Jetzt junge Obstbäume zurückschneiden

Im Herbst gepflanzte junge Obstbäume benötigen jetzt einen Pflanzschnitt. Dieser sorgt für ein stabiles Astgerüst. So machen Sie es richtig:
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Symbolbild: Maria Gerhard
Jetzt ist ein besserer Zeitpunkt zum Schneiden als im Herbst bei der Pflanzung, da die Wunden sonst im ganzen Winter offen bleiben und, so wie in diesem Jahr, die Triebe von oben her eintrocknen können. Die Wunden bilden auch Eintrittspforten für Krankheiten.

Beim Zurückschneiden verbleiben drei Leitäste, die, wie beim Mercedesstern, gleichmäßig angeordnet sein sollen.

Zur besseren Stabilität des Baumes sollten sie nicht, so wie es früher üblich war, aus einem Quirl kommen, sondern versetzt am Stamm angeordnet sein. Zuerst werden die Leitäste in einen Winkel von 45 Grad formiert. Dies geschieht entweder durch Hochbinden mit einer Schlaufe bei einer zu flachen Stellung und durch Abspreizen mit einem Holunderzweig, wenn der Winkel zu steil ist. Dann wird auf Saftwaage, mit der Endknospe nach außen, scharf zurück geschnitten. Zuletzt muss die Stammverlängerung auf Scherenlänge über der Saftwaage eingekürzt. Der richtige Pflanzschnitt ist enorm wichtig und sollte wirklich genau durchgeführt werden.

Eventuell ist ein Fachmann hinzuzuziehen, damit gleich die richtigen Voraussetzungen für einen stabilen Kronenaufbau gegeben werden. Was im Anfang versäumt wird, kann man später kaum mehr gut machen. Die Aufbauphase dauert ca. acht Jahre. In dieser Zeit ist auch eine Baumscheibe zu erhalten, die mit der Zeit immer größer werden sollte. Nur ein offener Boden macht ein zügiges Wachstum im Rasen oder auf einer Wiese möglich. Ein Mulchen der Baumscheibe mit Rasenschnitt düngt, verbessert die Bodenqualität und für einen Ausgleich der Feuchtigkeit. Langsam wachsende Baumformen wie Spalierobst und Spindelbüsche haben aber nur ein schwaches und flach ausgebreitetes Wurzelsystem. Sie gedeihen deshalb nur, wenn der Boden immer offen gehalten wird.

Grundsätzlich sollten beim Schneiden größere Wunden vermieden werden.

Diese heilen nur sehr langsam wieder zu. Es entstehen Eintrittspforten für Pilze, die Holz zersetzen können. Ein mehrfaches und kurzes Einschneiden des Kambiums mit einem scharfen Messer sorgt bei älteren Wunden für eine schnellere Heilung. Baumkrebs an Stämmen und Zweigen von Obstgehölzen ist nur zu bekämpfen, wenn die kranke Stelle heraus gefräst wird. Dann ist die Wunde mit Baumwachs zu bestreichen.

Wenn in den nächsten Wochen mit Gewalt immer mehr Saft in die Bäume steigt, wird die Gefahr größer, dass beim Schneiden von stärkeren Ästen die Rinde im Stamm einreißt.

Um dies zu verhindern, bedarf es eines Gegenschnittes, der unterhalb des Holzes etwas höher angesetzt werden muss. Es ist auch möglich, einen schweren Ast in Stufen abzuschneiden, um ihm die Schwerkraft zu nehmen. Rindeneinrisse hinterlassen nämlich sehr hässliche Wunden, die kaum mehr verheilen können. Auch beim Abspreizen von zu steilen Leitästen, um einen jungen Baum zu formieren, kommt es bald leicht zu Einrissen. Im Sommer, wenn der Saft unter der Rinde weniger ausgeprägt ist als im Frühling, ist die Gefahr des Einreißens geringer.

Die Schnittmaßnahmen an alten Kernobstbäumen sind völlig anders, als bei jungen.

Es ist wichtig, altes, abgetragenes Holz, das herunter biegt, heraus zu nehmen und auf junge Triebe abzusetzen. Somit entsteht eine Rotation des Fruchtholzes. Es entsteht somit eine fortlaufende Verjüngung von oben her. Junge Triebe sind deshalb bei älteren Bäumen unbedingt zu schonen. Leider sieht man fast überall den umgekehrten Fall. Deshalb vergreisen die Obstbäume leider im großen Ausmaß. Sie stehen dann nicht mehr im Gleichgewicht, da ihnen die Chance zur Verjüngung durch junge Triebe genommen wird. Immer älter werdendes Holz bringt keine gute Fruchtqualität mehr hervor. Der Baum muss auch öfter mit dem Tragen aussetzen, um sich erholen zu können.
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