Nürnberg
Zauber-Weltmeisterschaft

Welt der Wunder: die Zauberer-WM

  René Frotscher trainiert für die Zauberer-Weltmeisterschaft in Südkorea. Daheim hält er seine Kinder mit Magie von der Fernbedienung fern.
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Sieht aus wie ein Hai, der aus einem Gummihandschuh geformt wurde. Aber bei  René Frotscher weiß man nie...  Béa Ted
Sieht aus wie ein Hai, der aus einem Gummihandschuh geformt wurde. Aber bei René Frotscher weiß man nie... Béa Ted
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E r macht gerne Blödsinn. Kleine Gags, ganz nebenbei. "Es ist toll, dass ich in meinem Beruf so vielseitig sein kann", sagt René Frotscher. Der 48-Jährige lässt als Magier und Zauberer René Mazing sowohl Topmanager staunen als auch kleine Kinder, Hochzeitspaare und Theaterbesucher. Obwohl der gebürtige Nürnberger sich selbst als "faulen Sack" bezeichnet, hat er mit seinem magischen Comedy-Programm den deutschen Vizemeister-Titel errungen und darf nun an der Weltmeisterschaft der Zauberkunst teilnehmen. In zwei Wochen wird der Mr.Bean-Fan nach Busan in Südkorea fliegen, um dort Ketchup in Tomaten zu verwandeln.


Was sind für Sie als Magier magische Momente?
Das sind Momente, in denen ich verblüfft staunen und lachen kann - denn beides gehört zu einer guten Show. Magische Momente entstehen für mich speziell dann, wenn jemand verschiedene Disziplinen verbindet, etwa Jonglage, Tanz, Pantomime und Clownerie.

Sie zaubern sowohl auf der Bühne als auch am Tisch, also ganz nah an den Menschen. Ist Letzteres nicht viel schwieriger als eine Show weit entfernt vom Publikum?
Mit der Tischzauberei, Close-Up-Magic genannt, hat bei mir alles angefangen. Schon als Student hab' ich an Tischen in Londoner Restaurants gezaubert. Erst später habe ich mich auf die Bühne getraut. Heute mache ich beides und kombiniere es auch gern. Allerdings irren Sie, wenn Sie denken, auf der Bühne sei das Zaubern leichter. Dort bin ich anfälliger, weil ich ja nie genau weiß, wo die Leute hinschauen. Am Tisch kann ich die Blicke besser lenken. Aber man muss sauberer arbeiten, feinmotorisch ganz exakt.

Zauberei hat viel mit Menschenkenntnis und Psychologie zu tun. Können Sie dieses Wissen auch im Alltag einsetzen?
Ja. Bei meinen Kindern zum Beispiel, wenn sie die Playstation-Zeit neu verhandeln wollen. Oder wenn ich etwas vor ihnen verstecken will. Da helfen mir die Grundkenntnisse der Magie.
Verraten Sie ein konkretes Beispiel?
Ich lasse zum Beispiel die Fernbedienung verschwinden, wenn meine Kinder mal konzentriert lernen sollen.

Und wohin verschwindet das Kästle?
Darauf kommt es gar nicht an. Es kommt immer nur darauf an, den Weg zum Ergebnis zu verwischen. Unwichtige Dinge einzustreuen, so dass niemand den ursprünglichen Weg wiederfindet.

Kann man vom Zaubern gut leben?
Wenn man sich vermarkten kann, ja. Es gibt ja diese Entertainment-Forbes-Liste, auf der Unterhaltungskünstler wie Siegfried & Roy oder David Copperfield lange Zeit ganz oben standen. Das heißt aber nicht, dass alle, die viel Geld verdienen, auch wirklich gut sind.

Wie wird man richtig gut?
Es gibt einige große Talente, die das Zaubern nie professionell gelernt haben. Aber grundsätzlich finde ich es schlecht, dass es in Deutschland kaum richtige Zauberschulen gibt. Wenn man längere Zeit mit Profis an seiner Performance arbeiten kann, bringt einen das natürlich voran, es gibt einem Sicherheit und wichtige Impulse. Aber außer der Zauberakademie in München gibt es kaum solche Lernorte; und auch da finden nur Abendkurse statt.

Die "Ehrlich Brothers" haben sich neulich zwei Ringe aus dem Publikum geben lassen und vor aller Augen miteinander verschmolzen. Wie machen die das?
Das ist einer der Tricks, die mich zum Staunen gebracht haben, als ich jung war. Natürlich darf ich nicht verraten, wie er funktioniert. Das verbietet der Ehrenkodex der Zauberer. Aber manchmal ist es auch besser, nicht alles zu hinterfragen. Wenn Erwachsene so staunen können wie Kinder, dann ist das toll und wertvoll - gerade in unserer rational-technisierten Zeit.

Haben Sie bei einer Ihrer Shows je eine peinliche Situation erlebt? Zum Beispiel, weil ein Trick nicht geklappt hat?
Ja, kürzlich, bei meinem Soloprogramm in einem Kleinkunsttheater. Da ist mir erstmals der Alptraum schlechthin passiert: Viele haben erkannt, wie der Trick funktioniert.

Wie konnte das geschehen?
Gute Frage. Man hat es eigentlich intus und hundertmal gemacht, aber irgendwann geht halt doch mal was schief.

Trainieren Sie jetzt, vor der WM, besonders viel?
Ja, und ich versuche, das vormittags zu tun, weil ich um diese Zeit auch meinen Auftritt in Südkorea haben werde. Normalerweise sind Zauberer ja eher abend- und nachtaktiv. Das ist jetzt schon eine kleine Umstellung. Bei der WM finden die ersten Wettbewerbe schon morgens statt, abends gibt es Zauber-Galas.

Ist es Ihre erste Zauber-WM?
Meine erste als Teilnehmer. Als Zuschauer war ich seit 1991 fast bei jeder WM dabei.

Welches Programm werden Sie zeigen?
Ich komme in Anzug und Melone auf die Bühne und nehme englische Klischees auf die Schippe. Damit die Show nicht zu sprachlastig wird, habe ich zusätzlich visuelle Elemente eingebaut. Ich werde zum Beispiel Ketchup in Tomaten zurückverwandeln. In meiner Sparte einen internationalen Preis zu gewinnen, ist schwer. Aber ich freue mich sehr auf die WM, vor allem auch auf die Gespräche mit Kollegen.

Gibt es Zuschauer-Tickets für die WM?
Es gibt rund 2500 Plätze und die werden gefüllt mit Zauberern aus der ganzen Welt. Laien dürfen nicht hinein.

Wenn Sie Zauberer-Kollegen beobachten, ahnen Sie dann immer schon, wie deren Tricks funktionieren?
Nicht immer. Das ist ja das Schöne an solchen Wettbewerben. Letztes Mal hat mich ein Kollege aus Spanien fasziniert. Der kam als Bettler auf die Bühne, in kurzer Hose und im kurzen Hemd, und hat irre gut verschiedenste Sachen herbeigezaubert... Ich weiß immer noch nicht, wie er es gemacht hat. Er ist von Beruf Feuerwehrmann und zaubert nur als Hobby.

Sie haben schon mehrmals das niedrige Niveau deutscher Stand-up-Comedy kritisiert. Wie wird es weitergehen?
Unterhaltung wird auf jeden Fall überleben. Unterhaltung ist das zweitälteste Gewerbe der Welt. Gerade in traurigen Zeiten, wie jetzt, brauchen die Leute einfach Aufmunterung. Und manch einer erkennt in unserer automatisierten, hoch technisierten Welt, wie toll es ist, mit einfachen Mitteln Wunder zu erzeugen.


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