Nürnberg
Kritik

Tödliches S-Bahn-Drama in Nürnberg: Opfer-Eltern fassungslos über Wortlaut der Anklage

Mit Entsetzen reagierten die Eltern der zwei getöteten 17-Jährigen auf die Anklage gegen zwei mutmaßliche S-Bahn-Schubser in Nürnberg. Nun wenden sich die Opfer-Eltern sich an die Öffentlichkeit: Die Anklage der Staatsanwaltschaft halten sie für stark verharmlosend.
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Zwei Jugendliche starben im Januar am Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion, nachdem sie auf die Gleise geschubst worden waren. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
Zwei Jugendliche starben im Januar am Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion, nachdem sie auf die Gleise geschubst worden waren. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Im Januar waren am S-Bahnhof Frankenstadion in Nürnberg zwei Jugendliche grausam zu Tode gekommen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die zwei 17-jährigen, mutmaßlichen Täter erhoben. Der Vorwurf lautet: Körperverletzung mit Todesfolge. Die Elternder Opfer sind empört und kritisieren nun die Staatsanwaltschaft.

Die Anklage halten sie für verharmlosend. "Das hört sich nach einer Prügelei an, an deren Ende die Opfer versehentlich ins Gleisbett fallen", sagte der Vater eines der beiden getöteten Jungen einer lokalen Zeitung.

Kein Tötungsvorsatz bei S-Bahn-Schubser laut Nürnberger Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat in dem Fall gegen zwei 17 Jahre alte Jugendliche Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Von einem Tötungsvorsatz geht sie nicht aus.

Den beiden Angeklagten sei "nicht nachzuweisen, dass sie beim Schubsen mit einem herannahenden und durchfahrenden Zug rechneten, der die gestürzten Personen erfassen würde". Mit der fahrplanmäßigen S-Bahn sei erst zehn Minuten später zu rechnen gewesen.

Ein Anwalt der Eltern hält diese Argumentation für nicht schlüssig. "Die Jugendlichen standen doch nicht auf einer grünen Wiese", erklärte er. "Sie warteten alle am Bahngleis auf eine S-Bahn - es war doch schon deshalb klar, dass jederzeit ein Zug ein- oder ausfährt".

Angeklagte Jugendliche gestehen Schubs-Attacke schließlich

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben die beiden Ende Januar nach einem abendlichen Discobesuch beim Warten auf die nächste S-Bahn einen vor ihnen stehenden Jugendlichen ins Gleis gestoßen. Wegen des dichten Gedränges am Bahnsteigrand sollen durch diesen Stoß insgesamt drei Jugendliche auf die Schienen gestürzt sein.

Zwei von ihnen wurden kurz darauf von einem einfahrenden Zug überrollt und getötet. Zuvor soll es zu einer "tumultartigen körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen" gekommen sein. Bei Polizeivernehmungen hätten die beiden in U-Haft einsitzenden jungen Männer zwar eingeräumt, den Jugendlichen ins Gleis geschubst zu haben - aber keineswegs, um ihn zu töten.

Nach dem furchtbaren Vorfall kursierte in Nürnberg ein Video, welches das S-Bahn-Drama zeigen soll. Der Bürgermeister wandte sich an die Schulleiter der Stadt und warnte vor "grausamen Szenen".

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