Auf dem Weg zu mehr Bekanntheit

Noch sind wenige Pilger auf der Via Romea unterwegs durch Rhön und Grabfeld nach Rom - das könnte sich bald ändern
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Von Neuseeland auf der Via Romea durch das Streutal. Jaqui Tutt und Alan Fairless unterwegs auf dem Romweg.  Foto: Stefan Kritzer
Von Neuseeland auf der Via Romea durch das Streutal. Jaqui Tutt und Alan Fairless unterwegs auf dem Romweg. Foto: Stefan Kritzer
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Rund 1.250 Kilometer sind es von Bad Neustadt an der Saale nach Rom. Zu Fuß ist das eine ganz schöne Aufgabe, aber in Zeiten des Pilgerwegebooms sollte so eine Route doch machbar sein. Schließlich führt aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld ein internationaler Pilgerweg in die heilige Stadt der Christenheit. Doch so recht in den Köpfen der Pilger ist die Via Romea noch nicht angekommen. Das soll sich allerdings schon bald ändern, vielleicht mit dem Prädikat einer Europäischen Kulturroute.

Von Eußenhausen über Mellrichstadt, entlang der Streu bis nach Bad Neustadt und von dort weiter über Salz, Niederlauer und Burglauer nach Süden. Der Romweg Via Romea ist im Landkreis bestens ausgeschildert und unschwer durch das blau hinterlegte Schild mit dem goldenen Stab eines Abtes zu erkennen. Seit einigen Jahren ist die Via Romea als Pilgerweg nach Rom etabliert und kämpft seitdem um Reisende, Wanderer und Pilger. Denn noch immer ist der Romweg ein Geheimtipp, der hinter dem Bekanntheitsgrad der Jakobuswege nach Santiago de Compostela weit zurücksteht.
Doch darin liegt auch eine Chance für die Via Romea. Wem nämlich die spanischen Jakobswege zu überlaufen sind, der versucht es vielleicht mal mit der Via Romea. Und kommt auf seiner Pilgerreise durch Rhön und Grabfeld. So wie Jaqui Tutt und Alan Fairless aus Neuseeland.
Den Jakobusweg nach Santiago schon gelaufen? Na klar! Die Via Francigena von London nach Rom? Auch! Sogar einen Pilgerweg in Japan haben Tutt und Fairless schon gemeinsam begangen. Und jetzt die Via Romea. Im Sommer passierten die beiden erfahrenen Pilger den Landkreis und freuten sich über beste Beschilderung, Pilgerbetten im Gasthaus am Markt und eine Führung durch Heustreu.
"Es werden immer mehr Pilger, und sie kommen auch aus anderen Ländern", sagt Michael Weiß. Der geschäftsleitende Beamte der Stadt beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Etablierung des Pilgerweges und kämpft um dessen Popularität. Die Via Romea ist Weiß längst zur Herzensangelegenheit geworden. Erst kürzlich stellte er gemeinsam mit seinem italienischen Kollegen Flavio Foietta die Via Romea bei einem Kongress im toskanischen Lucca vor. Rund 1.000 Kongressteilnehmer hörten genau zu, denn schon bald könnte die Via Romea zu einer Europäischen Kulturroute werden.
Die Beantragung für diese hochkarätige und mit hohen Fördermitteln gesegnete Auszeichnung läuft derzeit. Dazu braucht es noch einen Verein auf europäischer Ebene, den Michael Weiß gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern voranbringt. Anfang September ist die nächste Besprechung. Weiß muss dann aber nicht so weit reisen, diese findet dann in Würzburg statt.
Wann immer er es in seinem Terminkalender einrichten kann, empfängt Michael Weiß die Pilger entlang der Via Romea in Bad Neustadt. Eine Stadtführung gerne inklusive. Zuletzt im September Synnøve Skåksrud aus Norwegen. Auch sie ist unterwegs nach Rom, in Stade gestartet und noch mehrere Monate unterwegs, aber beim Pilgern ist ja schließlich der Weg das Ziel.
Die Stimmung der Pilger unterwegs, die Auseinandersetzung mit sich selbst, die Motivation zu so einer langen Reise und die entschleunigte Art des Reisens sind Thema einer Serie über Pilgerwege des italienischen Fernsehsenders RAI. Vor wenigen Tagen drehte das RAI3-Team Abschnitte der Via Romea im Landkreis entlang der Streu, in Heustreu wie in Bad Neustadt. "Das Fernsehteam ist auf uns zugekommen und hat nach geeigneten Drehorten gefragt", sagt Michael Feiler. Der Geschäftsführer der Tourismus und Stadtmarketing GmbH hat selbst die Wanderschuhe geschnürt und stand für Filmaufnahmen bereit. Genau wie Ingo Hahn. Der frühere Bürgermeister von Rödelmaier ist die Via Romea schon bis nach Rom gewandert und somit ein ausgewiesener Via Romea-Experte.
Michael Feiler würde liebend gerne den Romweg durch den Landkreis bekannter machen. Und das am besten für alle Altersklassen, was zudem eine Grundvoraussetzung zur Anerkennung als Europäische Kulturroute ist. Zur Ruhe kommen, sich auf sich selbst besinnen, all das passt auch zur Strategie des Bäderlandes Bayerische Rhön. Mit einem Pilgerweg wie der Via Romea rennt man bei allen Tourismuschefs offene Türen ein.
"Wir müssen Geduld haben", sagt Michael Weiß, wenn es um das Bekannterwerden der Via Romea geht. "Das Interesse der Pilger ist auf jeden Fall geweckt", betont er. Beim Kirchentag in Berlin musste Weiß am Stand der Via Romea unzählige Fragen zum Romweg beantworten. Wenn all die Fragenden demnächst auf der Via Romea unterwegs sind, dürfte dem Durchbruch des Pilgerweges zu einem der bekanntesten in Europa bald nichts mehr im Wege stehen. Stefan Kritzer
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