Unterweißenbrunn an der Rhön
Tradition

Weihnachten in Indien

Nicht überall auf der Welt gehört Schnee, Lichterschmuck, Adventskranz und Tannenbaum zu den typischen Dingen, die Weihnachten einfach dazu gehören. In einem Gespräch mit der Rhön- u. Saalepost erzählte Pater Augustin Parambakathu wie Advent und Weihnachten in seiner Heimat Indien gefeiert wird.
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Der Stern ist in Indien das Weihnachtssymbol schlechthin. Pater Augustin Parambakathu im traditionellen indischen Männer-Gewand, bestehend aus dem Oberteil genannt ,Jhuba' und dem Unterkleid namens ,Mundu' mit einem modernen indischen Weihnachtsstern. Foto: Eckert
Der Stern ist in Indien das Weihnachtssymbol schlechthin. Pater Augustin Parambakathu im traditionellen indischen Männer-Gewand, bestehend aus dem Oberteil genannt ,Jhuba' und dem Unterkleid namens ,Mundu' mit einem modernen indischen Weihnachtsstern. Foto: Eckert
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Auch wenn Pater Augustin nun schon seit sechs Jahren in Deutschland ist und als Kaplan in der Pfarreingemeinschaft "Am Kreuzberg, Bischofsheim" nach dem römischen-katholischen Ritus die Gottesdienste zelebriert, seine Wurzeln sind in Indien.

Indien ist kein christliches Land ist, 80 Prozent der Bevölkerung gehört dem Hinduismus an. Der christliche Glaube ist aber trotzdem seit 2000 Jahren in Indien beheimatet. Der Legende zu Folge kam der Apostel Thomas mit seinen Anhängern nach Indien. Daher nennen sich die Indischen Christen "St. Thomas Christen" zu denen sich auch Pater Augustin Parambakathu zählt.

Adventszeit mit Adventskranz, Adventskalender, Lebkuchen, Glühwein und Adventsmärkten kennt man in Indien nicht. "Advent wird mehr liturgisch gefeiert. Vom 1. bis 24. Dezember finden jeden Morgen Gottesdienste statt, ähnlich wie die Rorate-Messen in Deutschland", erklärt Pater Augustin.
Um sich auf Weihnachten vorzubereiten fasten die Erwachsenen, das heißt es wird auf Fleisch verzichtet, manche verzichten auch auf Fisch und Milch. "Das sind unsere Adventszeichen." Üppigen Adventsschmuck und Kerzen sind in Indien in der Adventszeit nicht üblich. "Für Kerzen ist es viel zu warm. Wir kennen in Indien zu Weihnachten keine Wintersymbole. Bei uns ist zu Weihnachten kein Winter." Mittlerweile hat Pater Augustin aber auch den Deutschen Advent schätzen gelernt, vor allem das "romantische Flair mit Schnee und Kerzen".

Die Familien in Pater Augustins Heimat beginnen in der letzten Woche vor Weihnachten ihre Häuser weihnachtlich zu dekorieren. "Unser Weihnachtsschmuck sind Sterne. Das ist unsere Tradition. Der Stern spielt in der Weihnachtsgeschichte eine große Rolle, daher schmücken wir unsere Häuser mit Sternen." Wohin man in dieser Zeit in Indien komme finde man Sterne, als Dekoration in den Geschäften und den Wohnungen.

Noch gut kann sich Pater Augustin erinnern, wie er als Kind Jahr für Jahr unzählige Sterne bastelte. Aus halbierten Bambusstangen wurden die Sterne gebunden und mit buntem Papier bespannt. "Als ich ein Kind war, habe wir das Jahrelang gemacht. Die Sterne wurden dann mit einer Lampe von ihnen beleuchtet." Wenn die Sterne gebastelt sind, dann wird es in Indien Weihnachten, aber einen Tannenbaum als Weihnachtsbaum kennen Inder nicht. "Wir nehmen buschige Bäume, meistens Bambus." Geschmückt wird der indische Weihnachtsbaum mit Lichtern und natürlich mit Sternen.

Und wie verhält sich das mit Weihnachtsgeschenken? Nach indischer Tradition sind Weihnachtsgeschenke unbekannt. Man mag es kaum glauben, aber Pater Augustin hat als Kind keine Weihnachtsgeschenke gekannt.
"Mein erstes Weihnachtsgeschenk bekam ich im Priesterseminar.

Weihnachtsgeschenke, das entspricht nicht unserer Kultur, nicht weil man etwas dagegen hat etwas zu schenken, es gehört für uns an Weihnachten nicht dazu." Die Globalisierung macht aber auch vor Indien nicht halt. Wer im Ausland lebte und arbeite, bringt internationale Bräuche und Traditionen nach Indien. So gibt es heute in vielen Familien schon Kugeln, Lametta, Lichterketten und auch Geschenke, wenn auch die Geschenke meist nur für die Kinder sind. Auch in Pater Augustins Familie haben die Neuerungen Einzug gehalten. "Heute bekommen meine Nichte und mein Neffe Weihnachtsgeschenke. Aber die Erwachsenen schenken sich gegenseitig nichts." Eine schöne Tradition ist das Weihnachtssingen. In jeder Gemeinde bilden sich Singgruppen, die in den Tagen vor Weihnachten, gemeinsam mit dem Christkind und dem Nikolaus von Haus zu Haus gehen, Weihnachtslieder singen und die Frohe Botschaft von Jesus Geburt in die Häuser tragen.

"Es wird jedes Haus besucht, egal ob es Christen oder Hindus sind. Die Familien legen wert darauf, dass sie besucht werden", erzählt Pater Augustin. "Erwachsene und Kinder ziehen gemeinsam von Haus zu Haus, die eingenommenen Kollekten kommen der Kirchengemeinde zu Gute." Pater Augustin ist als Kind bei vielen Weihnachtssingen mit dabei gewesen.

"Ich war unzählige Male der Nikolaus. Habe mich als Nikolaus verkleidet und die Singgruppe in die Familien begleitet." Gesungen werden natürlich indische Weihnachtslieder, die von den klassischen biblischen Geschehnissen berichten. Am Abend des 24. Dezember treffen sich die Singgruppen zur traditionellen Christmette, die in Indien gut und gerne drei Stunden dauert, anschließend wird in der Gemeinschaft der Gemeinde gefeiert. Der Heilige Abend, wie in Deutschland üblich, wird in Indien nicht als Familienfest begannen.

"Der Familien-Weihnachtstag ist in Indien der 1. Weihnachtsfeiertag." An diesem Tag wird ganz feierlich in den Familien gegessen, natürlich typische indische Gerichte. "Die Kinder kommen bei den Eltern zusammen." Der Mittelpunkt ist die Weihnachtskrippe, die ebenfalls in der letzten Woche vor dem Weihnachtsfest aufgestellt wird. "Jede Familie hat eine Krippe. Es sind europäische Figuren. Damit werden ganze Krippenlandschaften aufgebaut. Watte wird als Schnee verwendet." Natürlich haben die Kinder an Weihnachten keine Schule, die Ferien dauern bis zum neuen Jahr. Die Weihnachtszeit dauert bis zum 6. Januar, dem Fest Epiphanie. "Das Gedächtnis der Taufe Jesu wird groß gefeiert." Weihnachten wird in Indien Landesweit gefeiert, nicht nur bei Christen sondern auch Hindufamilien und Moselms sind eingeladen. "Auch Nicht-Christen wünschen sich Merry Christmas."
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