Bad Kissingen
Nationalpark

Das ist das endgültige Aus für den Nationalpark Rhön

Söder legt den Nationalpark vorerst auf Eis und verspricht stattdessen Bildungsstätten für die Regionen. Das kommt bei den NP3-Gegnern in der Rhön gut an.
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Bei seinem Besuch im Januar kündigte der damalige Finanzminister und designierte Ministerpräsident Markus Söder vor Nationalpark-Gegnern eine zügige Entscheidung an. Gestern hat er seine Andeutungen von damals umgesetzt und den Nationalpark auf Eis gelegt. Foto: Ralf Ruppert
Bei seinem Besuch im Januar kündigte der damalige Finanzminister und designierte Ministerpräsident Markus Söder vor Nationalpark-Gegnern eine zügige Entscheidung an. Gestern hat er seine Andeutungen von damals umgesetzt und den Nationalpark auf Eis gelegt. Foto: Ralf Ruppert
Alles andere wäre eine Überraschung gewesen: Wie bereits im Januar in Bad Kissingen angedeutet, hat Ministerpräsident Markus Söder gestern den dritten Nationalpark für Bayern auf Eis gelegt.

"Es gibt eigentlich nur Gewinner", kommentierte Daniel Wehner, Vorsitzender des nationalpark-kritischen Vereins "Unsere Rhön - gemeinsam stark", die Rede Söders. "Wir kriegen keinen Nationalpark und die Befürworter können sich auf eine neue Einrichtung freuen." Wehner hofft, dass durch das Machtwort aus München Ruhe in die Diskussion einkehrt. Schließlich gebe es auch im Verein zum Beispiel Mitglieder des Bundes Naturschutz. Deshalb gehe die Arbeit auch auf alle Fälle weiter: "Wir wollen jetzt bald eine Versammlung machen", kündigt Wehner an, und: "Wir als Verein werden aktiv bleiben." Schließlich wollten die Mitglieder ihre Heimat mitgestalten, Projekte wie der "Zukunftswald 2100" sollen weiterverfolgt werden.

In den vergangenen Monaten sei sehr viel über die Rhön geschrieben und gesprochen worden. Diese Werbung will Wehner nutzen. Aus seiner Sicht ist auch Söders Begründung schlüssig, dass auch ohne Nationalpark viel für die Artenvielfalt in der Rhön getan werden kann. Die große Frage sei nun, wo das neue Umweltbildungszentrum entstehen soll: Seine Heimatgemeinde Burkardroth habe zwar den Hut in den Ring geworfen, liege aber vermutlich zu nahe an den bestehenden Einrichtungen. "Die Frage ist, wo die Rhön beginnt", kommentiert er die Standort-Suche.


Positiv für Tourismus

Als "sehr positive Entwicklung" sieht auch der Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (CSU) die Regierungserklärung. Die Förderung der Biodiversität sei ein wichtiger Impuls: "Damit können wir gut arbeiten." Ein zweiter Aspekt aus Söders Rede sei die angekündigte Investition in die touristische Infrastruktur: "Das passt genau zu unseren Bestrebungen, den Tourismus in der Region, die Destination Rhön und die Marke Rhön weiter zu entwickeln."

Von Söders angekündigtem "Feuerwerk der Ideen für Unterfranken" sei in seiner Regierungserklärung nur Platz für ein geplantes Biodiversitätszentrum Rhön geblieben, kritisiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Dr. Manuela Rottmann: "Das ist ein Schlagwort, aber keine Idee." Mit Naturschutz und der Einhaltung der internationalen Verpflichtungen Deutschlands, mehr zur Artenvielfalt beizutragen, habe das alles nichts zu tun. "Während Söder in allen anderen Politikfeldern Bonuszahlungen nach dem Gießkannenprinzip ankündigt, bleibt der Natur- und Umweltschutz trocken und trostlos", sagt Rottmann.

Für die Regionalentwicklung fordert Rottmann Ideen wie ein verlässliches, attraktives Verkehrsangebot auch ohne eigenes Auto - die bleibe Söder aber schuldig. "Söders angekündigte ÖPNV-Offensive wird daran nichts ändern, denn mindestens die Hälfte der Mittel wird für die Zweite Stammstrecke in München vergraben", sagt Rottmann.


Neues Biodiversitätszentrum

Der Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner (CSU) sieht dagegen gerade im geplanten Biodiversitätszentrum eine große Chance für die Rhön. Außerdem will er sich nun weiter für die Etablierung eines eigenen Haushaltstitels für das Biosphärenreservat stark machen: "Denn das hat in der Vergangenheit gefehlt." Darüber, wie der Dialog mit den Nationalpark-Befürwortern zukünftig weitergehen wird, könne man zurzeit nur spekulieren. "Aber mit der heutigen Ankündigung haben wir eine Chance, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen."

