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Insolvenz

Thomas Cook sagt alle Reisen für 2020 ab: Kriegen Betroffene ihr Geld zurück?

Aufgrund seiner Insolvenz hat der Reiseveranstalter Thomas Cook alle Reisen für 2020 abgesagt. Auch für Reisende aus Franken ist das eine schlechte Nachricht: Von Nürnberg aus werden 2020 keine Flüge von Thomas Cook starten. In unserem Artikel gibt es Verhaltenstipps für Reisende.
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Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Reisen für das kommende Jahr abgesagt. Damit sind auch Reisende, die von Nürnberg aus fliegen wollten, betroffen. Foto: Marcel Kusch/dpa
Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Reisen für das kommende Jahr abgesagt. Damit sind auch Reisende, die von Nürnberg aus fliegen wollten, betroffen. Foto: Marcel Kusch/dpa

Schlechte Nachrichten für fränkische Reisende: Thomas Cook sagt aufgrund seiner Insolvenz alle Reisen für 2020 ab. Das berichtet die dpa. Betroffen ist damit auch der Nürnberger Flughafen.Was können Betroffenetun?

Abgesagte Reisen: Diese Kunden sind betroffen

Betroffen sind Kunden, die eine Reise über die deutschen Tochterunternehmen des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook gebucht haben. Dazu gehören die Veranstaltermarken Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin sowie über Thomas Cook International gebuchte Trips. Nachdem die britische Mutter Pleite gegangen war, hatte die deutsche Thomas Cook am 25. September einen Insolvenzantrag gestellt.

Reise bei Drittveranstalter gebucht? Diese Kunden haben Glück gehabt

Nicht betroffen sind laut Thomas Cook Reisen von Drittveranstaltern, die Kunden über neckermann-reisen.de und urlaub.de oder in den Thomas-Cook-Reisebüros gebucht haben.

Was können Pauschalreisende tun?

Für Betroffene greift nun die Insolvenzversicherung des Unternehmens. Zuständig ist in diesem Fall die Zurich Versicherung. Für die Abwicklung von Ansprüchen hat die Versicherung wiederum die Kaera AG beauftragt.

Die Absicherung betrifft aber nur Pauschalreisen - die laut der Kaera aus mindestens zwei Reisearten wie etwa Transport und Unterkunft bestehen. "Pauschalurlauber haben einen Sicherungsschein vorliegen, darüber sind sie versichert", erklärt Nicole Mertgen-Sauer, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Bremen.

Sie gibt allerdings zu bedenken: Auch Pauschalreisende müssen damit rechnen, dass sie nur eine Teilsumme zurückbekommen - "wenn die Haftungssumme nicht genügend hergibt und staatliche Hilfen ausbleiben". In so einem Fall werden die Erstattungen meist anteilig gekürzt.

Versicherung bezahlt 110 Millionen Euro - gebraucht werden aber mehr als 250 Millionen

Und genau danach sieht es derzeit aus: Denn die Versicherungssumme ist auf 110 Millionen Euro begrenzt. Nach Angaben des Versicherers sind bis 1. November aber bereits etwa 150 000 Schadenmeldungen eingegangen im Volumen von mehr als 250 Millionen Euro. Hinzu kämen die Kosten für die Rückholung von Urlaubern, die zum Zeitpunkt der Insolvenz mit der deutschen Thomas Cook unterwegs waren.

Wie können Pauschalreisende Schäden anmelden?

Die Kaera AG hat für Betroffene eine Website eingerichtet. Kunden werden gebeten, ausschließlich über dieses Webformular Schadensfälle anzumelden. Wer keine Internetverbindung hat, kann auch telefonisch Kontakt über die Nummer 06172/99 76 11 23 aufnehmen.

Für die Anmeldung des Anspruchs müssen Pauschalreisende ihre Unterlagen einreichen. Dazu gehören unter anderem die Buchungsbestätigung des Reiseveranstalters, ein Nachweis über die Zahlung des Reisepreises und der Sicherungsschein, den sie nach der Buchung bekommen haben.

Was gilt für Reisende, die Einzelleistungen gebucht haben?

Wer etwa nur den Flug oder die Unterkunft gebucht hat, kann sich nicht an den Abwickler wenden. "Sie können nur über den Insolvenzverwalter beziehungsweise über die Insolvenztabelle Ansprüche anmelden", erklärt Mertgen-Sauer. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist die Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm.

Chancen auf Erstattung gering: "Betroffene dürften nur einen sehr geringen Bruchteil [...] wiederbekommen"

Allerdings seien die Chancen für Reisende mit Einzelleistungen noch geringer. "Betroffene dürften nur einen sehr geringen Bruchteil ihres Geldes wiederbekommen", sagt die Verbraucherschützerin.

Was können Betroffene sonst noch tun?

Liegt die Buchung der Reise noch nicht zu lange zurück, können sich Betroffene ihr Geld gegebenenfalls auch selbst zurückholen. Das gilt zum Beispiel, wenn die Reise per Lastschrift bezahlt wurde. Diese können nämlich innerhalb von acht Wochen rückgängig gemacht werden. "Und auch wer per Kreditkarte gezahlt hat, kann versuchen, den Betrag über das Kreditinstitut zurückzufordern", erklärt Mertgen-Sauer.

Insolvenzverwalten kann Zahlung später wieder einfordern - Rechtlicher Rat ist empfehlenswert

Allerdings könne der Insolvenzverwalter unter Umständen später die Zahlungen auch wieder einfordern. Wer vor Gericht ziehen will, sollte sich vorab rechtlichen Rat holen.

Außerdem sollten sich Betroffene regelmäßig über das Insolvenzverfahren auf den entsprechenden Internetseiten informieren. Denn die deutsche Thomas Cook versucht weiter, Investoren zu finden. Bislang liege aber noch kein belastbares Angebot für die Fortführung von Thomas Cook als Ganzes vor.

Warum fragt Thomas Cook derzeit Daten per E-Mail ab?

Vorsicht: Dahinter steckt eine Betrugsmasche. Sie ist einfach: Per E-Mail fragen Betrüger sensible Daten wie Pass- und Kreditkartendaten ab. Die Nachricht mit Firmenlogo sieht authentisch aus. Doch die E-Mails stammen nicht von Thomas Cook, informiert der Reiseveranstalter. Er rät Kunden, diese Nachrichten mit dem Betreff "Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise" zu ignorieren und zu löschen.

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