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E-Roller

Stadtverkehr: Nürnberger Lokalpolitik nimmt E-Roller ins Visier - SPD sieht Verleihfirmen in der Pflicht

E-Tretroller haben Nürnberg im Sturm erobert. Jetzt drohen die neuen Gefährte in die Mühlen der Politik zu geraten, weil die Zahl der Anbieter und der Roller in der Stadt bald schon steigen könnte.
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E-Roller haben längst auch Nürnberg erobert. Doch die Politik nimmt die mobilen Begleiter nun stärker ins Visier. Insbesondere der SPD scheint der Elektro-Fahrspaß auf zwei Rädern zu weit zu gehen. Foto: Nikolas Pelke
E-Roller haben längst auch Nürnberg erobert. Doch die Politik nimmt die mobilen Begleiter nun stärker ins Visier. Insbesondere der SPD scheint der Elektro-Fahrspaß auf zwei Rädern zu weit zu gehen. Foto: Nikolas Pelke

  • Verleiher: Seit diesem Sommer ist der schwedische E-Tretroller-Anbieters „Voi“ mit rund 500 E-Tretrollern auf Nürnbergs Straßen präsent. Mit „Tier“ und „Lime“ sollen zwei weitere Verleihfirmen ebenfalls konkrete Pläne haben, in Nürnberg demnächst mit ihrem Angebot an den Start zu gehen.
  • Politiker: Im März finden Kommunalwahlen in Bayern statt. Auch in Nürnberg wird ein neuer Oberbürgermeister gesucht. Im Wahlkampf könnten die neuen E-Tretrollen sprichwörtlich unter die Räder kommen.
  • Debatte: Besonders die Nürnberg-SPD kritisiert die Roller und deren Anbieter heftig. Die Kritikpunkte reichen vom Zuparken der Gehwege bis zu schlechten Arbeitsbedingungen für die selbstständigen „Juicer“, die die Elektro-Roller im Auftrag der Verleihfirmen in der Regel nachts einsammeln, aufladen und danach wieder mit vollen Akkus in der City aufstellen.

Nürnberg: Erfolg von E-Rollern ruft Lokalpolitik auf den Plan

Jung, wild und ein bisschen gefährlich: In Windeseile haben die kleinen Flitzer Nürnberg erobert. Aus dem Stadtbild sind die motorisierten Roller kaum noch wegzudenken. Besonders bei jungen Großstädten erfreuen sich die neuen E-Tretroller großer Beliebtheit. Paradoxerweise könnte der Erfolg der Roller die Politik auf den Plan rufen. Die Zahl der Anbieter und damit die Zahl der Roller dürfte in Zukunft steigen. Dadurch könnten den Verleihern neue Auflagen drohen. Obendrein könnten die E-Scooter in den Wahlkampf-Strudel geraten.

Besonders den Nürnberger Sozialdemokraten scheint der Elektro-Fahrspaß auf zwei Rädern zu weit zu gehen. "Die E-Tretroller sollten nicht nur zum Spaß da sein", findet die Nürnberger SPD-Fraktionsvorsitzende, Anja Prölß-Kammerer. Von Verkehrsanbietern, die kostenlos den öffentlichen Raum nutzen würden, erwarte Prölß-Kammerer auch einen "positiven Beitrag zum Verkehr" in Nürnberg. Positiv? Mit diesem Begriff verbindet die SPD offensichtlich weniger die Freude als den Nutzen am Fahren. Ganz ernsthaft echauffiert sich Prölß-Kammerer darüber, dass "Wissenschaftler, Anbieter und die Bundespolitik" ihre Versprechungen nicht eingelöst hätten. Konkret ärgert sich die Nürnberger SPD-Fraktionsvorsitzende darüber, dass die neuen E-Tretroller nicht dazu beitragen würden, dass Autos häufiger in der Garage stehen bleiben.

Nahverkehr: E-Roller als wirksames Gegengift zum Auto?

Über die "richtige" Roller-Nutzung hat die Nürnberg-SPD genaue Vorstellungen. Die Wunschnutzung liest sich so: "Von daheim mit Bus und Bahn bis zur Haltestelle, mit dem E-Tretroller die letzte Meile bis zum Arbeitsplatz." Denn nur "zusammen mit dem ÖPNV" könnten die neuen Flitzer ein wirksames Gegengift zum verführerischen Auto sein. Das heißt wohl im Klartext, dass Prölß-Kammerer die Freude am Tretroller-Fahren verhindern will. Nur als Beitrag zur Verkehrswende nach dem Motto "Roller statt Auto" gehen die neuen Flitzer der SPD offensichtlich nicht den Strich geht. Von diesem Anti-Auto-Effekt sei jedoch in Nürnberg "leider bislang nicht viel zu merken", ärgert sich Prölß-Kammerer und droht im nächsten Atemzug den Verleihfirmen unterschwellig aber unüberhörbar.

"Wir erwarten von den Verleihern, gemeinsam mit dem Verkehrsplanungsamt ein Pilotprojekt zur ,Letzten Meile` umzusetzen", schreibt die SPD-Fraktionsvorsitzende in ihrem Antrag mit der relativ unmissverständlichen Überschrift "Wir nehmen E-Tretroller-Anbieter in die Pflicht!". Dazu gehöre es, die E-Roller stärker an Busse und Bahnen anzubinden. In der Praxis würde das wohl bedeuten, dass die Verleihfirmen ihre Flitzer über das weitläufige Stadtgebiet verteilen müssten und nicht wie aktuell rund um den Kernbereich der City konzentrieren dürften. Mit ihrem Konzept, ist sich Prölß-Kammerer sicher, könnte "der E-Tretroller einen Beitrag zur Verkehrswende in Nürnberg" leisten. Außerdem sollen die Anbieter die Nutzer besser über Pflichten im Straßenverkehr aufzuklären, Fahrsicherheitshinweise geben und mehr mit der Polizei kooperieren, um "Roller-Rowdys" aus dem Verkehr ziehen zu können. Außerdem sollen die Anbieter dafür Sorge tragen, dass die E-Tretroller nicht mehr wild auf Gehwegen geparkt werden. Insgesamt listet die SPD in ihrem Forderungskatalog an die Scooter-Verleiher acht Punkte auf.

E-Roller-Verleih: SPD denkt über bürokratische Druckmittel nach

Falls die privaten Verleihfirmen nicht auf die SPD hören wollen, denkt die Fraktionsvorsitzende bereits laut über geeignete Druckmittel nach. Sollten beispielsweise die Beschwerden bezüglich des Wildparkens nicht abreißen, könnten den Verleihfirmen mit "ordnungsrechtlichen Schritten" bürokratische Knüppel in den Weg gelegt werden.

Konzilianter gibt sich die Nürnberger CSU in der Scooter-Debatte. Der CSU-Verkehrsexperte Andreas Krieglstein will eine Informationsoffensive starten, um die Regeln beim Umgang mit den Elektro-Tretrollern bekannter zu machen. Dabei gehe es der CSU in erster Linie um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Der CSU-Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidat Marcus König lobt die neuen E-Roller sogar als "Innovation, die gut angenommen" werde und "auf kurzen Strecken auch eine Alternative zum Auto" darstellen könne. Gemeinsam mit Verleihern und Behörden will König planen, wie es mit der wachsenden Zahl der Verleihroller in Nürnberg weitergehen könne.

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