Nürnberg
Interview

Wöhrl sucht neue Gaslieferanten in Aserbaidschan

Dagmar Wöhrl (CSU) will Deutschland unabhängiger von Energielieferungen aus Russland machen. Deshalb ist die Vorsitzende des Entwicklungshilfeausschusses im Deutschen Bundestag kürzlich zu den Gasfeldern nach Baku gereist.
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Zusammen mit Peter Ramsauer, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, ist Dagmar Wöhrl in als Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Aserbaidschan. "Wir wollen zeigen, dass sich Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig bedingen! Auf dem Bild eröffnen wir die von der KfW finanzierte 25km lange Göygöl-Wasserleitung, die ab jetzt die Stadt Gänjä mit seinen 70.000 Einwohnern versorgen wird!" Auf dem B...
Zusammen mit Peter Ramsauer, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, ist Dagmar Wöhrl in als Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Aserbaidschan. "Wir wollen zeigen, dass sich Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig bedingen! Auf dem Bild eröffnen wir die von der KfW finanzierte 25km lange Göygöl-Wasserleitung, die ab jetzt die Stadt Gänjä mit seinen 70.000 Einwohnern versorgen wird!" Auf dem Bild ist noch die deutsche Botschafterin, Heidrun Tempel, links zu sehen. Foto: privat
Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft, Ex-Verkehrsminister und Parteifreund Peter Ramsauer, hat die Nürnberger Politikerin in Aserbaidschan zahlreiche Gespräche über eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem rohstoffreichen Land am Kaspischen Meer geführt. Wir haben Dagmar Wöhrl nach ihrer Rückkehr gefragt, wie man wirtschaftliche Zusammenarbeit und demokratische Entwicklungshilfe mit einem schwierigen Partner wie Aserbaidschan zusammenbringen kann.

Haben Sie Angst, dass Russland uns den Gashahn zudreht?
Wöhrl: Auch wenn Vernunft und Verantwortung zwei Kategorien sind, in denen Herr Putin anscheinend nicht immer zu denken pflegt, wird die wirtschaftliche Abhängigkeit Russlands von seinem Erdgas ein Abdrehen des Gashahns nicht zulassen.


Trotzdem kommen Sie gerade aus Aserbaidschan: Welches Ziel hatte diese Reise?
Als Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag habe ich mich zusammen mit meinem Kollegen Peter Ramsauer, der Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie ist, ganz bewusst für eine gemeinsame Reise nach Aserbaidschan entschieden. Wir wollen zeigen, dass sich Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaftspolitik nicht ausschließen, sondern sich vielmehr gegenseitig bedingen. Gerade in den Bereichen Menschenrechte, Demokratie und politische Teilhabe gibt es in Aserbaidschan noch zum Teil gewaltige Rückstände, die wir in unseren Gesprächen vor Ort offen angesprochen haben. Auch im Hinblick auf die aktuelle Politik Russlands kann Aserbaidschan für Deutschland energiepolitisch an Bedeutung gewinnen.

Man soll den Bären nicht reizen, oder doch? Wollen Sie Russland damit nicht bewusst ein bisschen ärgern?
In solchen Mustern denke ich nicht. Entwicklungspolitik ist für mich immer auch Zukunftspolitik. Wenn sich der aktuelle Ist-Zustand so darstellt, dass wir sagen, wir möchten unabhängiger von russischen Energielieferungen werden, dann muss ich mir ansehen, wie ich den Soll-Zustand in der Zukunft beeinflussen kann. Hierzu gehört natürlich neben der intensiven Förderung von erneuerbaren Energien und dem Eindämmen von Ressourcenverschwendung auch die Suche nach neuen Energielieferanten.

Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft: Was haben Sie Aserbaidschan aus Deutschland mitgebracht? Mal abgesehen von Herrn Ramsauer.
Wir verteilen keine Geschenke, sondern arbeiten auf Augenhöhe mit unseren Partnern in der Welt zusammen. Deutschland beteiligt sich im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Aserbaidschan an vielen Projekten. Eines der Wichtigsten haben wir besucht und zwar das von der KfW geförderte Trinkwasserprojekt in Gänyä. Hier geht es um eine sichere und zuverlässige Wasserversorgung der Bevölkerung, die aufgrund des schnellen Wachstums der Region nicht mehr gegeben war.
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