Großbardorf

Gleich vier Auszeichnungen für Großbardorf

Vier Preise wurden in Großbardorf nach einer sehr kurzen Nacht von Bürgermeister Josef Demar, Vertretern von Agrokraft, Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen (FWR) Genossenschaften und des Planungsbüros Helfrich für das Nahwärmenetz in Großbardorf stolz präsentiert.
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Ausgezeichnet: Gleich vier Preise wurden  in Großbardorf präsentiert, wobei einige Personen gleich mehrfach beteiligt waren. Die Urkunden und das Ortseingangsschild "Bioenergiedorf" präsentieren (von links) Sebastian Kuhn vom Ingenieurbüro Helfrich, Peter Schmitt, VG-Geschäftsstellenleiterin Sabine Schröder, Bürgermeister Josef Demar, Marco Seith, Mathias Klöffel, Reinhold Behr und Michael Diestel. Foto: Regina Vossenkaul
Ausgezeichnet: Gleich vier Preise wurden in Großbardorf präsentiert, wobei einige Personen gleich mehrfach beteiligt waren. Die Urkunden und das Ortseingangsschild "Bioenergiedorf" präsentieren (von links) Sebastian Kuhn vom Ingenieurbüro Helfrich, Peter Schmitt, VG-Geschäftsstellenleiterin Sabine Schröder, Bürgermeister Josef Demar, Marco Seith, Mathias Klöffel, Reinhold Behr und Michael Diestel. Foto: Regina Vossenkaul
Erst gegen 3.30 Uhr nachts waren Demar und Gemeinderat Mathias Klöffel aus Hannover zurückgekehrt, wo sie anlässlich der Messe "BioEnergy Decentral" die Auszeichnung "Bioenergiedorf" aus den Händen von Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Peter Bleser, vor 800 geladenen Gästen in Empfang nahmen, "mit weichen Knien", wie Demar bestätigte.

"Diese Auszeichnung geht in die Geschichte der Gemeinde ein", sagte der Bürgermeister, der sich "außerordentlich gefreut" hat. Viel Arbeit steckt hinter dem mit 10.000 Euro dotierten Preis, die "Agrokraft" und die Verwaltungsgemeinschaft haben mitgeholfen, eine gute Bewerbung abzugeben und alles in die Wege zu leiten. "Die Energiewende ist bei uns vollzogen", so das Fazit von Demar, der an die Entwicklung im Ort erinnerte, die mit der Photovoltaik-Freiflächenanlage begann und mit der Biogasanlage mit Ortswärmenetz sicher noch nicht zu Ende ist.
Dezentrale Lösungen - so könne sich was entwickeln, sagt Demar. Seine Gemeinde sei hier einzigartig und beispielhaft, das hat er jetzt schriftlich und von höchster Stelle.

"Wir sind auf einem tollen Weg, den es konsequent weiter zu beschreiten gilt", sagte Mathias Klöffel, Großbardorfer Gemeinderat, Landwirt und Agrokraft Geschäftsführer. Mit einer starken Truppe von 20 Leuten haben die Großbardorfer bei der Preisverleihung auf der Bühne eindrucksvoll gezeigt, dass hier der Genossenschaftsgedanke grundlegend ist. Der Landkreis Rhön-Grabfeld ist in diesem Jahr von allen in Deutschland am meisten ausgezeichnet worden, freut er sich. Dadurch wurde das bestätigt, was in vielen Jahren geplant und konsequent und intelligent umgesetzt wurde.

Selbst Japan ist an Konzepten interessiert

"Wir sind die innovativste Region", bestätigt auch Michael Diestel, ebenfalls Agrokraft Geschäftsführer. Das hat sich bis zu den Japanern herumgesprochen, die sich für die Konzepte interessieren. Es gehe um die Struktur, die Technologie und die Einbettung in die Regionalentwicklung, so Diestel. Ein Netzwerk der Bioenergiedörfer soll entstehen unter der Schirmherrschaft von Ilse Aigner, das soll auf der nächsten Grünen Woche in Berlin 2013 vorgestellt werden.

