Nürnberg
Kritik

S-Bahn-Drama von Nürnberg: Väter getöteter Jungen sprechen bei SternTV über Leid ihrer Familien

Bei SternTV auf RTL brechen die Väter der beiden getöteten Jugendlichen ihr Schweigen. In Nürnberg waren ihre Söhne vor eine S-Bahn geschubst und überrollt worden. Nach der Anklageerhebung verurteilen die Väter die Staatsanwaltschaft und sprechen über den Schmerz ihrer Familien.
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Tödliche Tragödie in Nürnberg: Zwei Jungen landeten am S-Bahnhof Frankenstadion auf den Gleisen und wurden von einem Zug überrollt. Hinter der Tat sollen S-Bahn-Schubser stecken. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
Tödliche Tragödie in Nürnberg: Zwei Jungen landeten am S-Bahnhof Frankenstadion auf den Gleisen und wurden von einem Zug überrollt. Hinter der Tat sollen S-Bahn-Schubser stecken. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

SternTV zeigte am Mittwochabend (4. September 2019), wie es den Angehörigen nach der S-Bahn-Tragödie in Nürnberg geht. Nach tödlichen Schubsern an den Gleisen hatten zwei Jugendliche ihr Leben verloren. Am S-Bahnhof Frankenstadion waren die Jugendlichen auf das Gleisbett gestoßen und anschließend von einem Zug überrollt worden. Sie waren auf der Stelle tot.

Bei RTL sprachen die Väter über das Leid ihrer Familien. Die Schlimme sei, dass sie jetzt nur noch von Erinnerungen leben können, erklärte Georg Ballmann. "Unsere Jungs kommen nicht wieder", sagte Björn Wilke mit zitternder Stimme. Nach dem gewaltsamen Tod ihrer Kinder leiden beide Familie unter den schrecklichen Konsequenzen.

Tödlicher S-Bahn-Schubser: Vater schaut Video mehr als 200 Mal an

Eine Überwachungskamera hatte die Attacke am S-Bahnhof gefilmt. Einer der beiden Väter, Georg Ballmann, schaute sich den furchtbaren Clip bereits mehr als 200 Mal an. Er wolle der Sache auf den Grund gehen, sagte er bei SternTV. Das habe sein Sohn verdient.

In der Sendung wiederholten die Väter ihre Kritik an der Staatsanwaltschaft. Diese hatte Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Die Väter sind darüber fassungslos. Mit dem Schubsen ins Gleisbett hätten die Täter den Tod in Kauf genommen, sagten sie. Die beiden fordern eine Anklage wegen Totschlags.

Nürnberger Staatsanwaltschaft: Kein Tötungsvorsatz bei S-Bahn-Schubser

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat in dem Fall gegen zwei 17 Jahre alte Jugendliche Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Von einem Tötungsvorsatz geht sie nicht aus.

Den beiden Angeklagten sei "nicht nachzuweisen, dass sie beim Schubsen mit einem herannahenden und durchfahrenden Zug rechneten, der die gestürzten Personen erfassen würde". Mit der fahrplanmäßigen S-Bahn sei erst zehn Minuten später zu rechnen gewesen.

Ein Anwalt der Eltern hält diese Argumentation für nicht schlüssig. "Die Jugendlichen standen doch nicht auf einer grünen Wiese", erklärte er. "Sie warteten alle am Bahngleis auf eine S-Bahn - es war doch schon deshalb klar, dass jederzeit ein Zug ein- oder ausfährt".

Angeklagte Jugendliche gestehen Schubs-Attacke

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben die beiden Ende Januar nach einem abendlichen Discobesuch beim Warten auf die nächste S-Bahn einen vor ihnen stehenden Jugendlichen ins Gleis gestoßen. Wegen des dichten Gedränges am Bahnsteigrand sollen durch diesen Stoß insgesamt drei Jugendliche auf die Schienen gestürzt sein.

Zwei von ihnen wurden kurz darauf von einem einfahrenden Zug überrollt und getötet. Zuvor soll es zu einer "tumultartigen körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen" gekommen sein. Bei Polizeivernehmungen hätten die beiden in U-Haft einsitzenden jungen Männer zwar eingeräumt, den Jugendlichen ins Gleis geschubst zu haben - aber keineswegs, um ihn zu töten.

Nach dem furchtbaren Vorfall kursierte in Nürnberg ein Video, welches das S-Bahn-Drama zeigen soll. Der Bürgermeister wandte sich an die Schulleiter der Stadt und warnte vor "grausamen Szenen".

 

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