Zapfendorf
Ausflugstipp Obstlehrpfad

Obstanbau in Franken: der geflammte Kardinal, die gute Luise und andere alte Sorten

In Lauf bei Zapfendorf im Landkreis Bamberg gibt es einen Obstlehrpfad mit 200 verschiedenen Apfel- und Birnbäumen und Informationen zu Streuobstwiesen.
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Kreisfachberater Uwe Hoff zeigt eine von acht Stationen, die das Obstparadies mit Schautafeln thematisch gliedern. Foto: Matthias Hoch
Kreisfachberater Uwe Hoff zeigt eine von acht Stationen, die das Obstparadies mit Schautafeln thematisch gliedern. Foto: Matthias Hoch
Auf der Fahrt macht sich Uwe Hoff noch Sorgen. Ob die Bäume durchhalten bei diesen Temperaturen? Oder werden der Geflammte Kardinal und Prinz Eitel Fritz, die Gräfin von Paris und die Gute Luise erfroren sein?
Erleichterung bei der Ankunft im "Obstparadies": Beim Redaktionsbesuch Ende April sah es noch nicht nach Kälteschäden aus in der Anlage, die der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege seit 1988 in Lauf bei Zapfendorf unterhält. 200 teils sehr alte Apfel- und Birnensorten wachsen dort. Bei einer kleinen Wanderung kann man alles über die Herrschaften mit den wohlklingenden Namen lernen.

Das Obstparadies, zu dem eine weitere Wiese mit 116 Apfel- und Birnensorten im nahe gelegenen Roth gehört, dient nach den Worten Hoffs "dem Erhalt des vielseitigen Sortenspektrums der Obstbäume als Kulturgut und genetisches Reservoir". Im Rahmen der Landesgartenschau in Bamberg wurde es 2012 um einen Streuobstlehrpfad erweitert. Verwaltet wird die Anlage vom Kreisverband für Gartenbau, für den Hoff als Geschäftsführer und Kreisfachberater am Landratsamt Bamberg im Einsatz ist.


Acht Stationen mit Schautafeln

Der Gartenbauingenieur weiß seine Arbeit zu schätzen: "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", schwärmt der sympathische 60-Jährige beim Spaziergang über den Streuobstlehrpfad. Der ist zwar nur eines von vielen Projekten für den Kreisfachberater, aber eines, das ihm am Herzen liegt.

Als "Wanderführer" ist Hoff, der auch privat Obstbäume hat und sich um die Begrünung seines Wohnortes Sassendorf kümmert, wie ein offenes Buch - das Wissen sprudelt aus dem Naturfreund nur so heraus.
Der Lehrpfad beginnt am Parkplatz des Laufer Sportheims, der ersten von acht Stationen. Gleich zum Auftakt erfährt man auf einer Schautafel alles über den Streuobstlehrpfad. Auf sieben weiteren Schildern gibt es anschaulich erklärt in Wort und Bild Informationen von der Geschichte des Streuobstanbaus bis hin zur Bedeutung der Wildbienen.

Der Weg ist in etwa eineinhalb Stunden gut zu schaffen und für Jung und Alt gleichermaßen geeignet. Zum Picknicken darf man sich - "sofern man seinen Müll wieder mitnimmt!", mahnt Hoff - ins Gras zwischen die Bäume setzen, es gibt aber auch Rastplätze mit Bänken und Tischen.

Höhepunkte des Lehrpfads sind die zwei großen Streuobstwiesen, vor allem die obere mit ihrem Bienenhotel und schönem Ausblick. An jedem der 200 Apfel- und Birnbäume hängt ein Schild mit Informationen über die einzelnen Sorten.

Hoff zeigt zwischen die Reihen, wo es hier und da vereinzelt weiß und rosa durchschimmert, selten schon komplett blüht und teils sogar so aussieht, als wären die Bäume kaputt. Das ist zum Glück nicht so, wie der Fachmann erklärt. "Jeder Baum hat seine eigene Blütezeit, deshalb sind einige schon draußen, andere kommen erst noch." Die Natur habe das gut eingerichtet: Die Blüte beginnt außen und arbeitet sich nach innen vor. "Bei Frost bleiben dann im Inneren des Baums die Blüten noch erhalten", erklärt Hoff. "Das rettet sie im besten Fall vor dem Erfrieren."


Vermarktung zu Saft und Sekt

Wenn sich trotz der aktuellen Wetterkapriolen alles normal entwickelt, kann im Herbst satt geerntet werden. Das Obst aus der Anlage wird vermarktet: Ein Teil geht an die Initiative "Apfelsaft aus dem Bamberger Land", für die nur Streuobst in die Flaschen kommt. Ein weiterer Teil wird auf dem Apfelmarkt im Oktober verkauft sowie zu Apfelsecco und -Sekt vermostet. Damit alles gut gedeiht, muss die Anlage natürlich gepflegt werden. Diese Arbeiten übernehmen der Gartenpflegetrupp des Landkreises und ein Landwirt. Bei der Ernte helfen gern auch Schulklassen "gegen eine Brotzeit" sagt Hoff und schmunzelt. Ernst wird er beim Thema Pflücken: "Das ist verboten."

Schließlich geht es in der Anlage um Erhalt. "Es dauert lange, bis nach Züchten, Kreuzen, Veredeln und immer wieder Auslesen eine Sorte auf den Markt kommt." Vielleicht sind deshalb von einst 1400 Apfel- und Birnensorten noch acht bis zehn Supermarktsorten übrig geblieben? Da wollen Besucher natürlich nicht schuldig werden - und naschen im Obstparadies auf keinen Fall von den verbotenen Früchten.


Führungen, Veredelungsreiser, Apfelsecco und interaktive Karte

Gruppen Nach telefonischer Absprache sind im Obstparadies Führungen für Gruppen möglich, auf Wunsch wird eine Sortenverkostung und Apfelsaftprobe angeboten. Für Schulklassen gibt es eigene Angebote.

Ausflug
Der 2,5 Kilometer lange Streuobstlehrpfad in Lauf bei Zapfendorf ist in ca. 1,5 Stunden leicht begehbar und immer frei zugänglich. Man kann ihn gut mit dem Fahrrad erreichen, mit dem Zug (Spaziergang ab Bahnhof Zapfendorf ca. 30 Minuten) oder mit dem Auto. Parkplätze gibt es am Sportheim des FC Lauf.

Kurse Die Kreisfachberater bieten auch Veredelungs- und Obstbaumschnittkurse an. Außerdem geben sie nach Terminabsprache Veredelungsreiser (1 Euro) ab und verkaufen im Landratsamt den Apfelsekt und -Secco.

Lehrgärten Der Streuobstlehrpfad ist eine Möglichkeit, sich über die Möglichkeiten des fränkischen Obstbaus zu informieren. Eine andere ist der Obstlehrgarten am Landratsamt Coburg, der sich auf Sorten für kleine Hausgärten spezialisiert hat und hier ebenfalls noch Thema sein wird.

Infos und Termine rund um das Obstparadies und die Angebote dort gibt es beim Kreisverband Bamberg für Gartenbau unter Tel. 0951/855-34, -15 und -27 sowie im Internet unter www.kv-gartenbauvereine-bamberg.de.
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