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Nürnberg
Ausgehbeschränkungen

Zwischen Verständnis und Angst vor der Polizei: Nürnberg in Zeiten der Ausgehbeschränkungen

Eine gemischte Bilanz hat die Polizei am Sonntag vom Wochenende gezogen. Gegen die Corona-Schutzregeln habe es „etliche Verstöße“ gegeben.
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Jogger an der Wöhrder Wiese in Nürnberg
Die Polizei fährt in Nürnberg Streife: Das schöne Wetter lockte am Wochenende die Menschen nach draußen. Die Ausgehbeschränkungen wurden dadurch nicht immer eingehalten Foto: Nikolas Pelke

Die einen wollen die Sonne genießen. Die anderen frische Luft schnappen, die Kinder bespaßen oder einfach nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad eine Runde im Freien drehen: Um das schöne Wetter genießen zu können, haben die Nürnberger am Wochenende viele mehr oder weniger gute Gründe gefunden.

Laut Polizei habe es allerdings „etliche Verstöße“ gegen die Corona-Regeln gegeben. Menschen hätten unerlaubterweise ihre Autos in SB-Waschanlagen gewienert oder hätten sich im Freien mit Freunden zum Grillen getroffen. Aus diversen Gründen hätten Platzverweise und in einigen Fällen auch Anzeigen ausgesprochen werden müssen. 

Strafen übertrieben?

Corona und die Regeln: Am ersten Ferienwochenende hat es in Nürnberg fast nur dieses eine Thema gegeben. „Vorhin ist ein Streifenwagen hier vorbei gefahren“, sagt ein Jogger am Wöhrder See und zeigt auf den schmalen Weg am Ufer. „Ich habe auch schon Polizei heute gesehen. Die haben das Fenster heruntergekurbelt und mit ein paar Joggern gesprochen“, sagt ein Spaziergänger und erzählt, dass er sich persönlich nicht trauen würde, gemütlich auf der Parkbank in der Sonne zu sitzen. Auch wenn er nur ganz alleine unterwegs sei und keine Freunde treffen wolle. 

„Wir sind mit dem Rad unterwegs und haben uns jetzt einfach hier in die Sonne gesetzt“, sagt dagegen Elisabeth und zeigt auf die gemütliche Parkbank mit der herrlichen Aussicht auf die Wöhrder Wiese. „Wir machen Hausausgaben“, sagt der kleine Enkelsohn neben ihr und präsentiert stolz Schulhefte, die sich in der Frühlingssonne aalen. Nach dem langen Winter und den vielen Tagen daheim in den vier Wänden ziehe es die Menschen einfach nach draußen, zeigt sich Elisabeth verständnisvoll. „Die Leute halten sich aber an die Regeln. Ich habe das Gefühl, die meisten Menschen haben den Ernst der Lage kapiert“, sagt Elisabeth während wie aus dem Nichts ein Mannschaftswagen der Polizei am Horizont auf dem schmalen Radweg auftaucht.

Während sich die Ordnungshüter dem sonnigen Plätzchen im Schritttempo nähern, verrät Elisabeth, dass sie durchaus nicht mit allen neuen Einschränkungen und Gesetzesvorgaben zur Bekämpfung der Corona-Pandemie einverstanden sei. „In der Zeitung habe ich gelesen, dass ein Mann eine Strafe in Höhe von 150 Euro bezahlen soll, weil er alleine in der Sonne ein Buch gelesen hat. Das finde ich dann doch übertrieben“, sagt Elisabeth während der Polizeibus auf Corona-Patrouille immer näher kommt.

Wenn die Polizei kommt, wird kurz die Luft angehalten

Kurz scheint das Leben durch das Heraufziehen der Ordnungsmacht fast zum Stehen zu kommen. Spaziergänger stoppen plötzlich am Wegesrand und Radfahrer steigen von ihren Drahteseln ab. Jogger weichen vom Weg auf die Wiese aus, um der Polizei mit ihrem Einsatzwagen und den getönten Scheiben den notwendigen Platz zu machen.

Auch Elisabeth und Gabriel auf der sonnigen Parkbank scheinen für einen Augenblick die Luft anzuhalten, während die Virus-Streife langsam an ihnen vorbeirollt. „Die haben nichts gesagt“, freut sich Elisabeth und findet, dass sich alle ein bisschen am Riemen reißen und die Regeln beachten müssten, damit der Corona-Spuk bald wieder vorbei sei. „Wir haben keinen Krieg. Wir haben ein Dach über dem Kopf und Essen im Kühlschrank. Wir müssen nur gemeinsam lernen, wieder etwas mehr verzichten zu können“, philosophiert Elisabeth während im Hintergrund die Pegnitz dahinplätschert und der aufgeweckte Enkelsohn in seinem Schulheft blättert.  

Derweil haben sich Eva, Manu und Heidi vor der Kirche im Stadtteil Johannis auf ein spontanes Pläuschen getroffen. „Wir feiern unsere neue Corona-Freundschaft“, sagten die drei Frauen gutgelaunt und lachen trotz Krise mit der Sonne um die Wette. „Wir haben uns gerade hier kennengelernt und ratschen jetzt aweng““, erzählt das Trio gutgelaunt ohne den vorgeschriebenen Mindestabstand auf den Treppenstufen in der Sonne sitzend zu unterschreiten.  

Unterdessen hat die Polizei vorläufig eine gemischte Bilanz des ersten Ferienwochenendes am Sonntag gezogen. Die exakten Fallzahlen will das Nürnberger Polizeipräsidium erst am Montag vorlegen. Noch am Freitag hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an die Bürger in Nürnberg appelliert, die Schutzregeln trotz des schönen Wetters unbedingt einzuhalten und daheim zu bleiben. „Auch wenn es schwerfalle“, hatte Herrmann gesagt. Unbelehrbaren drohte der Minister mit „saftigen Geldbußen“ und kündigte verstärkte Polizeikontrollen an.