Würzburg
Bezirkstag

Ein Votum für die Montagsspiele

BFV-Präsident Koch präsentiert sich beim Bezirkstag als Kämpfer für den Amateurfußball.
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"Fußballpositionen sollen nicht nur durch das Geschrei aus den Stadionkurven hörbar werden." BFV-Präsident Rainer Koch bei seiner Rede auf dem Bezirkstag in Würzburg. Oliver Müller, HMB MEdia
"Fußballpositionen sollen nicht nur durch das Geschrei aus den Stadionkurven hörbar werden." BFV-Präsident Rainer Koch bei seiner Rede auf dem Bezirkstag in Würzburg. Oliver Müller, HMB MEdia
Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), Rainer Koch, war zufrieden. "Das war heute hier ein schöner Abend", sagte er, als sich der Versammlungssaal im Vogel Convention Center in der Würzburger Zellerau gegen 22 Uhr am Freitagabend geleert hatte. Einstimmig war Jürgen Pfau, 42-jähriger Polizeibeamter aus Frankenwinheim, als Bezirksvorsitzender der unterfränkischen Fußballer in seinem Amt bestätigt worden. Auch ansonsten war es ein Abend ohne große Widersprüche gewesen, so wie der Präsident sich das vorgestellt hatte. Koch, der auch Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und ein mächtiger Mann im deutschen Sport ist, hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel Zeit in der bayerischen Fußballprovinz verbracht. Auf allen 22 Kreistagen ist er aufgetreten. Nun auch auf den sieben Bezirkstagen. 7000 Vereinsdelegierte hätte er dabei getroffen, sagt er in seiner Rede nicht ohne Stolz. Dies war eine Tournee, die viel Kraft gefordert hat.


"Große Zufriedenheit"

Der Präsident mit dem Ohr an der Basis. So ist das Bild, das Koch gerne von sich gezeichnet sieht. "Die bayerische Fußballbasis hat sich überall geschlossen hinter ihre Verbandsführung gestellt", sagt er in seiner Rede in Würzburg, die er so auf allen Bezirkstagen gehalten hat. Auf den Sportplätzen und in den Vereinsheimen hört man immer wieder einmal Kritik am Verband. Davon war offenbar nicht nur beim Würzburger Bezirkstag wenig zu vernehmen. "Die Stimmung auf allen 22 Kreistagen war geprägt von großer Zufriedenheit mit der Arbeit des BFV", sagte Koch. Nur wenn der Amateurfußball mit einer Stimme spreche, wenn der Verband sich der Rückendeckung seiner Vereine sicher sein könne, werden die Stimmen der Amateurkicker und ihre Interessen überhaupt wahr genommen, das ist die Botschaft. Koch ist als DFB-Vizepräsident zuständig für den Amateurfußball.
75,1 Prozent der 215 Delegierten in Würzburg stimmten einem "Initiativantrag" des bayerischen Verbandspräsidiums zum Thema "Montagsspiele in der Bundesliga" zu. Damit fordern die Vereinsvertreter keine weiteren Erstliga-Spiele am Sonntagnachmittag. Ob es nun wirklich eine entscheidende Schwächung des Amateurfußballs sein würde, wenn zwei Erstliga-Partien am Sonntagnachmittag stattfinden? "Fußballpositionen sollen nicht nur durch das Geschrei aus den Stadionkurven hörbar werden", sagte Koch. Seine Botschaft: Die Basis des Fußballs, das sind die kleinen Klubs auf dem Land.

Aber wie ist denen zu helfen? In der Rhön beispielsweise, wo die Bevölkerungsentwicklung zwangsläufig zu einem Rückgang der Fußballteams führt. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob der Spielbetrieb noch zeitgemäß ist", sagte Bezirksvorsitzender Pfau. Eine deutliche Mehrheit der unterfränkischen Klubs (65 Prozent) sprach sich dafür aus, auch 18-Jährige in Männer-Mannschaften einsetzen zu dürfen. Und auch wenn es darum geht, dass der Einsatz von Spielern in zweiten und dritten Mannschaften an den letzten Spieltagen einer Saison strenger geregelt wird, wie es in einem Antrag des FC Stockstadt gefordert wird, der in Würzburg eine Mehrheit fand, ist der Verband gesprächsbereit. Beide Themen werden beim Verbandstag im Mai in Bad Gögging wieder behandelt. Änderungen der Spielordnung können nur auf bayerischer Ebene verabschiedet werden.


Drehen am großen Rad

Koch dreht da indes am großen Rad. Es gehe darum, den Ehrenamtlichen in den Klubs den Rücken zu stärken. Und da sei die Politik gefordert. "Wir brauchen weniger Bürokratie und weniger Steuerärger", sagte der BFV-Präsident. Der Fußball hat hierzulande viel Einfluss und will den auch geltend machen. Vor allem dann, wenn die Verbände selbst betroffen sind. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs müsste der Spielbetrieb einer Amateurfußballliga besteuert werden, sobald ein Spieler mitspielt, der eine Aufwandsentschädigung erhält. "Das hätte eine gravierende Steuerlast für den Verband zur Folge, die an die Teilnehmer des Spielbetriebs, also an Euch, die Vereine, weitergeben werden müsste", so Koch. Beim DFB sei man nun damit beschäftigt, die Folgen dieses Urteils abzumildern.

Wichtigstes Thema für den Fußball in Bayern ist, glaubt man Koch, der digitale Wandel. "Den Ball ins Netz" - unter dieses Motto hatte der BFV seine Bezirkstags-Kampagne gestellt. "Nicht dem Verband, sondern den eigenen Fans zuliebe" sollte möglichst jedes Fußballspiel in Bayern live getickert werden, sollten Tore in Echtzeit im Internet abrufbar sein. Mit automatisierten Kameras werden immer mehr Partien mit bewegten Bildern im Netz live zu sehen sein. Automatisierte Zusammenschnitte soll es irgendwann auch geben und zwar nicht nur in den Top-Ligen. "Ihr liefert dem Spieler die Bilder, am besten seine Tore, die dieser dann stolz und seinen Wünschen entsprechend in sozialen Netzwerken teilen kann", malte Koch seine Zukunftsvision, für die die Klubs mit einer um zehn Euro erhöhten Verbandsabgabe einen Beitrag leisten sollen. Über die Leinwand hinter ihm flimmerten aufwendig produzierte Bilder, die sein Beispiel vom "FC Digital" veranschaulichten. Der Amateurfußball als Netzphänomen. Erst als Koch fertig geredet hatte, wurde der Bezirksausschuss um Spielleiter Bernd Reitstetter gewählt. Gegenstimmen gab für die vorgeschlagenen Kandidaten kaum. Es war ein harmonischer Abend. Frank Kranewitter
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