Bad Königshofen im Grabfeld
Repariertreff

Schrauben für Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen

Die Begriffe "Nachhaltigkeit" und Ressourcenschonung" in die Praxis umsetzen - das wollen die Organisatoren des "ReparierTreffs", der am Samstag im Mehrgenerationenhaus Sankt Michael zum ersten Mal stattfand. Dazu konnte Mitarbeiterin Michaela Losert-Fischer einige ehrenamtliche Bastler und Gäste begrüßen.
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Typischer Fehler: Die Temperatursicherung ist durchgebrannt, die Kaffeemaschine kann repariert werden, versichert Andreas Wirsing, hier mit Hannelore Flügel. Foto: Regina Vossenkaul
Typischer Fehler: Die Temperatursicherung ist durchgebrannt, die Kaffeemaschine kann repariert werden, versichert Andreas Wirsing, hier mit Hannelore Flügel. Foto: Regina Vossenkaul
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"99 Prozent sind in Ordnung, nur eine Kleinigkeit ist defekt - warum muss ich das Gerät wegwerfen?” Die Frage, die Andreas Wirsing mehrmals beim ersten Reparier-Treff im Haus St. Michael in Bad Königshofen stellte, ist schon bei vielen Verbrauchern aufgetaucht. Der Mühlenbesitzer aus Mellrichstadt ist daran gewöhnt, vieles selbst zu richten und wusste deshalb auch gleich, was der Kaffeemaschine von Hannelore Flügel fehlt, die seit dem Entkalkungsprozess "keinen Muckser" mehr von sich gibt.

Durch mehrmalige Spülvorgänge war die Maschine überhitzt - die Temperatursicherung hat den Geist aufgegeben. Kompliziert gestaltete es sich, an die Sicherung heranzukommen.
Wegen der Lohnkosten seien derartige Reparaturen verhältnismäßig teuer, meint Wirsing, das Ersatzteil kostet nur wenig.

Wenn Geräte kurz nach der Garantiezeit den Dienst quittieren, weil ein Verschleißteil aus minderwertigem Material eingebaut wurde, sei das so gewollt. Oft sei es dann preiswerter, ein neues Gerät zu kaufen, als die Reparaturkosten zu bezahlen. Das gilt auch für die Kopfhörer, die Sylvia Hirschlein mitgebracht hatte. Die sehr dünnen Kabel hatten keinen Kontakt mehr zum Stecker - mit einem Lötkolben könnte man das Problem beheben. Hirschlein, die auch am Handarbeitstreff teilnimmt, hatte die Idee für den Reparier-Treff und stieß im Haus St. Michael auf offene Ohren.

Reparieren ist im TrendIm Fernsehen habe man bereits gut funktionierende Beispiele gesehen, sagte Losert-Fischer. "Das liegt im Trend und ist notwendig, weil sich unser Umgang mit Rohstoffen ändern muss." Das Haus sei gut ausgestattet und biete Platz für derartige Aktionen. Ein abgestoßener Saum oder ein defekter Reißverschluss an der Lieblingsjeans, ein ausgerissenes Bündchen an der Bluse, ein Brandloch im Bankpolster? Das lässt sich alles nähen, flicken oder stopfen, ist sich auch Anette Hemmerich sicher.

Sie ist Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung und ebenso wie Hirschlein fit an der Nähmaschine. Bernhard Bader hatte sich mit einem verstummten Radiorekorder befasst und wird das Ersatzteil besorgen. Wie bei der Kaffeemaschine ist lediglich die Sicherung defekt.

Schnelle Hilfe gab es für einen Lampenfuß, der ein neues Kabel benötigt, da kam auch Schreiner Klaus Hümpfer zum Einsatz, der sich die Veranstaltung mal anschauen wollte. Auch ein Staubsauger der älteren Generation und ein Fahrrad wurden gemeinsam untersucht. "Reparieren lässt sich lernen", sagt Tüftler Wirsing, der sich ärgert über eingeschweißte Bestandteile, die man nur noch wegwerfen kann. Die Anwesenden waren sich darüber einig, dass man durch den ReparierTreff der Wegwerfgesellschaft ein wenig entgegenwirkt und diskutierten bei einer Tasse Kaffee über den Elektroschrott, der, wie Berichten zu entnehmen ist, teilweise in Länder der "dritten Welt" exportiert und dort ausgeschlachtet wird.

Der unbrauchbare Rest wird unter freiem Himmel verbrannt - ein Umweltskandal, der gesundheitliche Schäden für die Anwohner mit sich bringt. Ausbaubar ist der ReparierTreff und die Akteure haben schon beim ersten Mal einiges dazugelernt, zum Beispiel, wie eine Kaffeemaschine von innen aussieht und dass unbedingt eine gute Taschenlampe und eine Lupe benötigt werden.

Werden sich Fachgeschäfte beschweren, dass ihnen die Arbeit weggenommen wird? Das glaubt Losert-Fischer nicht, weil es sich hier um Fälle handelt, die normalerweise nicht in die Reparatur gegeben werden. Sie bietet auch Geschäftsleuten an, am Reparier-Treff teilzunehmen und somit indirekte Werbung für sich zu machen.
Der nächste ReparierTreff findet am Samstag, 20. Dezember, 15 bis 17 Uhr, unter dem Motto "Reparieren macht Spaß, erst recht in Gemeinschaft" statt. Anmeldungen sind erwünscht bis 12. Dezember unter 09761 9325.

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