Nürnberg
Rock im Park

Toiletten-Desaster bei RIP 2019: Gibt es eine Entschädigung für Festivalbesucher?

Unzählige Beschwerden bei Rock im Park 2019 und eine Petition: Der Veranstalter verbessert endlich die Toiletten-Situation. Mehr Dixi-Klos heißt auch weniger Aggression. Können die Besucher auf eine Entschädigung hoffen?
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Nach dem WC-Chaos bei Rock im Park hat der Veranstalter am späten Samstagabend eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der er erläutert, wie es zu den erheblichen Störungen kam:

"Vor einigen Jahren entschloss sich die Festivalleitung, die gängigen Dixi-Toiletten, wo logistisch möglich, gegen hochwertige und deutlich komfortablere Vakuum-Anlagen zu ersetzen. Im Vergleich zu herkömmlichen Dixis sind diese auch hinsichtlich Installation und Wartung anspruchsvoller. Obwohl sich diese Entscheidung in Zusammenarbeit mit einem der deutschlandweit größten und erfahrensten Anbieter bei früheren Editionen von Rock im Park bewährt hatte, konnten die technischen Störungen in diesem Jahr leider nicht behoben werden.

Nach andauernden Störungen hat die mit der Stellung der Sanitäranlagen beauftragte Firma bis in die frühen Morgenstunden des Festivalsamstags massive Nachbesserungen auf dem gesamten Festivalgelände vorgenommen. Um die Arbeiten zu beschleunigen, haben wir weitere externe Dienstleister hinzugezogen, die kurzfristig Sanitärfachkräfte und Teams aus ganz Bayern entsandt haben.

Auf mehreren Campingplätzen wurden zusätzliche Duschcamps platziert, um den Campern weite Wege zu ersparen. Die betroffenen Toilettenanlagen wurden aufgrund der letztlich nicht zu behebenden technischen Störungen durch Dixi-Toiletten ersetzt, so dass diese, zusätzlich zu den funktionierenden Urinalen, Toilettencontainern und festinstallierten Toiletten, nun ausreichend Kapazitäten bieten." - Veranstalter von Rock im Park

So war's am Sonntag auf RiP 2019

Toiletten-Chaos bei Rock im Park sorgt für Shitstorm

Während der ersten beiden Tage von Rock im Park 2019 war ein Shitstorm auf die Veranstalter niedergeprasselt. Viele Besucher waren wütend über den Zustand der sanitären Einrichtungen. Auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Medien posteten sie ihre unappetitlichen Beobachtungen.

Veranstalter stellt neue WCs auf, Besucher wollen Entschädigung

Der Veranstalter von Rock im Park reagierte auf die Kritik, nicht genügend Toiletten zur Verfügung zu stellen. Noch in der Nacht auf Samstag sollten "250 Dixi-Klos aus ganz Deutschland" nach Nürnberg gebracht werden. Am Morgen konnten Besucher dann tatsächlich beobachten, wie neue Chemie-Toiletten aufgestellt wurden.

An der Parkstage stehen am Nachmittag bereits einige davon: Ein Security-Mitarbeiter bestätigte inFranken.de, dass rund 30 neue Toiletten rechts der Bühne Platz gefunden haben. Seine Kollegen und er hätten sich vergewissert, dass diese sauber seien. Auch nahe der Essensstände am linken hinteren Ende des Park-Stage-Geländes wurden neue Klos positioniert. Betreiber der Essensstände erinnern sich, dass am frühen Freitagabend lediglich die Hälfte der Dixi-Klos dort standen, die anderen wurden am Abend dorthin gebracht.

Pinkel-Flatrate sorgt für Frust auf Festival

"Flatrates für das gesamte Festival für Duschen und Wassertoiletten sind für 10 Euro an den Terminals und Box Offices erhältlich", heißt es auf der Rock-im-Park-Website. Diese Möglichkeit haben zahlreiche RiP-Besucher wahrgenommen und haben sich eine Flatrate gesichert. Viele davon sind enttäuscht vom Angebot.

Eine Festival-Besucherin erzählt, als sie sich gerade an einer der öffentlichen Wasserstellen die Haare wäscht, dass die Duschen sowie die Toiletten in 90 Prozent der Fälle nicht benutzbar seien: Sie seien teilweise schlichtweg geschlossen. Auch andere Besucher zeigen sich verärgert von der Flatrate: "Selbst mit Flatrate, muss ich mir fast eine Stunde vorher überlegen, ob ich aufs Klo muss", sagt eine Besucherin.

