Unterhaidelbach
inFranken trifft (8)

Um ein Haar richtig berühmt: Wo Franken beinahe die Oberpfalz küsst

Gleich dahinter beginnt bereits die Oberpfalz: Und doch begegnet den rasenden inFranken trifft-Reportern das kleine Örtchen Unterhaidelbach typisch fränkisch.
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Ein echtes Unterhaidelbacher Unikat: Der Niederländer Albert Loohuis hat sein Domizil im ehemaligen Cholera-Haus gefunden.  Matthias Hoch
Ein echtes Unterhaidelbacher Unikat: Der Niederländer Albert Loohuis hat sein Domizil im ehemaligen Cholera-Haus gefunden. Matthias Hoch
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Es mag an der morgendlichen Sommerhitze liegen. Denn beinahe menschenleer präsentiert sich uns Unterhaidelbach auf den ersten Blick. Zumindest ist es dort am Rande der Hersbrucker Schweiz, wo sich Mittelfranken und Oberpfalz gute Nacht sagen, idyllisch ruhig. Unterbrochen wird diese Stille nur hin und wieder von der Staatsstraße 2240, auf der (zu schnelle) Autos durchs Nürnberger Land fahren. Oder von einem der unzähligen nach Fitness strebenden Radler, die sich das beschauliche Fleckchen zum Pedaltreten auserkoren haben.

Weil Letztere am liebsten komfortabel strampeln, baut die Gemeinde gerade einen neuen Radweg zwischen Unterhaidelbach und dem Nachbarörtchen Winn. Auf der Baustelle treffen wir Rainer Müller, Martin Brenning und Reiner Weber, die sich trotz sengender Hitze hitzeheldengleich ins Zeug legen, um den neuen Radweg noch in diesem Jahr fertig zu bekommen. Ihr handwerklicher Einsatz für die Drahtesellenker lohnt sich, schließlich passieren etliche Freizeitradler die Gegend auf ihrem Weg in die Fränkische Schweiz. Unser Gang aber führt uns zu Fuß weiter in den Ort.

Urigste Behausung: Casa Loohuis

Seit 47 Jahren gehört Unterhaidelbach zur Gemeinde Leinburg. Schon um einiges länger wohnt der gebürtige Niederländer Albert Loohuis in der 469-Seelen-Siedlung. Sein Domizil hat der 70-Jährige im ehemaligen Cholera-Haus gefunden, wohin die Erkrankten der großen Epidemie im 19. Jahrhundert zum Dahinsiechen gebracht worden sind. An diese Zeit des Elends erinnert das verwunschen wirkende Häuschen nicht mehr. Und doch gibt es wohl kaum eine urigere Behausung als die Casa Loohuis. Zwischen dem Gerätehaus der Feuerwehr und dem Löschteich gelegen, schmiegt sich darin uraltes Interieur an rustikale Holzwände, umrahmte Ölgemälde zeugen von Loohuis' Vorfahren und Hündin Jena findet stets einen Schattenplatz.

Auch Loohuis selbst ist ein Unikat. Aktuell genießt er seinen Ruhestand, gestaltet Mosaike und hat nach eigener Aussage "eigentlich immer was zu tun". Viel zu arbeiten sei er schließlich gewohnt: "Als Exportleiter bei der Firma Fackelmann habe ich meine 40-Stunden-Woche so geliebt, dass ich sie gleich zweimal machte", sagt er schmunzelnd. Mittlerweile lässt sich der Junggeselle aber nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Selbiges haben eigentlich auch Käthe und Jürgen Rösch vor. Mutter und Sohn betreiben die Traditionsgaststätte "Zum Haidelbach" am Fuße des Moritzberges. Weil der Stammtischbetrieb in den vergangenen Jahren nahezu weggebrochen ist und sich werktags sonst nur angemeldete Vereine in ihren Biergarten verirren, öffnen sie in der Regel nur am Wochenende. Für uns Bamberger Journalisten machen sie jedoch netterweise eine kleine Ausnahme.

Einwohnerzahl wächst beständig

Bei einem kühlen Radler erzählen uns die Röschs nette Anekdoten und davon, dass der Ort eine für den ländlichen Raum ungewöhnliche Entwicklung nimmt: Seit knapp 60 Jahren steigen die Einwohnerzahlen stetig. Gab es 1961 noch 120 Unterhaidelbacher, sind es aktuell beinahe 500. Das könnte an der "freundlichen und feierfreudigen" Art der Einheimischen liegen, wie Jürgen Rösch mutmaßt. Vielleicht auch an den weiterhin erschwinglichen Immobilienpreisen. Aber eventuell hat es auch mit einem spannenden Geheimnis des Ortes zu tun.

Um ein Haar wäre Unterhaidelbach richtig berühmt geworden. Der Moritzberg nördlich des Ortes galt nämlich als möglicher Standort der gigantischen Gedenkstätte Walhalla, die Ludwig I. schließlich bei Donaustauf errichten ließ. Leer gehen Ausflügler dennoch nicht aus: Immerhin gibt es die 600 Jahre alte Kapelle St. Mauritius und den Moritzbergturm zu bestaunen.

Bevor wir von dort oben eine bewachsene, aber halbwegs beeindruckende Aussicht über die fränkische Alb genießen, kehren wir im Berggasthof Moritzberg ein. Da bekommen wir von der zu diesem Zeitpunkt noch amtierenden Wirtin Marion Horndasch leckere grobe Bratwürste aus der Region. Zum 1. August gab sie das Haus in neue Hände.

Wohlgenährt müssen wir vor der Heimreise nun noch den metergenau lokalisierten Dartpfeil-Einschlag aufsuchen. Inmitten einer staubigen Sandgrube stehend, wünschen wir uns leicht verloren schnell ins idyllische Unterhaidelbach zurück.



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