Unsleben

Das Biogastor soll nicht zugehen

Bioenergielandwirte wie Bauernverband sorgen sich um Zukunft der Photovoltaik- und Biogasanlagen nach Ende des EEG
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Protestaktion. Landwirte versperren symbolisch den Zugang zur Biogasanlage in Unsleben und fordern Investitionssicherheit für deren Betrieb auch nach Ende der gesetzlich geregelten Einspeisevergütung.  Foto: Stefan Kritzer
Protestaktion. Landwirte versperren symbolisch den Zugang zur Biogasanlage in Unsleben und fordern Investitionssicherheit für deren Betrieb auch nach Ende der gesetzlich geregelten Einspeisevergütung. Foto: Stefan Kritzer
Das Tor ist halb geschlossen, Schlepper blockieren den Weg, Transparente fordern, das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) nicht platt zu machen. Mit der symbolischen Aktion fordert die Agrokraft Streutal GmbH gemeinsam mit dem Bauernverband, frühzeitig die Weichen für die Fortführung des EEG zu stellen. Um Investitionssicherheit für die teuren Biogas- wie Photovoltaikanlagen landauf und landab sicherzustellen. Das Unternehmen folgte mit der "Blockade" am vergangenen Mittwoch um "5 vor 12" einer bundesweiten Aktion des Bauernverbands.

Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen haben bundesweit ein Zeichen gesetzt. Am Mittwochmittag um kurz vor 12 Uhr wurde die Energieerzeugung symbolisch unterbrochen, um so gegen die geplanten Regelungen beim EEG 2016 zu protestieren.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahre 2000 (letzte Fassung von 2014) läuft nach 20 Jahren Vertragslaufzeit für die vielen Betreiber von PV- oder Biogasanlagen aus. Wie es danach mit dem Verkauf von Strom und Wärme weitergeht, das steht bislang für die Betreiber in den Sternen. Eine Weichenstellung ist aber bereits heute wichtig, denn auch in den nächsten Jahren wollen die Eigner in ihre Anlagen investieren. Das funktioniert aber nur, wenn auch eine Investitionssicherheit vorliegt.
Mathias Klöffel, Kreisobmann des Bauernverbands und Geschäftsführer der Agrokraft GmbH, nennt ein derzeit aktuelles Beispiel. Die Biogasanlage in Bad Königshofen ist im Jahre 2006 ans Stromnetz gegangen. Folglich läuft die Einspeisevergütung nach 20 Jahren, also 2026, aus. Jetzt sollen aber noch Wärmeleitungen nach Bad Königshofen für einen mittleren sechsstelligen Eurobetrag gelegt werden. Doch was ist nach 2026? Bekommen die Betreiber dann noch genügend Geld für Wärme und Strom, oder müssen sie die Anlage dann aus wirtschaftlichen Gründen abschalten? Lohnt sich das Verlegen der Wärmeleitungen überhaupt noch?
"Der Energiewende in Bayern droht eine Vollbremsung", sagt Mathias Klöffel. Rund 20 Landwirte haben sich zu einem ersten Protest unter dem Motto "5 vor 12" vor der Biogasanlage in Unsleben zusammengefunden. Auf Transparenten machen sie ihrem Unmut Luft und blockieren mit Schleppern die Einfahrt durch das halb geschlossene Tor. Eine symbolische Aktion, sicher. Aber eine nachdrückliche, denn ohne Zukunftsperspektive wäre auch diese hochmoderne Biogasanlage, die Wärme, Strom und Biomethan produziert, in ihrem Bestand gefährdet.
"Der aktuelle Entwurf für das EEG bietet keinerlei Perspektiven für die Bioenergie - weder für neue, noch für bestehende Bioenergieanlagen", sagt Mathias Klöffel und nennt Zahlen. Derzeit gibt es durch das EEG eine Strom-Einspeisevergütung von 20 Cent je Kilowattstunde. Müsste die Agrokraft Streutal ihren Strom auf dem Strommarkt zu regulären Preisen - und damit in Konkurrenz zu Großanbietern - verkaufen, wären rund 4 Cent je Kilowattstunde zu erzielen. Viel zu wenig, um den Betrieb der Anlage unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicherzustellen. Darum stellt sich allen 44 Landwirten, die an der Biogasanlage Unsleben beteiligt sind, die Frage, wie es weitergeht mit dem EEG. Im gesamten Landkreis sind etwa 180 landwirtschaftliche Betriebe an gemeinschaftlichen Biogasanlagen beteiligt.
In den vergangenen Jahren ist mit insgesamt sieben Biogasanlagen unter der Federführung der Agrokraft viel für die Erneuerbaren getan worden. Allein die in den Anlagen produzierte Wärme schafft Jahr für Jahr einen Ersatz für rund 2,5 Millionen Liter Heizöl. Der Strom allein aus den Biogaslagen könnte 38 Prozent der 34.000 Haushalte im Landkreis Rhön-Grabfeld mit umweltfreundlichem Strom versorgen.
Wie es nun mit den Biogasanlagen weitergeht, die in den kommenden Jahren aus dem EEG rausfallen, ist derzeit noch völlig unklar. "Viele Bestandsanlagen sind aber sehr wohl in der Lage, auch nach der 20-jährigen EEG-Laufzeit weiterhin grundlastfähigen und flexiblen, weil regelbaren Strom zur Verfügung zu stellen", so Mathias Klöffel. Nach seiner Ansicht, plant das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aber derzeit keine Regelung, um bestehenden Biogasanlagen einen Weiterbetrieb zu ermöglichen. Es steht daher zu befürchten, dass viele Anlagen nach Auslaufen des EEG stillgelegt werden müssen. Die Biogas-Landwirte fordern deshalb ein klares Bekenntnis der Politik zur Energiewende und zum weiteren Ausbau der Erneuerbaren. kri


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