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"Wacken-Helge": Seine Reise geht weiter - Rocker laden Schwerkranken zu Konzert ein

Einmal im Leben zum Festival nach Wacken: Das wünschte sich der schwer kranke Helge aus dem Kreis Kronach. Vier Monate nach seiner großen Reise wartete die nächste große Überraschung auf ihn.
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Helegs Wacken-Reise hat sie bewegt: Rock-Band lädt Schwerkranken zu ihrem Konzert ein - Das Leben ist weitergegangen, und allein das ist für Helge Langbein schon eine gute Nachricht. Der 50-Jährige aus dem Landkreis Kronach ist blind, er hat schweren Zucker, er sitzt die meiste Zeit im Rollstuhl, drei Mal in der Woche muss sein Blut ausgetauscht werden. Das alles hat sich nicht geändert, seit er in diesem August das von popkulturellen Mythen umrankte Heavy-Metal-Festival in Wacken besucht hat.

Das alles wird sich auch nicht mehr ändern in seinem Leben. "Aber ich lebe noch", sagt Helge Langbein am vergangenen Freitag in Nürnberg. Mehr sagt er nicht, nicht zu seinen Schmerzen und auch nicht, wie es ihm sonst so geht. Helge Langbein ist ein Meister der staubtrockenen Einzeiler. Er hat wohl einfach keine Zeit mehr für loses Gerede.

"Damals waren wir noch jung und knackig"

Das Leben also ist weitergegangen, aber dasselbe ist es seit Wacken dann doch nicht. Sonst hätte sich Helge Langbein am letzten Freitag im November nicht auf den Weg nach Nürnberg zum Konzert der Musikgruppe "Schandmaul" gemacht. Sonst hätte er den Abend zuhause in Neukenroth verbracht: "Wahrscheinlich hätte ich Musik gehört."

Gesang. Gitarre. Bass. Schlagzeug. Akkordeon. Dudelsack. Leier. Flöte. ",Schandmaul' spielen Mittelalterrock", sagt Helge. "20 Jahre oder so", ist es her, dass er und seine Schwester Nicole schon einmal ein Konzert von "Schandmaul" besucht haben. "Damals waren wir noch jung und knackig", sagt Nicole. In Burgkunstadt müsse das gewesen sein, in einer kleinen Kneipe. "Echt, wir haben mal in Burgkunstadt gespielt?" "Schandmaul"-Bassist Matthias Richter hat Fragezeichen in den Augen.

"Schandmaul"-Pullover getragen

In Wacken an seinem großem Tag im August trug Helge Langbein einen Kapuzenpulli von "Schandmaul". Eine befreundete Band hatte sie darauf aufmerksam gemacht, Richter und seine Bandkollegen überzeugten sich davon im Internet. "Das hat uns echt gerührt", sagt Richter. Deshalb haben "Schandmaul" Helge eingeladen zu ihrem Konzert in den Nürnberger Löwensaal.

Um zum Festival nach Wacken zu kommen, musste Helge Langbein erst eine Treppe herunterfallen und für Monate im Krankenhaus liegen.

Es ist nicht so, dass Helge Langbein keine Schmerzen gewohnt wäre. Er ist 50 Jahre alt. 47 davon leidet er an schwerem Zucker. "Seinen Lebensmut hat er trotzdem nie verloren", sagt seine Schwester Nicole Roth. Nach dem Sturz die Treppe hinunter aber suchte Helge nach einem neuen Sinn im Leben und fand zum ersten Mal keinen mehr. "Er brauchte ein neues Ziel", sagt Nicole Roth.

Über 1000 Kilometer nach Wacken gefahren

Weil Helge Langbein ein Heavy-Metal-Fan mit Haut und Haaren ist und der Sehnsuchtsort aller Metal-Fans in Wacken liegt, fasste Helge Langbein einen Entschluss: nach Wacken, einmal im Leben noch.

Gut 75 Kilometer nördlich von Hamburg feierten auch in diesem August rund 75 000 Anhänger harter Musik mit über 100 Bands. Da wollte Helge dabeisein, dort wollte er hin. Und dorthin schaffte es Helge: an der Seite seiner Schwester Nicole und seiner Nichte Jule, an Bord des Wünschewagens des Arbeiter-Samariter-Bunds Kronach (ASB). Am Steuer des Wünschewagens wechselten sich auf den insgesamt über 1000 Kilometern Silke Tannhäuser und Ingo Holzmann ab. "Ohne die beiden und den ASB wäre das alles gar nicht möglich gewesen",sagt Nicole.

"Wacken war so geil"

Sie ist noch immer die unbefangene und warmherzige Schwester, die sie in Wacken war. Ihre Tochter Jule hat inzwischen pinke Haare und in der Nase einen Ring. "Wacken war so geil." Sagt die 16-jährige.

Sagt auch Matthias Hoch. Gemeinsam mit diesem Reporter hat der Cheffotograf der Mediengruppe Oberfranken (mgo) Helges Trip nach Wacken begleitet. Hunderte von Fotos hat Hoch dabei geschossen. Eines hat der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) gestern zum "Pressefoto Bayern 2019" im Bereich "Kultur" gekürt.

Das Foto zeigt Helge Langbein, wie ihn zwei Metaller auf dem Festivalgelände in seinem Rollstuhl in die Höhe wuchten. "Der König von Wacken" war die Doppelseite vom 5. August überschrieben, auf der diese Zeitung über Helges Reise berichtete.

Helge Langbein war in diesem Jahr der König von Wacken. Was der BJV mit seiner Auszeichnung gestern gewissermaßen auch offiziell beglaubigte, wussten andere schon lange: Nicole, Jule, Ingo und Silke. Und auch Helge dürfte es gespürt haben.

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