Motten
Wandertage

Truppenübungsplatz Wildflecken für tausende Wanderer geöffnet

Fast 2000 Wanderer nutzen wieder die Gelegenheit, die sich nur einmal im Jahr an einem Juli-Wochenende bietet: Der Truppenübungsplatz Wildflecken öffnete die Tore für Rhön-Fans und Freunde der Bundeswehr. Und der Andrang auf den drei unterschiedlich langen Strecken im riesigen Areal war groß.
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Foto: Joachim Rübel
Foto: Joachim Rübel
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Frühaufsteher aus den umliegenden Landkreisen hatten den Parkplatz der Will-Brauerei in Motten am Samstag bis 10.30 Uhr schon fast vollständig belegt. Von da aus strömten sie hinauf in Richtung Übungsplatz. Wanderer Andreas Hipperling hat sich für die mittellange der drei Strecken entschieden. Sie ist 15 Kilometer lang. "Ich komme jedes Jahr zu den Wandertagen", sagt der Gersfelder, "meine Frau und ich genießen den Rundumblick und das ungewöhnliche Ambiente."

Vor allem die Aussicht hat es Hipperling angetan, der Blick hinüber über das Sinntal zu Kreuzberg, Feuerberg und Farnsberg, und auf der anderen Seite zu Wasserkuppe, Milseburg und Ebersburg. "Das ist fantastisch", sagt Hipperling, und das Paar setzt seine Tour fort. Die erste Etappe ging in diesem Jahr zur Dalherdakuppe, eine Strecke von rund fünf Kilometern.
Auf diesem Aussichtspunkt in 801 Metern Höhe trafen sich die Tourengeher, nachdem sie zunächst das Dalherdaer Kuppenmännchen bestaunt hatten, eine schlanke Basalt-Formation aus Phonolith, die entfernt einer Menschengestalt ähnlich sieht. Da die Blöcke oberhalb des Dorfes Dalherda in den Himmel ragen, lag die volkstümliche Benennung nahe. Mutwillig ist das Naturdenkmal schon einmal umgeworfen worden, aber Freunde der Rhön haben es wieder aufgerichtet.

Neben den vielen Wanderern, die an der Dalherdaer Kuppe kurze Rast einlegten, haben es sich für das ganze Wochenende auch einige Uniformierte gemütlich gemacht. Und zwar in alter US-Ausrüstung. "Schließlich waren das hier ja jahrzehntelang die Platzherren", sagt Thomas Auer aus Regensfeld bei Gersfeld. Er und etwa 15 weitere jüngere und ältere Freunde von historischen US-Militärfahrzeugen und kleineren Ausrüstungsstücken haben Zelte errichtet und kampieren direkt an der Wanderstrecke. Auer ist stolz auf seinen in Tarnfarben lackierten Chevy von 1984 und den Ford Mutt 151 Geländewagen von 1968/69. Aus dem DVD-Player ist Country-Music zu hören, einige Männer heben die Beine Army-typisch hochgelegt. Mit dabei sind auch mehrere Männer der Reservistenkameradschaft Bad Brückenau. "Wir sind ein loser Verbund", sagt Heinz Leitsch aus Modlos, "wir wollen an die Zeit der Amerikaner erinnern, und die Bundeswehr hat uns daraufhin für dieses Lager eingeladen". Zum ersten Mal war das 2012. Auch die Jugend ist dabei: "Mir macht das ziemlich Spaß", sagt der elfjährige Christian Hauer, der ebenfalls aus Gersfeld stammt und gerade auf der Dalherdaer Kuppen-Spitze seine aufgewärmte Tütenration vertilgt.

An zerschossenen Panzer-Geschütztürmen vorbei

In den weiteren Wander-Abschnitten ging es am Wochenende in Richtung Dreifeldskuppe, und für die ganz Hartgesottenen bot die Bundeswehr den Weg um die Dammersfeldkuppe herum an. Der längste, rund 20 Kilometer lange Wanderweg, führte durch waldige Abschnitte und immer wieder an alten zerfallenen oder gesprengten militärischen Anlagen vorbei. Immer wieder hieß es auf mit Totenkopf versehenen Hinweisschildern: "Achtung Blindgänger-verseuchtes Gelände. Betreten verboten." Auch die weiten Hänge am Dammersfeld, auf denen zur Zeit das Weidenröschen großflächig in rosa und lila Farbtönen blüht, können abseits der Wege nicht betreten werden. Im hohen Blütenmeer sind ab und zu die Reste von verrosteten und zerschossenen Panzer-Geschütztürmen samt Rohr zu erkennen.

Auch der einsame Wanderer war nie ganz allein: Immer wieder patrouillierten Wagen der Range Control die Wege entlang und sahen nach eventuellen Fußkranken, an mehreren Versorgungsplätzen konnte man sich bei Imbiss und Getränken erholen. Am Ende eines langen Wandertages ging es dann zum Teil steil bergab, an Schießbahnen und einigen zerschossenen Autowracks vorbei, und dann raus aus Wald und Truppenübungsgelände, hinein in grüne, landwirtschaftlich genutzte Flächen: ein auffälliger Kontrast. Am Ziel/Startpunkt auf dem Parkplatz der Will-Brauerei standen um 17.30 Uhr nur noch vereinzelte Autos. Wanderer sind eben nicht nur Frühaufsteher, sondern auch Frühheimkehrer.

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