Wiesengiech
Lesergärten

Der Hingucker (fast) ohne Rasen

Aus einer Obstwiese neben ihrem Grundstück hat Familie Zenk aus Wiesengiech einen ungewöhnlichen Garten gemacht.
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"Ich liebe die ständigen Veränderungen, die der Garten im Laufe des Jahres durchmacht", sagt Sabrina Zenk. Foto: Ronald Rinklef
"Ich liebe die ständigen Veränderungen, die der Garten im Laufe des Jahres durchmacht", sagt Sabrina Zenk. Foto: Ronald Rinklef
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Ein Satz machtneugierig: "Rasen ist langweilig" hat Sabrina Zenk geschrieben, als sie den Garten ihrer Familie für die Teilnahme an unserer Aktion "Zeigen Sie uns ihren Garten" vorgeschlagen hat.

Er ist noch relativ jung. "Wir haben das Gelände zugekauft und 2010 losgelegt", sagt die Wiesengiecherin, die schon als Kind mit ihrem Bruder auf dem Areal gespielt hat. Damals war es allerdings noch eine Obstwiese.


Spaziergänger staunen

"Zuerst sind die Garage und das Backhäusla entstanden. Anschließend kam der Teich dazu." Und nach und nach all das Andere, das viele Spaziergänger vor dem Zaun Halt machen und fragen lässt, ob sie sich die Anlage mal ganz genau anschauen können.

Drei Generation leben hier ihre Gartenleidenschaft aus. Sabrina Zenks Großvater zieht unter anderem aus ganz normalen Baum-Sämlingen Bonsais, die Eltern steuern Vorschläge und vor allem die bauliche Umsetzung der Pläne bei, ihr Bruder Bernd sammelt schon seit Jugendtagen fleischfressende Pflanzen und begeistert sich allgemein für die Pflege von Exoten. Die 32-Jährige aber ist es, die immer wieder neue Ideen entwickelt.


Nashi-Birnen und Lebkuchenbaum

Vor allem von japanischen Gärten ist Sabrina Zenk fasziniert. Zweimal war sie schon in dem Land zu Gast. Wasserspiele aus Bambusrohren am Teich hat sie gebaut, ein kleines Floß mitten in der Wasserfläche verankert, Koniferen, Ahornbäumchen, Nashi-Birnen ("die schmecken ganz anders als die, die man im Supermarkt bekommt) besorgt. Und einen Lebkuchenbaum, dessen abgeworfene Blätter einen unvergleichlich süßen Duft ausströmen, schwärmt die Gartenfreundin.

Bei aller Begeisterung für japanische Gartenarchitektur, könnte sich dennoch nicht vorstellen, sich allein auf diese strengen Formen konzentrieren. "Dazu ist meine Pflanzenliebe und meine Sammelleidenschaft einfach zu groß".

In dem ungewöhnlichen Garten in der Peuntstraße wird viel ausprobiert. Was gedeiht im Klima des östlichen Landkreises und was muss unter "Schade, schön wär's gewesen" abgehakt werden?


Wurzelsperre geht 70 Zentimeter tief

Die Feigen im Vorgarten fühlen sich jedenfalls so wohl, dass es sich sogar schon gelohnt hat, aus der Ernte Konfitüre zu kochen. Manchen Gewächsen hat der Winter heuer mehr zugesetzt, als in anderen Jahren. Vor allem dem Bambus sieht man es an.

Er würde sich munter selbst erneuern, wenn man ihr gewähren ließe. "Aber da muss man aufpassen, sonst kommen plötzlich eineinhalb Meter weiter neue Triebe aus dem Boden. Um das zu verhindern, braucht man eine Wurzelsperre, die 70 Zentimeter tief in den Boden geht". Sabrina Zenk hat nicht nur in ihrer Freizeit mit Pflanzen zu tun, sondern auch beruflich. Sie arbeitet in einem Gartencenter.


Die Seele baumeln lassen

Die Atmosphäre der mit vielen Deko-Elementen ausgestattete Fläche genießt sie gern in Ruhe. "Es ist schön, hier außerhalb der Pflege-Arbeit auch mal die Seele baumeln zu lassen."

In einem Insektenhotel finden fliegende Garten-Gäste Unterschlupf, und menschlicher Besuch wird von dem Backofenhäuschen (mit Bar-Theke) magisch angezogen. Hier wird nicht nur alle zwei Wochen Brot gebacken, sondern auch Kuchen, Braten und Haxen.

Was Pflanzen und Dekoration angeht, stöbert die ganze Familie gern auf Gartenmessen und -börsen. Aber längst nicht alles wird fertig gekauft.

Originelle Unterlagen in Blattform für Steingartenpflanzen beispielsweise hat Sabrina Zenk aus Beton gefertigt. Um Muster in die Oberfläche zu prägen, hat sie echte Rhabarberblätter benutzt.


Spalierobst spart Platz

Platz für den Obstanbau ist weniger, als die Zenks es gern hätten. Deshalb greifen sie auf Säulen- und Spalierobst zurück. "Der Ertrag ist zwar kleiner, aber man hat doch die ganze Vielfalt", erläutert Sabrina Zenk.

Es gibt ein Garten-Fotoalbum, in sehr viele der Arbeitsfortschritte beim Anlegen festgehalten sind. Nicht als elektronische Datei, sondern ganz klassisch, zum darin blättern. "Hier ist nicht nur zu sehen, was wir gemacht haben, sondern auch wie."