Nürnberg
Trinkwasser

Trinkwasser in Nürnberg: Woher kommt es und wie wird die Qualität gesichert?

Ein erfrischendes Glas Wasser, schnell mal aus dem Hahn gezapft, ist nicht nur bei großer Hitze reinste Wohltat. In Nürnberg können Sie das ruhigen Gewissens tun. Wie gut die Qualität ist und woher das kühle Nass in Nürnbergs Haushalten stammt, wissen allerdings die wenigsten genau. Von Brigitte Sager-Krauss.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wie gut die Qualität ist und woher das kühle Nass in Nürnbergs Haushalten stammt, wissen die wenigsten genau. Symbolfoto: pixabay.com/kaboompics
Wie gut die Qualität ist und woher das kühle Nass in Nürnbergs Haushalten stammt, wissen die wenigsten genau. Symbolfoto: pixabay.com/kaboompics

Dafür, dass Nürnbergs 535.000 Einwohner tagein tagaus bedenkenlos Wasser in einwandfreier Trinkwasserqualität nutzen können, sorgt die Nürnberger N-Ergie AG. Etwa 70 Prozent des Leitungswassers der zweitgrößten bayerischen Stadt stammen aus eigenen Wasserwerken.

Die restlichen 30 Prozent fließen durch eine Fernleitung aus dem etwa 100 Kilometer entfernten Wasserwerk Genderkingen (Mündungsgebiet Lech-Donau) in die Haushalte der mittelfränkischen Metropole. Der Zweckverband Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) ist dafür verantwortlich. Wie gut Ihr Trinkwasser wirklich ist, lässt sich mit einem Online-Wassertest überprüfen. Ein Redakteur von inFranken.de hat sich an den Test gewagt.

Fünf Wasserwerke sichern gutes Trinkwasser

Die Wasserwerke Ranna, Erlensteg/Eichelberg, Krämersweiher, Am Forsthaus sowie das ferner gelegene Wasserwerk Genderkingen sind die Quellorte des Nürnberger Trinkwassers. 95.000 Kubikmeter pro Tag - eine beachtliche Menge - misst die durchschnittliche Wasserabgabe täglich. Am besonders heißen und trockenen Tage kann die Nachfrage allerdings bis auf das Doppelte ansteigen, meldet der Wasserversorger N-Ergie.

Eine Besonderheit ist das Wasserwerk Ranna I im Feldensteiner Forst. Aus der Haselhoffquelle fließt das Wasser ohne Pumpen von der Quelle bis in den Hochbehälter. Energieeffizienz pur, also. Im Wasserwerk Ranna II ist seit September 2016 eine neue Aufbereitungsanlage in Betrieb. Aktivkohle bindet organische Schadstoffe wie Pflanzenschutzmittel oder leicht flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe, außerdem Bakterien und Keime. In Ranna fördert die N-Ergie bis zu 45.000 Kubikmeter täglich - nicht allein für Nürnberg, auch andere Gemeinden werden von dort versorgt.

Fast 100 Brunnen im Pegnitztal bilden die Grundlage für das Wasserwerk Erlensteg/Eichelberg. Die durchschnittliche Tagesabgabe aus der auch als Naherholungsgebiet genutzten Schutzzone liegt bei 10.000 Kubikmeter.

Technische Neuerungen und Grundwasserschutz als wichtige Grundlagen

Das Wasserwerk Krämersberg speist sich aus Tiefbrunnen bis zu 148 Metern Tiefe. Von dort wird das Wasser dem Wasserwerk Forsthaus zugeleitet. Hier wird bereits seit 2010 das Grundwasser aus dem rund drei Kilometer entfernten Pumpwerk Ursprung ganz ohne Chemie mittels Flachbettlüfter aufbereitet von einem Zuviel an natürlichem Kohlendioxid befreit. Die täglich maximale Kapazität liegt bei etwa 15.000 Kubikmetern.

Im Wasserwerk Genderkingen gewinnt der WFW Wasser im Mündungsgebiet des Lechs in die Donau. Eiszeitliche Schmelzwässer haben dort große Mengen Gesteinsmaterial abgelagert. Diese quartären Kiese (vorwiegend Mittel- bis Grobkies) sind mehrere Meter stark und bilden ein ergiebiges Grundwasservorkommen.

Darüber hinaus wird das Trinkwasser hier aus dem den Lech begleitenden Grundwasserstrom gewonnen. "Die natürliche Reinheit dieser Wasserquelle ermöglicht es uns, überwiegend naturbelassenes Wasser zu liefern", erläutert die WFW. Grundwasserschutz steht damit - ebenso wie in den eigenen Wasserquellgebieten Nürnbergs - an erster Stelle.

Regelmäßige Wasserproben geben Sicherheit

"Das Nürnberger Trinkwasser ist uneingeschränkt trinkbar und für Zubereitung von Säuglings- und Babynahrung geeignet", versichert die Nürnberger N-Ergie AG. Regelmäßige tägliche Analysen werden gezogen und auf der Homepage des Versorgers veröffentlicht.

Immerhin 35.000 physikalische, chemische und mikrobiologische Untersuchungen pro Jahr werden durchgeführt. Das Nürnberger Leitungswasser ist ein gut untersuchter "Patient", dem "beste Gesundheit" nach der geltenden Trinkwasserverordnung (TrinkwV) attestiert wird. Aktuell können Sie Wasseranalyse-Werte aus dem Jahr 2018 übersichtlich in einem Dokument inklusive Netzplan ausdrucken. Das Nürnberger Leitungswasser hat eine Wasserhärte im mittleren Bereich, variiert jedoch je nach Versorgungsgebiet. Näheres gibt die N-Ergie im Netzplan bekannt.

Bedenken aufgrund Verunreinigungen in Nürnberg nicht nötig

Meldungen von Verunreinigungen des Wasser werden ernst genommen. Probleme könnten in Zukunft für das Nürnberger "Leitungsheimer" zunehmende chemische Belastungen eine Rolle spielen, die durch die Belastung der Oberflächenwasser entstehen.

Fachleute haben bereits 2014 auch im Nürnberger Wasser Rückstände von weiblichen Sexualhormonen, Antibiotika sowie Röntgenkontrastmitteln finden können. Das ist ein allgemeines Problem aller Trinkwasserquellen, die vorwiegend aus Uferfiltrat und ähnlichem basieren.

Sowohl N-Ergie als auch der städtische Gesundheitsreferent Peter Pluschke (Die Grünen) gaben dazu bereits im Dezember letzten Jahres ein klares Statement: Das Trinkwasser in Nürnberg ist unbedenklich. In den Wasserwerken Ranna, Ursprung (Forsthaus) und Krämersweiher gebe es keinerlei Hinweise auf Spurenstoffe. In Erlensteg/Eichelberg und Genderkingen lediglich unendlich geringe Konzentrationen an Süßungsmitteln, medizinischen Kontrastmitteln und Benzotriazolen. Auch Mikroplastik bereite keine Sorge, so Pluschke, da die Filter der Stadt Nürnberg sehr effektiv seien.

Allein ein Punkt liegt den Wasserversorgern am Herzen: Man solle eigene Wasserleitungen im Haus sorgsam analysieren und in gutem Zustand erhalten, damit auch hier keine unerwünschten Belastungen entstehen. Im Zweifelsfall lohne eine eigene Wasseranalyse vor Ort.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren