Nürnberg
"Kampfhunde"

Tierheim Nürnberg: Illegale "Kampfhunde" schwer vermittelbar

Das Tierheim Nürnberg nimmt regelmäßig beschlagnahmte Hunde in Obhut, deren Besitz illegal ist. Denn "Kampfhunde", wie Pitbull Terrier, dürfen in Bayern nicht gehalten werden. Sie müssen in andere Bundesländer gebracht werden, in denen die jeweilige Rasse erlaubt ist.
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Dieser und andere sogenannte "Listenhunde" leben derzeit im Tierheim Nürnberg. Einige Hunderassen dürfen in Bayern nicht gehalten werden. Ihre Vermittlung stellt das Tierheim deshalb vor Herausforderungen. Foto: Thomas Hahn
Dieser und andere sogenannte "Listenhunde" leben derzeit im Tierheim Nürnberg. Einige Hunderassen dürfen in Bayern nicht gehalten werden. Ihre Vermittlung stellt das Tierheim deshalb vor Herausforderungen. Foto: Thomas Hahn

Kampfhunde im Tierheim Nürnberg: Die Vermittlung sogenannter "Kampfhunde" stellt das Tierheim in Nürnberg bisweilen vor Herausforderungen. Denn einige Hunde dürfen in Bayern nicht gehalten werden. Sie müssen an Einrichtungen in anderen Bundesländern weitergegeben werden.

Kampfhunde: Ohne Genehmigung droht Beschlagnahmung

Im Tierheim Nürnberg landen regelmäßig Hunde, deren Besitz in Bayern verboten ist. Rassen wie American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bullterrier fallen unter die Kategorie 1 der Bayerischen Kampfhundeverordnung. Ihnen unterstellt der Gesetzgeber eine "gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit", weswegen sie in Bayern grundsätzlich nicht gehalten werden dürfen.

Wer einen solchen Hund halten will, braucht die Erlaubnis seiner Wohnsitzgemeinde. Eine solche wird jedoch nur in Ausnahmefällen erteilt. Auch die Zucht von "Kampfhunden" beziehungsweise "Listenhunden" ist in Bayern verboten. Genauso wenig ist es erlaubt, sie nach Bayern einzuführen. Zudem gilt für manche Rassen ein Importverbot für ganz Deutschland. Wird ein Tier ohne entsprechende Genehmigung gehalten, muss es von Behördenseite beschlagnahmt werden. Die Hunde finden dann bis auf Weiteres in kommunalen Einrichtungen Unterschlupf.

Hundehaltung ist Ländersache

"Zurzeit haben wir vier bis fünf Hunde der Kategorie 1 bei uns aufgenommen. Hauptsächlich Staffordshire Terrier und Pitbulls", sagt Tanja Schnabel. Im Gespräch mit inFranken.de erklärt die Leiterin des Tierheims Nürnberg, welche Herausforderung die Vermittlung der "Listenhunde" mit sich bringt. Denn einige als gefährlich eingestufte Hunderassen darf man in vielen Bundesländern weder halten, noch züchten: In anderen ist dies wiederum erlaubt. Hier gilt: Hundehaltung ist Ländersache.

 

"Wir machen uns zunächst schlau, welche Rasse in welchem Bundesland erlaubt ist. Danach nehmen wir Kontakt mit dem zuständigen Veterinäramt auf", sagt Schnabel. "In anderen Fällen reicht eine schriftliche Genehmigung aus, in der bestätigt wird, dass die Haltung der jeweiligen Rasse erlaubt ist."

Kampfhunde in Deutschland: "Rasselisten sind völliger Humbug"

Die Einteilung von Hunderassen in bestimmte Kategorien stößt bei Schnabel indes auf große Ablehnung. "Unser Standpunkt ist ganz klar: Rasselisten sind völliger Humbug", betont die Leiterin des Nürnberger Tierheims. Bei den derzeit im Tierheim untergebrachten Hunden der Kategorie 1 habe es keinen einzigen Beißvorfall gegeben. "Aber dafür haben wir einen Dackel, der gebissen hat", unterstreicht Schnabel. "Deswegen ist es Unsinn, die eine Rasse der anderen vorzuziehen. Ich kann aus jedem Hund ein bissiges Tier machen. Beißvorfälle gibt es auch beim Labrador-Mischling oder Pinscher."

Nürnberg: Tierheimleiterin für "Hundeführerschein"

Die Verantwortung, wie gefährlich ein Tier ist, sieht die Tierheim-Chefin zu allererst bei dessen Halter.

"Kein Hund kommt bissig auf die Welt. Die Gefahr geht häufig vom anderen Ende der Leine aus", so Schnabel. Sie plädiert daher für einen generellen Nachweis darüber, ob ein Mensch für die Hundehaltung geeignet ist. Sie regt die Einführung eines sogenannten "Hundeführerscheins" an - egal, um welche Rasse es geht. "Ein Hundeführerschein muss auch für Schäferhunde und Dackel gelten. Auch die können schließlich beißen", sagt Schnabel.

Erst im Juni verbiss sich ein Hund in den Arm eines Mannes an einem See im oberfränkischen Hof. Der Badende sah keine andere Möglichkeit, als das Tier zu ertränken.

Das Thema Kampfhunde erhitzt immer wieder die Gemüter. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte beispielsweise der American-Staffordshire-Mischling "Chico", der im April 2018 seine zwei Halter totbiss. Kurz darauf tötete ein weiterer Mischling dieser Rasse ein Baby durch einen Biss in den Kopf.

 

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