Nürnberg
Kommunalwahlen 2020

Nürnbergs OB kandidiert nicht mehr: Wie reagieren die Genossen?

Bei den Kommunalwahlen 2020 wird Nürnbergs OB Ulrich Maly nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters antreten. Das hat Parteigenossen überrascht.
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Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) will nicht noch einmal für das Amt des OBs kandidieren. Foto:  Roland Weihrauch/dpa
Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) will nicht noch einmal für das Amt des OBs kandidieren. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Nach 18 Jahren als Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg will Ulrich Maly (SPD) bei den kommenden Kommunalwahlen nicht mehr antreten. Das gab er am Montag bekannt. Für seine Parteigenossenwar das eine Überraschung.

SPD in Bayern ist überrascht von Malys Entschluss nicht mehr zu kandidieren

Nach 18 Jahren als Nürnberger Oberbürgermeister will Maly (SPD) bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr antreten. Das habe er nach reiflicher Überlegung beschlossen, sagte der 58-Jährige am Montag in Nürnberg. Mittlerweile haben sich SPD-Mitglieder dazu gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) geäußert.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) war von der Entscheidung seines Nürnberger Amtskollegen überrascht. "Es ist eine starke, mutige Entscheidung, die ich bedauere", äußerte sich der SPD-Politiker und Parteifreund Malys gegenüber der dpa. Maly sei unter den Sozialdemokraten sehr geschätzt.

CSU wittert Chance ins Rathaus einzuziehen

Die Nürnberger CSU wittert derweil ihre Chance die Kommunalwahl am 15. März 2020 zu gewinnen. "Wir haben eine große Chance, und die werden wir nutzen", teilte der Vorsitzende der Stadtrats-CSU, Marcus König der dpa mit. Die CSU zollte Maly aber auch Respekt vor dessen Entscheidung - ebenso wie der CSU-Bezirksvorsitzende Michael Frieser, der von einer "noblen Geste" des SPD-Politikers sprach. Über den Kandidaten der CSU wolle man erst nach der Europawahl entscheiden.

Welchen Kandidat die SPD ins Rennen um das OB-Amt ins Rennen schickt ist ebenfalls noch nicht klar. Darüber soll bei einem Parteitag am 16. Mai entschieden werden.

Zukunftspläne Malys

Münchens OB Reiter kann sich nicht vorstellen, dass sich Maly in der nächsten Zeit auf Landesebene in der SPD engagiert - "das wäre eine Überraschung". Mit Natascha Kohnen habe die Partei erst im Januar eine neue Landesvorsitzende gewählt.

Reiter mutmaßte dass sich Maly zurücknehmen werde. Der bis März 2020 gewählte Nürnberger Oberbürgermeister hatte am Montag eine weitere politische Karriere auf Bundes- oder Landesebene ausgeschlossen. "Hätte ich in der Politik unbedingt bleiben wollen, dann hätte ich möglicherweise die Gelegenheit gehabt, wieder anzutreten im nächsten Jahr", erklärte Maly.

SPD-Landeschefin Natascha Kohnen respektiert Malys Entscheidung. "Aber ich bin traurig und bedaure es." Sorgen, dass die SPD den Nürnberger OB-Sessel verliert hat Kohnen nicht.

2002 übernahm Maly von Scholz

Den Posten als Oberbürgermeister hatte Maly 2002 vom damaligen CSU-OB Ludwig Scholz übernommen - und fast zwei Jahrzehnte lang gehalten. Maly gilt als redegewandter und beliebter Kommunalpolitiker. 2014 hatte der zweifache Familienvater die Wahl zum Stadtoberhaupt mit breiter Mehrheit von 67,1 Prozent für sich entschieden. Eine Forsa-Umfrage hatte ihm im vergangenen Sommer den Titel beliebtester Großstadt-Bürgermeister bescheinigt.

Auch wegen der Umfragewerte hatten viele Beobachter mit einer vierten Kandidatur des gebürtigen Nürnbergers gerechnet. "Ich habe viele überrascht", gab Maly zu. Mit der Frage, wann der richtige Zeitpunkt für das Aufhören sei, habe er sich schon länger beschäftigt. In einem solchen Amt müsse man sich in regelmäßigen Abständen fragen: "Entwickelst Du dich noch weiter? Bringst Du die Kraft auf, dich jeden Tag neu zu erfinden - auch inhaltlich?"

Nicht gut für Demokratie, zu lange am Sessel zu kleben

18 Kalenderjahre als Oberbürgermeister seien gefühlt 25 Lebensjahre, so der Volkswirt. Davor sei er sechs Jahre Kämmerer gewesen und insgesamt 30 Jahre im Nürnberger Rathaus. Die meisten würden einfach zu lang bleiben. "Und das bestätigt mir auch der Blick in viele Rathäuser, wo sich die Leute denken: "Mein Gott, wann hört denn der Alte endlich auf?". Dieses Schicksal habe er sich und den Menschen in Nürnberg ersparen wollen. Es sei nicht gut für die Demokratie, wenn man zu lange an seinem Sessel klebe. "Es muss von Zeit zu Zeit ein Stabwechsel sein." Auch wenn er viele in seiner Partei mit seiner Entscheidung gehörig erschreckt habe.

Maly selbst fällt der Abschied schwer, "weil ich den Job auch gelebt habe mit meiner ganzen Persönlichkeit". Aber im Inneren sei er total überzeugt davon, dass es die richtige Entscheidung sei. Vielleicht komme sie ein, zwei Jahre zu früh. Aber 2026 - so lange gehe die nächste Stadtratsperiode - wäre für ihn zu spät, sagte Maly. Was er als nächstes tun wolle, wisse er noch nicht. "Ich habe nicht vor, irgendwo groß Geld zu verdienen - ich werde erstmal nichts tun." Nürnberg bleibe seine Stadt und er werde mit großer Neugier weiterhin auf das Rathaus blicken. "Allerdings nie Leserbriefe schreiben."

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