"Wir halten an einer sorgfältigen und ergebnisoffenen Prüfung der Standorte unterfränkischen Spessart, Steigerwald und Rhön für die Ausweisung weiterer Naturschutz-Kernzonen fest", betont Yatin Shah, Landtagskandidat der Grünen im Wahlkreis Bad Kissingen. "Wir wollen echten Naturschutz, nachhaltige Regionalentwicklung, aber keine CSU-Posse aus taktischen Gründen." Für die Rhön fordert Shah auf jeden Fall mehr dauerhafte Landesmittel für das Biosphärenreservat.


Artenschutzzentrum für Augsburg geplant

"Weder Befürworter noch Kritiker der Nationalparkidee haben heute Grund zur Freude", heißt es weiter von der Grünen-Abgeordneten. In der Rhön hätten unzählige Bürger, ehrenamtliche Gemeinde- und Kreisräte, Naturschutzverbände und Skeptiker viele Stunden investiert, um Chancen und Risiken eines Nationalparks zu diskutieren, und mögliche Gebietskulissen und Regeln für eine Nationalparksatzung zu erarbeiten. "Das war alles für die Katz", kritisiert Rottmann das Verfahren. "Wer so mit dem Engagement der Leute umgeht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Bürgerinnen und Bürger ihm in Zukunft den Vogel zeigen."

"Der Kabinettsbeschluss wurde leider nicht umgesetzt", bedauert Claus Schenk, Sprecher des Bündnisses Nationalpark Rhön. Die angekündigte Stärkung der Naturparks sowie das geplante Artenschutzzentrum seien aber "mit Sicherheit ein Gewinn". Der Kampf für einen Nationalpark in der Rhön habe sich dennoch gelohnt, schließlich sei sachlich herausgearbeitet worden, dass die Rhön geeignet gewesen wäre. "Ein Nationalpark wäre ein Aufstieg von der dritten in die erste Liga gewesen", sagt Schenk. Wenn nun aber mehr Personal im Biosphärenreservat eingesetzt werde, sei auch dies eine Stärkung der Region.



Kulturraum im Fokus

von G. Fischer, S. Brunner und R. Hein

Mit der Regierungserklärung Markus Söders vom Mittwoch ist das Nationalpark-Thema vom Tisch, dafür soll ein Biodiversitätszentrum die Rhön aufwerten. Auch das Bundesumweltamt hat die Rhön seit einigen Jahren als Hotspot der Biodiversität in Deutschland aufgewertet. Michael Geier, Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats, sieht ein Biodiversitätszentrum in der Rhön gut aufgehoben. Denn es gehe um Artenvielfalt im landwirtschaftlich genutzten Kulturraum.

Diesbezüglich sei die Rhön einer der 30 nationalen Hotspots der Biodiversität. "Natürlich ist noch vieles offen. Beispielsweise: Ist das Zentrum als Informationspunkt gedacht, als Beratungsstelle für die Landwirtschaft und so weiter", sagt Geier. Ein solches Zentrum betreffe die Rhöner aber direkter, weil sie entweder als Produzenten oder als Konsumenten mit den Auswirkungen konfrontiert seien. Auch in das Thema Ökomodellregion ließe sich ein solches Biodiversitätszentrum einbinden, so der Fachmann. "Dann stellt sich auch die Frage, wie intensiv die landwirtschaftlichen Flächen genutzt werden."

Auch Klaus Spitzl, Geschäftsführer des Vereins Naturpark und Biosphärenreservat Rhön, sieht Perspektiven in einem Biodiversitätszentrum. Es könnte eine Ergänzung der Infoeinrichtungen in Oberbach oder Oberelsbach sein. Spitzl könnte sich einen Standort im südlichen Bereich des Naturparks und Biosphärenreservats vorstellen, in Nähe der Saale. "Eigentlich ist Söders Ankündigung so etwas wie ein Geburtstagsgeschenk für den Naturpark Rhön, der mittlerweile im 50. Jahr besteht", sagt Spitzl.

"Ich kann die Äußerungen des Ministerpräsidenten mittragen und respektieren", sagte Landrat Thomas Habermann in einer ersten Stellungnahme kurz nach der Regierungserklärung. Auch er glaubt, dass ein Biodiversitätszentrum gut in die Rhön passen würde. "Das ist genau der richtige Ansatz", wertete er. Wichtig sei für ihn ein guter wissenschaftlicher Unterbau. Positiv sei für ihn auch die Absicht Söders, die Natur auf breiter Fläche zu bewahren. Nun müsse man in der Umsetzung sehen, was daraus gemacht wird und inwieweit die Region daran beteiligt wird.


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