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Tiergarten Nürnberg will Preise stark erhöhen, um seinen Ruf verbessern zu können

Baumwipfelpfad, erweiterte Gehege und 26 weitere Vollzeitstellen: So will der Tiergarten Nürnberg seinen Kritikern begegnen.
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Baumwipfelpfad, erweiterte Gehege und 26 weitere Vollzeitstellen: So will der Tiergarten Nürnberg seinen Kritikern begegnen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Baumwipfelpfad, erweiterte Gehege und 26 weitere Vollzeitstellen: So will der Tiergarten Nürnberg seinen Kritikern begegnen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Mit neuen Attraktionen und größeren Gehegen will der Tiergarten Nürnberg in der Zukunft attraktiv bleiben und den Zoo-Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Für die geplante Modernisierung sollen die Eintrittspreise kräftig angehoben werden.
Höhere Eintrittspreise im Tiergarten Nürnberg: Für mehr Artenschutz, neue Attraktionen und zusätzliche Mitarbeiter fordert der städtische Tiergarten deutlich mehr Geld. Eine satte Erhöhung der Eintrittspreise soll die finanziellen Mittel liefern, um den Zoo fit für die Zukunft zu machen. Am Freitag will Bürgermeister Christian Vogel (SPD) gemeinsam mit Tiergarten-Direktor Dag Encke die Pläne dem Kulturausschuss des Stadtrates vor Ort im Naturkundehaus vorstellen.

Ohne Moos nichts los. Diese Motto trifft offensichtlich auch auf den Tiergarten zu. Dieser hat laut einer aktuellen Studie aus der Feder des Zoo-Direktors mit zwei Hauptproblemen zu kämpfen. Erstens: das Alter. Der Nürnberger Zoo stammt aus dem Jahr 1939. Die Anlagen und Gehege sind nicht mehr zeitgemäß.

Zweitens: die Akzeptanz. Immer mehr Menschen lehnen die Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft ab. Dadurch könnten langfristig die Besucherzahlen zurückgehen. Um diesem Doppelproblem zu begegnen, fordert Tiergarten-Direktor Dag Encke in seinem "Struktur- und Entwicklungskonzept" ein ganzes Maßnahmenbündel.
Die spektakulärste Veränderung ist ein Baumwipfelpfad, der abenteuerliche Rundgänge in schwindelerregender Höhe über das Affen- und Wolfsgehege erlauben soll. Apropos Gehege: Die tierischen Behausungen sollen "tierschutzkonforme" Ausmaße erhalten und wie bei den Gorillas oder Nashörnern erweitert werden.

Mehr Geld fordert Encke auch für Forschung und Bildung. Dafür brauche es laut Encke dringend neues Personal. Der Tiergarten-Direktor fordert in seinem Strategiepapier weitere 26 Vollzeit-Stellen. Allein die Aufstockung der Mitarbeiter würde die Stadt rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten, rechnet Encke vor. Mit diesem Paket an Maßnahmen will Encke aus dem Nürnberger Tiergarten den "führenden und modernsten Zoos Europas" machen.

Die neuen Gehege sollen Maßstäbe setzen. Die alten Anlagen sollen in einen akzeptablen Zustand versetzt werden, der "mindestens heutigen Grundstandards" entsprechen soll. Damit soll den teilweise im lautstärker auftretenden Zoo-Kritikern der Wind aus den Segeln genommen werden.

Klein beigeben will Encke dieser Protestbewegung nicht. In seinem Strategiepapier liest der Tiergarten-Direktor den Zoo-Kritikern zumindest schriftlich gehörig die Leviten. Encke mokiert sich beispielsweise darüber, dass Tierschützer mit größerer Vehemenz die Zoologischen Gärten kritisieren als den Verlust von ganzen Tierarten außerhalb des eigenen Wahrnehmungsbereichs zu beklagen. Auch zum Thema Delphinarium hat Encke eine Antwort parat. Seiner Meinung nach müsse zukünftig sichergestellt werden, dass die "richtigen Delphine" (sprich die vom Aussterben bedrohten Arten) im Tiergarten gehalten werden.

Das Geld für die Steigerung der Attraktivität und Akzeptanz des Tiergartens will sich der Zoo-Direktor größtenteils über die Eintrittspreise von seinen Besuchern zurückholen. So soll die Tageskarte für Erwachsene beispielsweise zukünftig 16 statt 13,50 Euro kosten. Encke geht davon aus, dass die Besucher die höheren Preise akzeptieren werden. "Die Besucherzahlen werden auch bei erhöhten Eintrittsgebühren im Mittel immer bei einer Million pro Jahr bleiben", schreibt Encke in seinem durchaus brisanten Strategiepapier.

Gegenwind im Stadtrat dürfte Encke für seine ehrgeizigen Modernisierungspläne inklusive Preiserhöhung nicht bekommen. Die in dieser Frage maßgeblichen CSU-Stadträte Kerstin Böhm und Otto Heimbucher vom kleinen Groko-Partner im rot regierten Rathaus unterstützen die Pläne. "Mir ist das Tierwohl wichtig. Der Anstieg der Eintrittspreise ist gerechtfertigt", erklärte Heimbucher auf Anfrage unseres Medienhauses am Dienstag. CSU-Stadträtin Kerstin Böhm verweist auf neue gesetzliche Vorgaben zum Tierschutz und zur Erhaltung der Biodiversität, die mit finanziellen Ausgabenerhöhungen verbunden seien.

Außerdem habe die Stadt Nürnberg die Eintrittspreise schon seit sieben Jahren nicht mehr angehoben. "Um eine Erhöhung kommen wir leider daher nicht herum", sagt Böhm, die als Mitglied des Kulturausschusses am Freitag bei der Vorstellung der Pläne im Tiergarten dabei sein wird. Ein Problem sieht Böhm trotz aller Zustimmung allerdings auf die Stadt zukommen. Insbesondere die geforderte und laut Encke dringend notwendige Aufstockung der Mitarbeiterzahl könnte scheitern, da die klamme Stadt einer Haushaltsdeckelung zur Schaffung neuer Stellen unterliege.


Geschichte des Tiergartens Nürnberg

Ursprünglich wurde der Tiergarten im Jahr 1912 im Luitpoldhain eröffnet. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde das Areal für die Reichsparteitage gebraucht. Der heutige Tiergarten wurde nach zweijähriger Bauzeit im Mai 1939 auf einer bewaldeten Felslandschaft am Schmausenbuck mit einer Fläche von 65 Hektar als Landschaftszoo wiedereröffnet.


Zukunftsstrategie

Durch die geplante Qualitätsoffensive soll neben der Attraktivität auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Zootierhaltung steigen. Denn laut Tiergarten-Direktor Dag Encke hänge ein Besuch des Tiergartens zunehmend von moralischen Erwägungen zur Haltung von Wildtieren in Zoologischen Gärten ab.


Ziele des Tiergartens Nürnberg bis 2032

Der Tiergarten Nürnberg will bis 2032 auf Kontinuität in Qualität und Glaubwürdigkeit setzen. Mit neuen Attraktionen wie dem Baumwipfelpfad, mehr Personal und größeren Gehegen will der Zoo dauerhaft jährlich rund eine Million Besucher in den Tiergarten locken. Zur Finanzierung der Zukunftsstrategie sollen die Eintrittspreise erhöht werden.
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