Der Genossenschaftsgedanke spielte auch eine große Rolle bei dem zweiten Preis, den Demar tags zuvor als Geschäftsführer der Agrokraft Streutal GmbH & Co. KG ebenfalls in Hannover entgegen nehmen konnte. Die Biogasanlage Unsleben erhielt einen Preis im Bundeswettbewerb "Musterlösungen zukunftsträchtiger Biogasanlagen", denn dort werden nicht nur Strom und Wärme erzeugt, sondern die Wärme sogar mehrfach genutzt. Sie trägt dazu bei, aus Methangas Biogas herzustellen, das ins Netz eingespeist werden kann. So erzeugt die Biogasanlage Unsleben momentan schon zehn Prozent des im Landkreis Rhön-Grabfeld benötigten Erdgases und arbeitet dabei in einer Genossenschaft mit 46 Landwirten und der "Rhöngas GmbH" zusammen. Die drei effizientesten Biogasanlagen wurden vom KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft) ausgezeichnet, zwei davon aus Rhön-Grabfeld. Nummer zwei steht auf dem Hofgut von Eberhard Räder in Bastheim. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Die Landwirtschaft der Zukunft

Wie sieht mein Landwirtschaftsbetrieb 2030 aus? Die Beantwortung dieser Frage wurde mit Platz zwei des DKB Landwirtschaftspreises 2012 belohnt, die entsprechende Urkunde konnte Mathias Klöffel, diesmal als Großbardorfer Landwirt entgegennehmen. Der Betrieb von Irene und Mathias Klöffel ist der erste aus Bayern, der ihn erhalten hat, er ist dotiert mit 3000 Euro.

Die Zukunftsvisionen sollten von den teilnehmenden Landwirten dargestellt werden, dabei ging es keinem der Bewerber um mehr Flächen oder eine Vergrößerung des Betriebes, sondern um eine breitere Aufstellung mit mehreren Standbeinen, um weniger Krisenanfällig zu sein. Klöffel konnte punkten mit seinen Ausführungen bezüglich der Vernetzung der Landwirte, die nicht nur als Alleinkämpfer auf dem Traktor sitzen, sondern sich an innovativen Projekten beteiligen sollten.

Wenn sich 44 Landwirte in Großbardorf zusammentun, um gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen, sei es ein gemeinsamer Milchviehstall, eine Tomatenzucht oder eine Fischzucht, verteilen sich Investitionskosten und Risiken auf viele Schultern und es tut keinem weh, wenn etwas nicht klappt. Viele Landwirte haben zwar Ideen, aber kein Geld, keine Zeit und kein Know-how. Er möchte dazu beitragen, die Landwirte aus ihrem engen Korsett herauszuholen. Man könnte in einer FWR Bauern-Genossenschaft vieles verwirklichen, fügte Michael Diestel, BBV-Geschäftsführer, an.

Preis wurde geviertelt

Berlin, Köln, Chemnitz, Rhön-Grabfeld - den vierten Preis, der beim Pressetermin in Großbardorf vorgestellt wurde, erhielt die "FWR Windpark eG Streu und Saale", die damit einen frischen "Aufwind" erhielt. Der Förderpreis "EnergieFAIRsorgung" zeichnet Initiativen aus, die den dezentralen Ausbau von regenerativen Energien voranbringen. Geviertelt wurde der erste Preis, die Mitgewinner sind die oben genannten größeren Städte, hier konnte die Genossenschaft bestens mithalten. Der Preis ist dotiert mit 8000 Euro und wurde in Bochum von der GLS Treuhandstiftung Neue Energie (von der GLS Bank) überreicht. Peter Schmitt, Vorstand der Genossenschaft, und Michael Diestel hatten die Selbstdarstellung bei der Preisvergabe übernommen und erfuhren viel Bestätigung.

Dass hier nicht nur sechs Energiegenossenschaften ein gemeinsames Windkraft-Projekt stemmen, sondern auch eine Entwicklungsgenossenschaft gegründet wurde, durch die auch landkreisweit Investoren ins Boot geholt werden, stieß auf große Anerkennung. Der Profit müsse in der eigenen Region bleiben, das sei einer der grundlegenden Gedanken, erläuterten die beiden Vertreter.

Stefan Fella vom AELF Bad Neustadt gratulierte den Preisträgern und wies auf die neue Beratungsstelle im Amt hin, sie soll die Energiewende im Ländlichen Raum voranbringen. Dabei greift man gern auf die Erfahrungen der Vorreiter zurück.

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