, ob er sich einen Wechsel vorstellen könne. "Dann ging alles sehr schnell. Da ich hoffte, dass ich in Großbardorf mehr spielen könne als in Aubstadt, sagte ich nach Absprache mit Josef Francic zu. Es war aber in Aubstadt eine schöne Zeit. Zu wechseln war aber eine richtige Entscheidung, denn ich habe in Großbardorf schon oft gespielt." Für seinen Trainer André Betz ist Poznic ein Glücksgriff: "Er hat sich perfekt integriert und fühlt sich bei uns richtig wohl. Er bringt nicht nur im Training und im Spiel Leistung und Einsatz, sondern ist auch menschlich ein super Typ."

Poznic wäre natürlich glücklich, wenn er im Derby gegen seine ehemaligen Mitspieler auflaufen dürfte, denn es ist für ihn ein besonderes Spiel, das er auch unbedingt gewinnen will: "Das kann uns durchaus gelingen, denn wir haben hier in Großbardorf auch eine gute Mannschaft. Ich bin jetzt Bardorfer und ich werde alles für einen Derbysieg geben." Das hofft auch sein Trainer, wohl wissend, dass dies kein leichtes Unterfangen werden wird: "Es wird darauf ankommen, möglichst wenig Fehler zu produzieren. Wir werden zuhause alles in die Waagschale werfen, um den sicherlich zahlreichen Zuschauern ein spannendes und tolles Fußballspiel zu bieten." Personell stehen ihm wieder einige Varianten mehr zur Verfügung. Nach seiner Fußverletzung steht Torhüter Marcel Wehr wieder für einen Einsatz parat. "Ob er spielt, weiß ich noch nicht. Da muss man das Training abwarten." Außerdem werden Pascal Stahl und Florian Dietz wieder im Kader stehen.


Es geht emotional zur Sache

Der Trainer des TSV Aubstadt, Josef Francic, hatte ja bereits vor dem Mittwochspiel gegen den FC Schweinfurt 05 II nicht von einem, sondern gleich von zwei Spielen geredet, in denen es mit Emotionen und Leidenschaft zur Sache gehen werde. Ziel, das formulierte er nicht, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, waren ohne Frage sechs Punkte. Die Psyche stimmte ja bei seiner Mannschaft. Sie erweckte nicht den Eindruck, dass sie dem Erwartungsdruck an sich selber nicht gewachsen wäre. Aber physisch wirkte sich die Viel-Spielerei allmählich doch blockierend aus. Francic will das nicht spezifisch am Kräftehaushalt und der Kondition fest machen, sondern an der daraus resultierenden Konzentration in Sekundenbruchteilen beim letzten Pass oder beim Abschluss. Fakt vor diesem Derby in Großbardorf ist: Die Nachholspiele des TSV Aubstadt (4./57) sind aufgezehrt. Der Rückstand zum Spitzentrio Aschaffenburg (69), FV Würzburg (61) und Eltersdorf (61) konnte nicht wettgemacht werden.

Dabei muss man gar nicht in großen Dimensionen nachkarten, wann, wo und gegen wen unnötig Punkte liegen gelassen wurden. Wäre gegen Hof und Schweinfurt nur eine von je einer Reihe vergebener Chancen reingegangen, stünde Aubstadt auch bei 61 Zählern. Aber noch sind maximal 15 Punkte zu vergeben. Aubstadt spielt noch in Eltersdorf und gegen den WFV, diese beiden noch in Aschaffenburg. Wenn den Aubstädtern an der Unterhofer Straße die Revanche für die 0:1-Hinspielniederlage, ein Sieg, gelänge, wäre man immer noch Teil der Relegations-Rechnung. Der Unterschied zu den Großbardorfern in puncto Erwartungshaltung an sich selber, an Möglichkeiten, die immer noch da sind, ist riesengroß, noch größer als vor dem Hinspiel.


Alle müssen ans Limit gehen

In den letzten zwei - ergebnismäßig misslungenen - Heimspielen hat Francic personell nicht taktiert, sondern rotiert. Er sah darin die einzige Möglichkeit neben dosiertem Training, dem Verschleiß durch die englischen Wochen entgegen zu wirken. In Großbardorf, davon ist wohl auszugehen, wird nicht rotiert, werden sie ans Limit gehen müssen. Francic sagt: "Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Anschlag gehen müssen." Dass die Vereinsführung den nicht billigen Lizenzantrag für die Regionalliga gestellt hat, sei "völlig normal und alles andere wäre kontraproduktiv gewesen. Die machen ihren Job, wir unseren. Ihre Entscheidung bringt ihr Vertrauen in uns zum Ausdruck. Und ich denke, wir haben es gerechtfertigt. Man kann uns jedenfalls nicht vorwerfen, dass wir nur eine ergebnisorientiert spielende Mannschaft sind. Manche stellen sich, besonders auswärts, mit zehn Mann hinten rein. Wir sind auswärts die erfolgreichste Mannschaft, wären es gern daheim auch. Wir haben Attraktivität immer über Ergebnis gestellt. Die Zuschauer können mit unserer Spielweise was anfangen. Aber wir können nicht immer gut spielen, wenn wir alle drei Tage spielen. "


Francic sucht immer den Kick

Natürlich war er nach dem Mittwochspiel angefressen. Aber: "Auch wenn ich manchmal das Nächstbeste an die Wand schmeißen könnte, bin ich ein leidenschaftlicher Fußballer, brauche den Fußball und suche immer den Kick. Und das wird auch bis zum Rundenende so bleiben. Unsere Vorbereitung auf dieses Derby bestand zwar weniger aus Training als aus Regeneration. Wir massieren die Kerle, stecken sie in Eistonnen rein und versuchen sie irgendwie wieder fit zu kriegen." Es sei auch nicht die Zeit einer Ursachenforschung. Allerdings räumt Francic ein, dass durch die von außen betrachtet kurios langen Ausfälle von Marino Müller und Max Schebak hin und wieder vorne die Durchschlagskraft gefehlt habe. Schebak verletzte sich am Mittwoch nicht einmal fünf Minuten nach seiner Einwechslung zum vierten Mal in der Saison und fällt ebenso aus wie Müller, der sich nach siebenmonatiger Pause nach seinem ersten Kurzeinsatz gegen Hof auch wieder abmeldete. "Ich muss mich letztlich auf den Spieler selber verlassen, ob er wieder spielen kann oder nicht. Das spürt kein Arzt und kein Physio."


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