Pfaffendorf

Bauerngarten anlegen: Tipps und Erfahrungen aus Altenkunstadt (mit Fotos)

Vor über 15 Jahren hat Gabi Will im Altenkunstadter Ortsteil Pfaffendorf ihren klassischen Bauerngarten mit Wegkreuz, Buchs und Brunnen angelegt.
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Gabi Will genießt die Arbeit in ihrem Garten - und wartet sehnsüchtig auf besseres Wetter.  Foto: Barbara Herbst
Gabi Will genießt die Arbeit in ihrem Garten - und wartet sehnsüchtig auf besseres Wetter. Foto: Barbara Herbst
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Als Familie Will noch Landwirtschaft hatte, gab es auf dem Hof keinen Bauerngarten. Stattdessen Rasen, Stauden- und Gemüsebeete, eine Streuobstwiese. Es war ein typisch dörflicher Hausgarten, den Gabi Wills Schwiegermutter in Pfaffendorf, einem Ortsteil der Gemeinde Altenkunstadt im Landkreis Lichtenfels, angelegt hatte. "Mein Mann und ich haben einfach weitergemacht", erzählt Gabi Will, "und ein bisschen was verändert." Auf einem Teil der Wiese legten sie einen klassischen Bauerngarten an: mit vier Beeten, begrenzt von Einfassungen aus Buchsbaum, und über ein Wegkreuz erreichbar. Im Zentrum steht ein Brunnen.
Die 57-Jährige erklärt, dass der Garten ihren Bedarf an Blumen, Früchten und Gemüse deckt. Landwirtschaft betreiben die Wills nicht mehr, aber damit hat das, was allgemein als Bauerngarten bezeichnet wird, ohnehin wenig zu tun: Dieser Gartentyp verkörpert für viele eine Sehnsucht nach dem Glück des ländlichen Lebens. Es geht um die Vorstellung von Ordnung und Struktur in der wilden, üppigen Natur.


Beim Anlegen eines Bauerngartens hilft eine Schnur

Als Vorbilder des klassischen Bauerngartens mit seinen architektonischen Formen werden oft höfische Parks oder Klostergärten gesehen. "Mir gefällt das mit den graden Linien und dass es trotzdem ein bisschen Durcheinander ist", sagt Gabi Will. Schwiegermutters Blumenrabatten an der Gartengrenze blieben. Sie bilden auch jetzt die einzige Begrenzung im Will'schen Bauerngarten. Ausgehend von den Beeten markierten die Pfaffendorfer mit Schnüren die quadratische Bauerngartenfläche mit dem Wegkreuz in der Mitte. "Wir hatten einen Wünschelrutengänger da, um die richtige Position für den Brunnen zu bestimmen." Gabi Will lacht: "Eigentlich hat er eine Stelle etwas weiter vorn empfohlen." Aber im symmetrisch angelegten Bauerngarten bildet typischerweise ein rundes Blumenbeet, ein Baum oder eben ein Brunnen den optischen Mittelpunkt. Also gruben Wills auf gut Glück im Zentrum ihres Garten-Quadrats. Sie hatten Glück. Sie stießen auf eine Wasserader. "Unser Brunnen ist fünf Meter tief, und hat immer Wasser."


Typisch ist Material aus der Region

Der Brunnen wurde mit Betonringen gebaut und mit Sandsteinen verkleidet, die auf dem Hof herumlagen. Wie im Bauerngarten üblich wurden in Pfaffendorf regionale Materialien verbaut: Auch für die Wege rundherum verwendeten Wills Sandstein, die Wege zwischen den Beeten legten sie mit Hackschnitzeln an. Davon haben Wills ohnehin immer einen Vorrat zum Heizen, und Hackschnitzel sind eine gute Alternative zu Kies oder Rindenmulch. Die Bohnen ranken hier an unbehandelten Fichtenstangen, andere Rankgitter sind aus rostigen Baumatten. Als Dekoration hat Gabi Will Tontöpfe zu einer Art Stelen auf Eisenstangen geschoben. Insekten nutzen das gern als Quartier und auch der Ton passt zum natürlichen Charme des Bauerngartens.


Buchs und Selbstversorgung im Bauerngarten

Bereits vor gut 15 Jahren hat Gabi Will ihre Beeteinfassungen gepflanzt. Ihr Mann hält den Buchs in Form - beim Schnitt nutzt er Schnur und Brett als "Lineal". Was in den Beeten wächst, hat sich im Lauf der Jahre oft geändert. "Rosenstämmchen habe ich letztes Jahr noch 'mal probiert - das gebe ich jetzt auf", sagt Gabi Will. Auch Rosenkohl gedeiht bei ihr nicht. Also lässt sie es. Sie probiert immer wieder etwas Neues aus, sieht das aber nicht verbissen.
Einige Konstanten gibt es aber; schließlich dient der Bauerngarten den Wills zur Selbstversorgung. "Man hat immer eine große Auswahl: Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln, Zucchini, Karotten, Kohlrabi und Salat. Erdbeeren, Rhabarber." Die Bauerngärtnerin überlegt, zählt weiter auf: "Und natürlich Kräuter: Salbei, Zitronenmelisse, Petersilie, Schnittlauch, Thymian, Rosmarin, Liebstöckel."


Fruchtfolge im Gemüsegarten

Damit der Boden nicht ausgelaugt wird, wandern einige Pflanzen jährlich an einen anderen Platz. "Die Kartoffeln kommen heuer da hin", Gabi Will zeigt auf das Beet rechts vorn. Vergangenes Jahr hatte sie die Erdäpfel gegenüber gepflanzt, wie auf dem Foto oben zu sehen ist. Auch Schwiegermutters Stauden bleiben. Taglilien, Schwertlilien, Phlox, Hortensien, Rosen, Lavendel, Frauenmantel, Anemonen. Auch ein paar Zwiebelblumen wie großblütiger Kugellauch, Tulpen und Narzissen schmücken den Garten. Neben der klaren Anordnung muss ein Bauerngarten noch zwei Aufgaben erfüllen: Er ist nützlich und schön.
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