Nürnberg
Rettungseinsatz

Verkehrssünder blockieren Feuerwehr - Stadt Nürnberg hat wichtige Botschaft an Falschparker

Immer wieder kommt es bei Rettungseinsätzen zu Schwierigkeiten, weil die Straßen von Falschparkern belagert werden. Die Stadt Nürnberg startete deshalb mit der Polizei Mittelfranken die Kampagne: "Falschparken kostet Leben!"
Artikel drucken Artikel einbetten
Bei einem Einsatz in Fürth kam es zu Schwierigkeiten, weil jemand den Weg zugeparkt hatte. Dadurch wurden Menschleben gefährdet. Foto: NEWS5 / Bauer
Bei einem Einsatz in Fürth kam es zu Schwierigkeiten, weil jemand den Weg zugeparkt hatte. Dadurch wurden Menschleben gefährdet. Foto: NEWS5 / Bauer

Kurz vor fünf Uhr in Fürth: Die Feuerwehr muss zu einem Brand ausrücken. Mehrere Personen werden vermisst. Eigentlich zählt jetzt jede Sekunde, Menschen könnten in Lebensgefahr sein. Dann steckt die Feuerwehr fest. Und das nur, weil jemand die Straße zugeparkt hat: "Wir sind um mehrere Kurven nicht herum gekommen [...] und haben uns festgefahren", berichtet der damalige Einsatzleiter im Nachgang. Der Einsatz spielte sich so im Mai 2017 ab. Danach gab es noch viele solcher Chaos-Einsätze für die Feuerwehr in Mittelfranken.

Städte wehren sich gegen Falschparker - Nürnberg startet Kampagne

Immer häufiger wird die Anfahrt der Rettungskräfte durch Falschparker erschwert. Einige Städte wehren sich dagegen. Die Stadt Nürnberg startete eine Kampagne "Falschparken kostet Leben!" Die erste Bilanz ist positiv.

Zeitungsartikel als Auslöser für gemeinsame Aktion

Die Idee war schon länger da, Auslöser für die gemeinsame Aktion der Stadt Nürnberg, der kommunalen Verkehrsüberwachung und der Polizei Mittelfranken war jedoch ein Zeitungsartikel, erzählt Bürgermeister Christian Vogel (SPD) bei der Pressekonferenz. In diesem ging es darum, dass Rettungskräfte wegen zugeparkter Rettungswege nicht zum Einsatzort kommen. Außerdem sei das Thema bei vielen Bürgerfragestunden adressiert worden. "Da mussten wir reagieren", so Vogel.

Plakat-Aktion und Schwerpunktkontrollen - 1700 Verwarnungen

Es folgten 50 Groß-Plakate mit dem Slogan "Falschparken kostet Leben!", die im Stadtgebiet auf die Problematik aufmerksam machen sowie zwei umfangreiche Schwerpunktkontrollen der Polizei im November 2018 und Juni 2019. Hierbei sprachen die Beamten in den Stadtteilen St. Leonhard, Langwasser und der Innenstadt Nürnbergs über 1700 Verwarnungen mit Zahlungsaufforderungen aus.

In Frankfurt musste ein Mann tausend Euro zahlen, weil er die Straßenbahn blockierte.

Polizei spricht von positivem Effekt in fokussierten Stadtteilen

In einer ersten Momentaufnahme könne man aus Sicht der Polizei nun zumindest in den fokussierten Stadtteilen von einem positiven Effekt sprechen: "Anwohner warnen ihre Gäste, die Zahlen der Verwarnungen sind bei der zweiten Schwerpunktkontrolle merklich zurückgegangen", erläutert der leitende Polizeidirektor Herrmann Guth.

Bürgermeister Vogel fordert höhere Strafen für das Zuparken von Rettungswegen

Trotz dieser guten ersten Bilanz sieht Bürgermeister Vogel die Politik in der Pflicht: "15 Euro für Falschparken sind für manche Menschen keine Strafe. Wenn der Verkehrsminister die 100 Euro für Parken auf dem Radweg anpeilt, ist das ein Signal, aber auf einem Bein steht man nicht. Wir brauchen empfindliche Strafen für das Zuparken von Rettungswegen. Wir glauben der Abschreckungseffekt wirkt."

"Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es um Menschenleben gehen kann"

In Nürnberg sind 297.000 Fahrzeuge registriert. Dazu kommen täglich tausende Pendler aus der Metropolregion in die Stadt. Die Blechlawine rollt in die Straßen und für diese Masse an Fahrzeugen ist die mittelalterliche Stadt nicht gebaut. Vogel betont, dass es bei den Aktionen nicht ums Geld geht "Das ist keine Abzocke, wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es um Menschenleben gehen kann."

Neues Abschleppverfahren erlaubt Polizisten schnelleres Handeln

Genau diese Botschaft soll ankommen und deshalb wird ein falsch geparktes Fahrzeug auch im Zweifel abgeschleppt. Bisher wurde aus Sicht der Behörden hier noch zu selten gehandelt. Auch weil es verwaltungstechnisch ein hoher Aufwand war.

Polizeidirektor Guth: "Bisher mussten die Polizisten 45 Minuten bis zu einer Stunde am Ort des Falschparkers verharren bis der Abschleppdienst da war, dafür haben die Kollegen nicht immer Zeit." Deshalb gilt seit 1.3. ein vereinfachtes Abschleppverfahren: "Nun können die Beamten die Maßnahmen innerhalb von 10 Minuten einleiten und sich dann um den nächsten Einsatz kümmern."

Technische Lösungen führen zu schnellerem Handeln: Feuerwehr kann künftig Autos alleine verschieben

Außerdem setzt die Stadt auf technische Lösungen. So werden zukünftig die sogenannten Kleinalarmfahrzeuge der Feuerwehr mit Rangierrollen ausgestattet. Damit kann eine Mannschaft ein Auto zur Not versetzen. "Allerdings geht das nur, wenn der Untergrund eben ist. Also bei Kopfsteinpflaster oder an einem Bordstein wird es schwierig", erklärt Wachleiter Horst Gillmeier von der Nürnberger Feuerwehr.

Bei dem Einsatz in Fürth, bei dem Falschparker die Feuerwehr blockierten, ging glücklicherweise alles glimpflich aus. Weil die Drehleiter nicht bis zum Einsatzort vorkam, mussten die Feuerwehrleute die Bewohner über das Treppenhaus retten. Das war wesentlich gefährlicher, verletzt wurde dabei aber niemand. Ein Glück für alle.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.