Burgwallbach
Totopokal

Die Schanzer kommen nach Burgwallbach

An eine Chance im Pokalspiel gegen den Drittligisten Ingolstadt glaubt keiner.
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Ob Stefan Kutschke (hinten) am Dienstagabend für den FC Ingolstadt 04 beim Toto-Pokal-Spiel in Burgwallbach stürmt, ist offen. Am Freitagabend erzielte er das Tor zum 3:0-Endstand gegen die Würzburger Kickers (Eric Verstappen). Foto: foto2press/Meike Scheuring
Ob Stefan Kutschke (hinten) am Dienstagabend für den FC Ingolstadt 04 beim Toto-Pokal-Spiel in Burgwallbach stürmt, ist offen. Am Freitagabend erzielte er das Tor zum 3:0-Endstand gegen die Würzburger Kickers (Eric Verstappen). Foto: foto2press/Meike Scheuring

SV Burgwallbach/Bad Neustadt - FC Ingolstadt 04 (Dienstag, 18.30 Uhr)

Jeff Saibene, der Trainer des Drittliga-Spitzenteams FC Ingolstadt 04 mit Schweizer und Luxemburger Staatsbürgerschaft, schaute jüngst auf der Pressekonferenz den Moderator etwas unsicher an, als er auf den Wettbewerb für das Dienstagsspiel in Burgwallbach zu sprechen kam - und lag doch richtig, als er vorsichtig die vier Silben von "Toto-Pokal" gesagt hatte. Es ist ja auch erst seine zweite Trainerstation in Deutschland und seine erste in Bayern. Hier die Auflösung, Herr Saibene: Der Toto-Pokal ist der Verbandspokal des Bayerischen Fußball-Verbands, der von 64 Teams im K.-o.-System als Qualifikation für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal ausgespielt wird. Man muss also sechs Mal hintereinander gewinnen, dann kann man auf den FC Bayern München oder Borussia Dortmund als Gegner hoffen. Titelverteidiger ist der FC Würzburger Kickers, der am Wochenende bei den Schanzern 0:3 unter die Räder kam.

Saibene gehörte dem Trainerstab der luxemburgischen Nationalmannschaft an, arbeitete bei den Schweizer Erstliga-Clubs FC Aarau, FC St. Gallen und FC Thun und seit März 2017 bei Arminia Bielefeld, ehe er bei den Ingolstädtern Tomas Oral ablöste. Viele Sätze verschwendete er in jener Pressekonferenz nicht über die Reise an den Fuß des Kreuzbergs - wo tatsächlich gespielt werden darf, weil es kein sogenanntes Sicherheitsspiel ist. Natürlich ist der Pflichtsieg für ihn und seine Mannschaft schon im Voraus in trockenen Tüchern - bei fünf Klassen Unterschied. Zwei Tore pro Liga gelten in solchen Fällen als der Richtwert.

Saibene kündigte an, dass auch einige aus einer Verletzung zurückgekommene Spieler einem Test unterzogen werden, bevor sie in der Profiliga wieder eingesetzt werden. Und er brach eine Lanze für die jungen wie die alten Spieler im FCI-Kader: "Die Jungen sind schon sehr weit, aber nur deshalb so gut, weil sie von den Alten so gut geführt werden. Ohne sie wären sie 20 Prozent weniger gut." Burgwallbach werde einige dieser jungen Spieler zu sehen bekommen.

Für den SV Burgwallbach war der Gewinn des Kreispokals gewissermaßen ein Trostpreis für eine total misslungene Kreisliga-Rückrunde 2018/19, in der dem bis dahin Tabellenführer kein Sieg mehr gelang und der bis auf Platz acht durchgereicht wurde. Der Endspielsieg (3:0) in Fladungen wirkt erst heute wie Balsam auf die damals zugefügten Wunden. Inzwischen gelang auch wieder der erste Saisonsieg zum Auftakt in Oerlenbach, wenn auch am Sonntag ein kleiner Dämpfer (2:2 gegen Bad Königshofen) folgte. Was Trainer Alexander Leicht zwar überhaupt nicht gefiel, er aber die Konzentration schnell auf dieses von ihm immer wieder "Highlight" genannte Spiel umlenkte: "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir über den Tabellenführer der 3. Liga nachdenken dürfen", sagte er noch am Sonntagabend.

"Das ist natürlich krass: Heute spielst du gegen Bad Königshofen und übermorgen gegen Profis fünf Klassen höher." Erstmals trifft auch Leicht die Verbandsvorschrift, dass "ich nur 18 Spieler auf den Bogen schreiben darf, obwohl am liebsten 25 drauf stünden. Es ist aber alles mit den Spielern abgesprochen." Gescherzt werde inzwischen damit, dass manche sagen, "wieder einen Schritt näher auf dem Weg nach Berlin." Und wieder realistisch: "Man sagt zwar, im Fußball, speziell in einem Spiel ist alles möglich. Wir wissen aber schon, wie wir unsere Chancen einzuschätzen haben. Mir ist wichtig, wir verkaufen uns so teuer wie möglich. Priorität haben erst einmal die ersten 45 Minuten. Da wollen wir Ingolstadt Paroli bieten, was heißt, die Laufwege so gut es geht zustellen, bis an die Schmerzgrenze gehen. Aber die werden uns schon laufen lassen. Und dennoch bin ich sicher, es gibt viele Spieler in der Region, die gern mit uns tauschen möchten. Ich hoffe nur, dass wir nicht zu verkrampft, sondern locker da rein gehen. Wir müssen anders spielen als in der Kreisliga, viel defensiver."

Weil Leicht das Spiel noch im Fokus vom letzten Jahr sieht, hat er mit Etienne Memmler und Christian Nöth - Matthias Tripps Pass ist in Leutershausen, Student Markus Polzer verhindert - auch Spieler ins Aufgebot geholt, die inzwischen etwas kürzer treten, den Pokalsieg aber noch als Burgwallbach/Leutershausen mit errungen haben. "Mit dem Gegner habe ich mich nicht besonders befasst. Ich wüsste ja auch nicht, wer spielt. Das könnte ich wahrscheinlich tagelang tun und es würde am Resultat nichts ändern." Letztendlich freue man sich auch auf das Danach, die Gespräche mit den Profis und die "Erlebnisse, die hoffentlich noch lange in den Köpfen der Spieler positiv nachwirken."Rudi Dümpert

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