LKR Rhön-Grabfeld

Heißes Heimatspiel

Knallige 33 Grad im Schatten bei der "Schutzfrau von Münnerstadt"
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Beim Festumzug in Münnerstadt.  Foto: Sigismund von Dobschütz
Beim Festumzug in Münnerstadt. Foto: Sigismund von Dobschütz
Es ging heiß her beim Auftakt der 89. Spielzeit der "Schutzfrau von Münnerstadt". Bei knalliger Sonne und 33 Grad im Schatten wurde es nicht nur den 200 Laiendarstellern ziemlich warm unter ihren dicken Gewändern. Auch die mitgeführten Tiere hechelten nach kühlender Luft. Doch überall sah man nur fröhlich lächelnde Gesichter.

Etwas gequälter blickte allenfalls mancher der knapp 300 Zuschauer, wenn er einen Sitzplatz in der Sonne und nicht wie andere im Schatten bekommen hatte. Doch die Gäste nutzten die ihnen vor Spielbeginn von Spielleiter Bruno Eckert erteilte Erlaubnis, auch während der Aufführung ihre Plätze je nach Sonnenstand zu wechseln. Die Darsteller auf der im gleißenden Sonnenlicht vor dem Heimatspielhaus aufgebauten Bühne hatte es weitaus schlechter getroffen.

Doch auch ihnen hatte Eckert in Abstimmung mit dem Publikum ausnahmsweise erlaubt, notfalls in Textpausen die Bühne zu verlassen und im Haus etwas zu trinken."Lieber trinken, als umfallen", kommentierte Eckert die Situation. Schon vor Spielbeginn hatte er seiner Truppe scherzend gedroht: "Wer umfällt, muss einen ausgeben." Natürlich hatten die Darsteller selbst schon mit Erfrischungen vorgesorgt. So mancher hielt in seinem Korb eine Getränkeflasche vor den Blicken der Zuschauer versteckt. Auch Katrin-Johannes-Richter hatte für ihre kleinen Tanzmädchen Traubenzucker-Wasser und ein paar Apfelscheiben dabei. "Heute ist es vielleicht nicht so schlimm: Es weht eine leichte Brise." Davon dürfte Christian Zerzer als Hauptmann Michel Stapf in seiner Rüstung nichts gespürt haben. Er nahm die Hitze locker: "Man schwitzt eben." Sein Problem war nicht die Hitze, sondern dass der Schweiß in der Rüstung gefangen blieb. Nach einer letzten Erfrischung ab kühlenden Brunnen oder einem kräftigen Schluck Wasser konnte die Premiere zur 89. Spielzeit des von Pfarrer Ludwig Nüdling (1874-1947) geschriebenen Heimatspiels über die Rettung der Lauer-Stadt im Dreißigjährigen Krieg über die Bühne gehen. Einiges Interessante hatte sich herumgesprochen. So spielte Ortwin Guhling erstmals den Senator Paul Geßner. Ausgerechnet ein evangelischer Pfarrer war der Sprecher der vier katholischen Mönche aus Maria Bildhausen. Einer der Mönche wurde vom früheren Arzt Johannes Becker gespielt. "Mit 73 Jahren fängt er das Spielen hat", freut sich Anneliese Albert. Viele der 300 Gäste kamen aus der hessischen Rhön, hatte man an der Kasse festgestellt. Aus Fulda stammte Udo Hirt, der selbst nur einen Sonnenplatz abbekommen und den Schattenplatz seiner Ehefrau überlassen hatte. Seine missliche Lage nahm er mit Humor: "Ich habe mich vorhin beim Gelage im Schlosshof schon mit Erfrischungen aufgefüllt." Die Hirts waren zum ersten Mal in Münnerstadt. Das erste Mal nach 60 Jahren besuchte die gebürtige Münnerstädterin Katharina Zinker wieder das Heimatspiel. Das Berufsleben hatte sie nach Frankfurt verschlagen. "Meine Brüder haben als Jungs das Heimatspiel oft nachgespielt", erzählte sie an der Kasse.
Wer sich vorher am besten durchsetzen konnte, durfte dann den Michel Stapf spielen. Weitere Aufführungen an den beiden Sonntagen, 4. und 11. September, jeweils um 14.30 Uhr. Das Bayerische Fernsehen zeigt einen Bericht am Freitag, 2. September, in der "Abendschau" ab 18 Uhr. svd

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