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Kultur

Die letzte Nacht der Poesie am Kreuzberg

Bei der Nacht der Poesie am Kreuzberg wurde Rudolf H. Herget gedacht.
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Gedenkfeier Rudolf H. Herget Foto: Marion Eckert
Gedenkfeier Rudolf H. Herget Foto: Marion Eckert
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Die Freunde der Nacht der Poesie auf dem Kreuzberg lauschten der Stimme von Rudolf Herget. Doch die Stimme kam nur vom Band, denn der Künstler ist im Februar diesen Jahres gestorben. Im Gedenken an ihn fanden sich Freunde und Anhänger seiner poetischen Erzählkunst auf dem Kreuzberg ein. Äußerlich war alles wie in den Jahren zuvor.

Zumindest auf den ersten Blick schien alles wie immer: Die Menschen stiegen mit Iso-Matten, Decken, Schlafsäcken, Klappstühlen und Proviantkörben die vielen Treppen zu den drei Kreuzen empor, lagerten sich auf der Wiese und ließen den Blick in die Ferne schweifen. Die Rhönberge von den Schwarzen Bergen über die Wasserkuppe bis zum Heidelstein präsentierten sich im roten Schein der untergehenden Sonne. Die Silhouette der Kreuzigungsgruppe im Vordergrund hob sich dunkel gegen den Himmel ab. Und doch war alles anders.
Nachdenklicher, besinnlicher, trauriger und tiefgründiger.

"Wir alle sind Kinder des Universums, aus Sternenstaub geboren, nicht für die Ewigkeit geschaffen, nur der Hauch eines Augenblicks. Augenblicke, die verwehen, wie der Sand in der Wüste. Auch die Ewigkeit besteht nur aus Augenblicken." Ein Bild von Rudolf Herget erinnerte an ihn, strahlend mit Rosen in den Händen, so kannten ihn seiner Poesiefreunde, wenn er in den Sommermonaten auf den Rhönbergen zu den Nächten der Poesie einlud. In Gedanken an ihn und zur Würdigung haben seine Freunde Rosen nieder gelegt. Es fiel nicht auch schwer den Worten zu lauschen, sich innerlich darauf einzulassen, in die Ruhe zu finden und die Gedanken schweifen zu lassen. Und doch, es war anders. Unter dem Blickwinkel, dass der große Erzähler der Nacht seine letzte Reise angetreten hatte, wirkten viele der Gedichte anders. "Millionen Jahre sind vergangen eh es uns gab. Jahrmillionen werden vielleicht noch nach uns sein.

Irgendwo in ihrer Mitte zwischen Vergangenheit und Zukunft sind ein paar Sommer an denen für uns Tag ist auf dieser Erde..." Wie dankbar die Menschen Rudolf Herget gegenüber sind, wurde im Gedenkbuch festgehalten. "Danke für die schönen Nächte der Poesie", "Danke für die unvergesslichen Nächte", "Zum zweiten Mal Abschied nehmen." Gabriele Schneider aus Rossbach bei Bad Brückenau brachte eine Rose, verweilte einen Moment vor dem Bild von Rudolf Herget und blätterte durch das Gedenkbuch. "Ich habe eine Rose zum Gedenken mitgebracht". Zehn Mal war Gabriele Schneider am Kreuzberg dabei und so war es für sie selbstverständlich, auch zur Gedenkveranstaltung zu kommen. "Ich hoffe, dass es nicht zum letzten Mal war. Ich hoffe es wird weiter gehen." Dass es weitergehen wird, das hoffen auch weitere Anhänger von Rudolf Herget. Christine Schüller und Erika Dietz aus Großbardorf sind seit 2003 Jahr für Jahr auf den Kreuzberg gekommen.

"Es wäre schön, wenn wir weiterhin jedes Jahr zum Kreuzberg kommen könnten, um Nächte der Poesie erleben zu können." Bischofsheims Tourismusreferent Gerhard Nägler und Klaus Schenk vom Haus der Schwarzen Berge erklärten auf Nachfrage, dass es künftig keine Nacht der Poesie mehr geben werde, bei der Bandaufnahmen von Rudolf Herget gespielt werden. Dennoch soll die Nacht der Poesie nicht sterben. "Wir wollen versuchen, am Kreuzberg eine Nachfolgeveranstaltung im Sinne Rudolf Hergets aufzuziehen, das heißt, freie Rezitation unter freiem Himmel, mithilfe der Gymnasien und Hochschulen. Ob es uns gelingt, steht in den Sternen", so Nägler. Das Gedenkbuch vom Kreuzberg wird in der Tourist-Info Bischofsheim aufgehoben.

Auf die Homepage www.nacht-der-poesie.deund www.facebook.com/Rudolf.Hergetbesteht die Möglichkeit auch weiterhin mit Freunden von Rudolf Herget in Verbindung bleiben. Die wohl letzte Nacht der Poesie auf dem Kreuzberg endete Worten aus dem Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exepuéry: "Es wird aussehen, als wäre ich tot; aber das wird nicht wahr sein. Und wenn du in der Nacht zum Himmel auf siehst, so wird es sein, als lachen alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen bin, weil ich auf einem von ihnen lache."


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