Kothen

Vielfalt hilft gegen Schädlinge

Norbert Storch verzichtet in seinem Garten auf Chemie und setzt auf standortgerechte Sorten. Barbara Krasemann rät zu Gelassenheit bei unliebsamen Gästen.
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Für Norbert Storch aus Kothen geht nichts über das Gemüse aus dem eigenen Garten: Jeweils mehr als 20 Sorten Tomaten und Kartoffeln baut er an. Foto: Ralf Ruppert
Für Norbert Storch aus Kothen geht nichts über das Gemüse aus dem eigenen Garten: Jeweils mehr als 20 Sorten Tomaten und Kartoffeln baut er an. Foto: Ralf Ruppert
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Wenn Norbert Storch aus Kothen über seinen Garten spricht, leuchten die Augen hinter der markanten runden Nickelbrille: "Wir versorgen uns mit fast allem selbst", erzählt der Vegetarier. Selbst eigene Zitronen erntet er von einem Bäumchen, das allerdings im Haus überwintert. Draußen setzt er dagegen vor allem auf Vielfalt, auf standortgerechte Pflanzen und auf die so genannte Perma-Kultur: "Ich räume nicht alles auf, bis es wie geleckt aussieht", betont er. Im Gegenteil: Im Herbst streut er sogar Laub und Grasschnitt seines Nachbarn auf die Beete: "Bis zum Frühjahr ist das dann alles fermentiert, das nutzt auch den Organismen im Boden."

Norbert Storch setzt auf "gute Kreisläufe". Seine Maxime: "Keine Pestizide, kein Kunstdünger, dafür Kompost-Wirtschaft und Mulchen, Mulchen, Mulchen." Dadurch würden sich Nützlinge wohl fühlen, auch zahlreiche Nistkästen für Vögel hat er im Garten. Bei den Nutzpflanzen setzt er ebenfalls auf Vielfalt: 22 Kartoffelsorten und fast so viele Tomatenarten baut er an. Die Tomaten hat er heuer bereits vor den Eisheiligen raus gepflanzt: "Die kalte Sophie war ja heuer eher heiß." Die Kartoffeln stopft er immer bereits im März. Damit habe er gute Erfahrungen gemacht, unter anderem habe er keine Probleme mit Kartoffelkäfern. Dafür besteht Frostgefahr: "Heuer haben die Triebe einen abgekriegt, aber die sind schon wieder gekommen", berichtet Norbert Storch, der auch Mitglied im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (siehe Info-Kasten) ist.

Das verbindet ihn mit Barbara Krasemann, die im mittelfränkischen Thalmässing einen 8500 Quadratmeter großen Schaugarten pflegt. Die Journalistin schreibt Bücher, hält Vorträge und ist regelmäßig in Garten-Sendungen des Bayerischen Rundfunks zu sehen. Dabei wirbt sie auch für ein biologisches Gleichgewicht im Garten: "Die Natur regelt sich selbst, wenn wir nicht alles kaputt machen." Beispiele gebe es viele: Sie habe etwa einen Holunderbusch gehabt, der schwarz vor Blattläusen war. Nach zwei, drei Jahren hätten dann aber die Nützlinge die Oberhand gewonnen: "Das muss man auch mal aushalten", sagt Krasemann. Wichtig sei dazu auch ein ausgewogenes Nahrungsangebot für Insekten. Wer etwa Karotten selbst vermehre, werde im zweiten Jahr mit schönen und nützlichen Doldenblütlern belohnt.

Zudem setzt die Hobby-Gärtnerin auf Abhärtung: "Ich gieße grundsätzlich keine angewachsenen Gehölze, auch mit dem Risiko, dass sich Flachwurzler dann halt verabschieden", nennt Krasemann als Beispiel. Auch beim Düngen mahnt sie zur Zurückhaltung: "Auf zu schnell gewachsenes Zell-Gewebe gehen die Schädlinge besonders gern drauf." Vielfalt bedeutet für Krasemann zudem eine Kombination von Wurzel- und Blattgemüsen und ständige wechselnde Fruchtfolgen in den Beeten.

Und dann gebe es natürlich noch die üblichen Tipps, welche Pflanzen sich gegenseitig schützen: "Die Kombination von Zwiebeln und Karotte ist so ein Klassiker, auch Knoblauch hält die Möhrenfliege fern", nennt sie als Beispiel. Tagetes beziehungsweise die Studentenblume vertreibe Schädlinge im Boden. Gegenseitig helfen sich außerdem zum Beispiel Bohnen und Bohnenkraut, Kohl und Kerbel oder Rosen und Salbei.

Das hilft wirklich: Rund um Perma-Kultur und alte Sorten

Perma-Kultur Der Begriff Perma-Kultur setzt sich aus dem englischen "permanent agriculture" zusammen, was übersetzt "dauerhafte Landwirtschaft" bedeutet. Dabei sollen nachhaltige und naturnahe Kreisläufe geschaffen werden. Das ursprünglich in Landwirtschaft und Gartenbau entwickelte Konzept wurde auch auf Bereiche wie Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen übertragen. Grundprinzip ist jeweils ein ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften mit allen Ressourcen.

Alte Sorten 1986 wurde der "Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt" (VEN) gegründet. Ausgangspunkt war die Verbreitung von Hybridsorten, Entwicklungen bei der "grünen" Gentechnik sowie Patentanträge auf gentechnisch veränderte oder konventionelle Pflanzen. Entgegen der Monopolisierung auf dem Saatgutmarkt versuchen die Mitglieder, vor allem alte Gemüdesorten zu erhalten und deren Samen zu tauschen. 1998 wurde der Tag der Kulturpflanze etabliert; seit 1999 zeichnet VEN ein Gemüse des Jahres aus, zudem finden jährlich Saatgut-Seminare statt und die Mitglieder stellen ihre Sorten in einem Katalog vor. Mehr Infos unter www. nutzpflanzenvielfalt.de.

Info Die Homepage von Barbara Krasemann ist unter www.baerbels-garten.de zu finden.