Petition: Camper sollen 50 Prozent des Ticketpreises erstattet bekommen

Die Verärgerung bei den Besuchern ist indes groß. Im Internet wurde sogar eine Petition gestartet. In ihr wird die " Rückerstattung eines erheblichen Teils der Ticketpreise" gefordert. Demnach sollen Camper 50 Prozent des Eintrittspreises sowie alle weiteren Besucher 25 Prozent zurückerhalten. "Die Rückerstattung sollte unbürokratisch über die Rückgabe der Armbänder funktionieren", heißt es. Begründet sei die Forderung nicht nur durch die "unerträglichen hygienischen Bedingungen, sondern auch dadurch, dass diese schon traditionell so schlecht sind."

Zentraler Toilettenkomplex konnte nicht benutzt werden

Seit Freitagmittag erregt das Thema die Gemüter auf dem Festival. An zahlreichen Ecken des Rock-im-Park-Geländes ärgern sich Festival-Besucher über die Toilettenknappheit. Isabel Carina beispielsweise: Die 29-Jährige erzählt inFranken.de, dass seit 14 Uhr zahlreiche Toiletten an der Main-Stage nicht mehr zu benutzen seien. Tatsächlich war ein zentraler Toilettenkomplex nicht nutzbar.

Die Folge des Problems waren sumpfartige Zustände hinter den provisorischen Sanitäranlagen der Firma "John Privy", da dort viele Festivalbesucher ihr Geschäft verrichteten. "Das ist vor allem für Frauen problematisch", berichtet sie im Interview. Sie setzte sich trotz vieler pinkelnder Männer in der Hocke und mit zugehaltener Nase hinter die eigentlichen Toiletten: "Die Alternative ist, in die Hose zu schiffen", so die 29-Jährige.

Rock im Park 2019 im Ticker: Hier erfahren Sie alle Neuigkeiten rund ums Festival

Rock im Park: "Frechheit jetzt noch Geld zu verlangen"

Eine weitere Konsequenz aus der Knappheit an Toiletten unmittelbar an den Bühnen waren lange Staus an den befestigten Klos nahe der Park-Stage. Dort standen Frauen teils über eine halbe Stunde mit voller Blase in der Schlange. Zuvor mussten sie sich allerdings ein Ticket für 50 Cent kaufen.

Gina beschwerte sich bei der Security-Dame, die die Tickets verkauft. Sie wurde abgewiesen und vor die Wahl gestellt, eben nicht auf die Toilette zu gehen: "Das ist eine Frechheit jetzt noch Geld zu verlangen", so die 34-Jährige gegenüber inFranken.de.

Besucher spricht von "Volkskatastrophe"

Ein Besucher in der Schlange erzählt, dass die hygienischen Zustände in den festen Toiletten "grenzwertig, aber immer noch besser als in den Dixi-Klos" seien. André hingegen wird deutlicher: Die hygienische Situation sei eine "Vollkatastrophe". So etwas habe er noch nicht erlebt, so der 34-Jährige am Mikrofon. Doch von den hygienischen Zuständen sehen viele RiP-Besucher ab und legen den Fokus ihrer Kritik eher auf die Organisation von Rock im Park.

Hunderte Meter lange Schlangen in der Mittagshitze werden zum Beispiel angeprangert. wetter.de verzeichnete am Mittag rund 25 Grad am Zeppelinfeld, in der Sonne wohl noch mehr. Das Thermometer in Nürnberg kletterte bis in den frühen Abend auf bis zu 28 Grad. Logisch, dass die RIP-Besucher viele Getränke zu sich nahmen. Was reingeschüttet wird, muss eben auch wieder raus. Viele machen anderen Festival-Besuchern keinen Vorwurf, dass überall wildgepinkelt wird.

RIP-Organisatoren reagieren: Neue Dixi-Klos angekündigt

Via Facebook reagierte der Veranstalter am Freitag: "Wir wissen, das ist eine absolut blöde Situation", heißt es im Post der RiP-Organisatoren. Auf Nachfrage erklärt der Veranstalter gegenüber inFranken.de, dass man nicht wisse, warum das Problem in diesem Jahr so massiv sei. Es seien zusätzliche Installateure sowie Spezialisten beauftragt worden, dies schnellstmöglich zu klären. Der Veranstalter verweist des Weiteren darauf, dass am Nürnberger Zeppelinfeld innerhalb kürzester Zeit eine große Infrastruktur aufgebaut werden musste. Es sei leider normal, dass jedes Jahr irgendetwas schief gehe. Es sei eben eine andere Situation, als in einer wachsenden Stadt, in der lediglich langsame Anpassungen des Rahmenprogramms vorgenommen werden müssen.

Wie die Situation rund um die sanitären Anlagen bei Rock im Park 2019 an Tag 2 und 3 weiter geht, bleibt abzuwarten. Alle wichtigen Informationen rund um das Festival in Nürnberg finden Sie im Rock im Park-Ticker auf inFranken.de.

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