Nürnberg
Schocktherapie für Gaffer

Polizist schockt Gaffer bei Nürnberg: "Willst du die Leiche sehen?" - Jetzt wendet sich die Polizei an die Öffentlichkeit

Bei einem tragischen LKW-Unfall auf der A6 filmten Gaffer die Szene mit ihren Handys. Ein Polizist schritt beherzt ein. Für sein Vorgehen erntet er breite Zustimmung. Offenbar diente diese Art der Konfrontation als Vorbild für einen Kollegen aus Südhessen.
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  • Ein 47-jähriger Lkw-Fahrer starb am Dienstagmittag, 21.05.2019, bei dem schweren Crash auf der Autobahn bei Nürnberg.
  • Schaulustige filmten anschließend den Unfallort und sorgten so für weitere Verkehrsbehinderungen auf der Autobahn.
  • Der Beamte schrie einen Gaffer an: "Willst du die Leiche sehen?"
  • Acht Gaffer kassierten Anzeigen wegen verbotswidriger Handynutzung. Das Bußgeld: 128 Euro.
  • Bayerischer Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rechtfertigt die Maßregelung durch einen Polizisten nach dem tödlichen Unfall auf der A6.
  • Feuerwehrmann Rudolph Heimann, der nach einem tödlichen Unfall auf der A3 im November 2017 Gaffer mit dem Feuerwehrschlauch nass spritzte, äußert sich zum Durchgreifen von Polizist Stefan Pfeiffer gegen Gaffer.
  • Die Polizei Mittelfranken wendet sich an die Öffentlichkeit: Die Unterstützung der Bevölkerung für Stefan Pfeiffer sei gut: "Eure Rückendeckung ist für unsere Kollegen sehr wichtig und erleichtert ihre Arbeit"
  • Bei einem Unfall in der Nacht auf Freitag auf der A5 griff jetzt ein weiterer Polizist ähnlich rigoros ein.

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Polizeipräsidium Mittelfranken dankt Öffentlichkeit für Unterstützung

Polizist Stefan Pfeiffer hat scheinbar einen Nerv getroffen: Dass das Thema "Gaffer" auch für andere Polizisten nervenaufreibend ist, zeigt auch die Reaktion der Polizei Mittelfranken. In einem Facebook-Post wenden sich die Beamten an die Öffentlichkeit. Man habe sehr viel positives Feedback und eine überwältigende Resonanz erhalten.

Man erhoffe sich jetzt einen Impuls für Veränderungen: Schließlich seien Gaffer im Straßenverkehr ein großes Problem: "Dies ist für uns ein zentrales Anliegen, denn "Gaffen" geht gar nicht",, schreibt das Präsidium auf ihrem Social-Media-Auftritt. Die Rückendeckung aus der Bevölkerung sei deshalb umso wichtiger.

Hier der Post im Original:

Das rigorose Eingreifen von Pfeiffer hat eventuell einen weiteren Polizisten aus Südhessen in der Nacht auf Freitag (24.05.19) zu einer ähnlichen Schocktherapie inspiriert. Der Beamte zog nach einer Massenkarambolage auf der A5 bei Erzhausen einen Mann aus einem Fahrzeug und konfrontierte ihn unmissverständlich mit seinem Handeln. In der Folge begann der Gaffer - offenbar geläutert - zu weinen.

Feuerwehrmann: "Respekt vor ihm, das war klasse!"

Auch Feuerwehrmann Rudolph "Rudi" Heimann hat sich zum Vorgehen gegen Gaffer des Polizisten Stefan Pfeiffer nach dem tödlichen Unfall auf der A6 geäußert. Heimann hat selbst etliche nervenaufreibende Erfahrungen mit Gaffern hinter sich. "Es ist immer wieder dasselbe, die bleiben stehen, filmen, und wir haben keine Chance, irgendwie bei zu kommen. Die halten uns nur auf, unsere Arbeit zu machen. Das ist frustrierend. Meine persönliche Meinung ist, die gehören raus, denen gehört eine Strafe und ein Führerscheinentzug für ein Jahr!" Im November 2017 riss Heimann nach einem tödlichen Unfall auf der A3 der Geduldsfaden: Er spritze Gaffern mit dem Feuerwehrschlauch in die geöffneten Autofenster. "Ich finde, was der Polizist gemacht hat, absolut korrekt. Respekt vor ihm, das war klasse, was er gemacht hat, Respekt!"

Gaffer filmen mit dem Handy: "Total brutal"

Für Gaffer hat Heimann null Verständnis. "Dass da einer langsam fährt, nur weil er gucken muss! Teilweise gucken die aus dem Fenster, haben das Handy in der Hand und filmen ganz langsam mit, das finde ich total brutal." Das größte Problem laut Heimann: Niemand schreitet nachhaltig ein, um das Gaffen zu unterbinden. "Es kümmert sich keiner drum. Wir sind die Leidtragenden, ob Feuerwehr, Rettungsdienst oder die Polizei, wir sind immer die Leidtragenden." Wut fühle er deswegen, so Heimann, "weil die Regierung dafür Nichts macht, richtige Wut!"

Eine Lösung hätte Rudolph Heimann parat, in anderen Bundesländern wird sie angeblich erfolgreich praktiziert. Eine Kamera wird an der Unfallstelle platziert und filmt die vorüberfahrenden Fahrzeuge. Gaffer werden erkannt und rausgezogen. "In Hessen ist es teilweise schon so, hab ich selber gesehen. Dass die die Kamera aufstellen, und die ziehen dann die Autos vorne raus, das finde ich gut. Die bekommen eine auf den Deckel. Die, die rausgezogen wurden, machen das mit Sicherheit nicht mehr!"

Lob vom Innenminister: Joachim Herrmann lobt Vorgehen des Polizisten

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rechtfertigt das Verhalten des Polizisten Stefan Pfeiffer, der am Dienstag auf der A6 hart gegen Gaffer vorgegangen war. "Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich", schreibt Herrmann auf Facebook. "Ich freue mich, dass der Polizeikollege das einigen Gaffern auch mal emotional nahegebracht hat."

Nach einem tödlichen Autobahn-Unfall bei Nürnberg hatte der Polizist einen Lkw-Fahrer angeschrien: "Nimmst du endlich dein Handy aus der Hand, sonst komme ich rüber und hol dich raus! Haben wir uns verstanden? Wer glaubst du denn, wer du bist?!"

Polizist bittet Fahrer aus Transporter: "Willst du den Toten sehen?"

Andere Schaulustige stellte er zur Rede. So schnauzte er einen ausländischen Transporter-Fahrer auf Englisch an: "Wo kommst du her? Steig aus und ich zeige dir was. Willst du den Toten sehen? Für Fotos? Komm mit. Da liegt er, willst du ihn sehen? Willst du nicht? Warum machst du dann Fotos? Wenn du willst, kannst du hingehen und Fotos machen. Das kostet dich 128 Euro, weil du das hier fotografierst. Schämen solltest du dich!"

Video: Polizist zieht Gaffer aus den Autos

47-Jähriger in Fahrerkabine eingeklemmt - jede Hilfe kommt zu spät

Bei dem Unfall hatte ein 47-Jähriger zwischen der Ausfahrt Roth und dem Autobahnkreuz Nürnberg-Süd seinen Lkw nicht rechtzeitig abbremsen können. Es kam zum Crash.

Gegen 11.20 Uhr kollidierte der Lkw mit einem Sattelzug und wurde dabei in seiner Fahrerkabine eingeklemmt. Der Lkw vor ihm wurde durch die Kollision auf einen weiteren Lastkraftwagen geschoben. Ein herbeigerufener Rettungshubschrauber konnte für den 47-Jährigen nichts mehr tun. Er starb noch an der Unfallstelle. Die anderen beiden Lkw-Fahrer kamen unverletzt davon.

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