Bayreuth
Fussball Relegation

Aubstadt: Das bleibt unvergessen

Der TSV Aubstadt liefert der SpVgg Oberfranken Bayreuth ein großes Spiel mit einer furiosen Schlussphase und einem nicht gegebenen Elfmeter.
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Mit Trauer im Herzen, Leere im Kopf und noch nicht erwachtem Stolz über ihre "geile Saison”: Martin Thomann (von links), Betreuer Günther Schriling, Felix Reusch, Ingo Feser, Julian Grell und Michael Dellinger. Foto: Rudi Dümpert
Mit Trauer im Herzen, Leere im Kopf und noch nicht erwachtem Stolz über ihre "geile Saison”: Martin Thomann (von links), Betreuer Günther Schriling, Felix Reusch, Ingo Feser, Julian Grell und Michael Dellinger. Foto: Rudi Dümpert
Würzburg 0:0, Ammerthal 2:1, Bayreuth 2:2 und noch einmal Bayreuth 1:1 - Spiele am Ende einer langen Saison. Schlussminuten. Schlusssekunden, wie sie spannender und nervenaufreibender nicht sein können: Für die Zuschauer sowieso. Doch was haben diese Immer-noch-Amateure mit Aufwandsentschädigung beim TSV und diese Halb- und Vollprofis bei der SpVgg nicht alles mitgemacht, besonders in den letzten 180 plus zehn Minuten. Unter Beobachtung von insgesamt rund 3200 Zuschauern und vielen weiteren Tausend per Livestream, als der Schiedsrichter in der 93. Minute nach umstrittenem Foulspiel von Thore Dengler an Julian Grell nicht auf Elfmeter für Aubstadt entschied, sondern auf Freistoß für Bayreuth. Und in der 94. Minute Martin Thomanns Kopfball nicht ins, sondern neben das Tor ging: Da waren Himmel und Hölle für die Oberfranken ganz nah, für die Grabfelder freilich nur der Himmel nach diesem 1:1 (1:0) im Rückspiel der Relegation um den Regionalliga-Platz zwischen der SpVgg Oberfranken Bayreuth und dem TSV Aubstadt.


Traum ist zerplatzt

Es gibt auch noch ein Fegefeuer. "Es war mein Traum, vielleicht mein letzter in meiner Laufbahn. Ich wollte da noch mal rauf", gestand ein völlig aufgekratzter und aufgeweichter Julian Grell. "Der Dengler verhält sich unclever und ich nehme die Situation an. Aber für so einen kleinen Verein in so einem Stadion gibt ein Schiedsrichter in der 93. Minute keinen Elfer und schmeißt damit den großen Traditionsverein aus der Regionalliga."

Ins selbe Horn bläst Dominik Grader, der dritte Kapitän der Mannschaft, weil Grell auf der Bank begann und Daniel Leicht überhaupt nicht zur Verfügung stand: "Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt. Da können wir uns nicht viel vorwerfen, hatten sogar in der einen oder anderen Situation Glück, dass der Schiri nicht Elfmeter gegen uns pfeift. Ich glaube, deshalb pfeift er auch den für uns nicht. Natürlich wollten wir in die Regionalliga. Das will jeder Fußballer." Und Josef Francic zur Gretchenfrage dem SpVgg-Sportvorstand Peter Schnurrer gegenüber: "Aber selbstverständlich wollten wir rauf. Das war unser Ziel von Anfang an. Ob wir da oben bleiben würden, ist doch eine ganz andere Frage. Ein Jahr Regionalliga und ein sauberer Abstieg, damit hätten wir leben können." Und hinterher die Kampfansage: "Wir sehen uns wieder."

Was wunderten sich die Zuschauer aus beiden Lagern über diesen Underdog, der eine erste Halbzeit spielte und die Höherklassigen vorführte, wie es ihnen nicht oft in der Saison gegen Gleichklassige passierte. Wie vom Anstoß weg die Anteile klar aufgeteilt waren: Nicht per Aufstellung, ob eine oder zwei Spitze, sondern per Einstellung drückten die Gäste die Altstadt in den eigenen Strafraum, gestatteten den Gastgebern bis zur Pause gerade mal zwei harmlose Ecken und null Torchancen. "Wenn ihr da das zweite und dritte Tor macht, dann weiß ich nicht...", räumte der SpVgg-Sportleiter Wolfgang Mahr ein.

Von so einem Tor wie dem 1:0 von Martin Thomann träumt ein Fußballer. Dellingers Balleroberung gegen den künftigen 60-er Böhnlein am Mittelkreis, ein kongenialer Chip zu "Mörtel", ein paar Meter noch, dann der Schuss aus 25 Metern in den Winkel. Was hätte dieser Dellinger noch anstellen können, wenn er selber cool geblieben wäre. "Gelb wegen Ball Wegschlagens und Gelb-Rot wegen total unnötigen, wenn auch harmlosen Fouls an der Mittellinie außen. Das geht nicht in so einem Spiel", haderte Josef Francic.


Bayreuth stand am Abgrund

Bayreuth-Trainer Joe Albersinger hatte nämlich eine ganz andere Mannschaft nach der Pause aufs Grün geschickt. "Uns war klar, dass wir am Abgrund standen. Das war zu viel Nervosität, Blockaden, zu viele Fehler in allen Bereichen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich eine andere Mannschaft sehen möchte, dass ich Führungsspieler sehen möchte und Spieler, die das Spiel in die Hand nehmen. Dann haben sie es umgesetzt." Und zwar schon in der 49. Minute mit dem 1:1 durch Julian Kolbeck, der fünf Meter zentral vor dem Tor einen Freiraum von zwei Meter Radius minimum um sich hatte und einköpfte.

Als die Unterzahl dazu kam, war den Bayreuthern genügend in die Karten gespielt. Jetzt zogen sie bis um die 80. Minute einen Wirbel auf mit Torchancen - wie im Hinspiel. Doch Francic und Aubstadt reagierten: Grell für Schmidt, alternativ. Noack für Bauer, offensiv. Köttler für Behr in die Spitze, intensiv. Und es folgten die Chancen, wie am Freitag: Freistöße, Kopfbälle und diese Elfmeterszene, von der man - nicht nur in Aubstadt - noch in Jahren reden wird. Die man in Bayreuth verdrängen wird.
Ihr "you'll never walk alone" dröhnte nicht nur zur Pause, sondern auch nachher durchs altehrwürdige Hans-Walter-Wild-Stadion.

SpVgg Oberfranken Bayreuth - TSV Aubstadt 1:1 (0:1)

Tore 0:1 Martin Thomann (12.), 1:1 Julian Kolbeck (49.).
Gelb-Rot Michael Dellinger (55., Aubstadt).
Schiedsrichter Michael Emmer (Passau).
Zuschauer 1536.
Bayreuth Hempfling (46. Skowronek) - Dengler, Kolbeck, Weber - Weimar (65. Ulbricht), Wolf, Schmitt, Michaelis - Böhnlein, Makarenko (80. Renger), Knezevic.

Aubstadt Mack - Bauer (76. Noack, Benkenstein, Grader, Feser - Trunk, Behr (85. Köttler) - Dellinger, Kleinhenz, Thomann - Schmidt (64. Grell).
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