Nürnberg
1. FC Nürnberg

FCN gegen Schalke 04: So könnten die Teams heute spielen

Der 1. FC Nürnberg will gegen den krisengeschüttelten FC Schalke 04 einen "Dreier". Die Fans aus beiden Lagern stehen zueinander - doch am Freitagabend (20.30 Uhr) muss die Fanfreundschaft ruhen. Denn beide Mannschaften brauchen dringend Punkte im Kampf gegen den Abstieg.
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Sebastian Kerk war ein "Schalke-Freak". Jetzt schlägt sein Herz für den Club. Foto: Armin Weigel/dpa
Sebastian Kerk war ein "Schalke-Freak". Jetzt schlägt sein Herz für den Club. Foto: Armin Weigel/dpa

Es ist am Freitag (20.30 Uhr) im Frankenstadion das Aufeinandertreffen zweier Traditionsklubs, die um den Verbleib in Deutschlands höchster Fußballklasse kämpfen: Für den Hausherren, den 1. FC Nürnberg, war dies nach dem Aufstieg aus der 2. Liga von vornherein klar, weil die beschränkten finanziellen Mittel große Transferaktivitäten nicht zugelassen hatten. Für den Gast, den FC Schalke 04, kommt das Verharren in gefährlicher Nähe der Abstiegszone indes einer Katastrophe gleich. Nach dem Gewinn der Vizemeisterschaft in der vergangenen Spielzeit liegt "Königsblau" als Tabellen-14. nur fünf Punkte vor dem Relegationsplatz.

Nicht nur aufgrund der sportlich prekären Situation herrscht in Gelsenkirchen gereizte Stimmung, sondern weil sich die Brandherde, die sich auf dem grünen Rasen und abseits des Platzes aufgetan haben, trotz aller Bemühungen und bereits vollzogener personeller Veränderungen in der Führungsebne nicht eindämmen lassen.

Brandherd 1 - die Mannschaft: Diese, vom ehemaligen Sport-Vorstand Christian Heidel zusammengestellt, scheint sich eher als Zweckgemeinschaft, denn als funktionierendes Kollektiv zu verstehen.

Brandherd 2 - undiszipliniertes Verhalten einzelner Akteure: Nabil Bentalep und Hamza Mendyl hatten Vorgaben missachtet und fanden sich deswegen bereits in der U23, Schalkes Zweitvertretung, wieder. Seit dieser Woche sind beide jedoch wieder Teil des Profikaders.

Brandherd 3 - ausbleibende Erfolge: Auch unter Huub Stevens, der das Traineramt nach der Entlassung von Domenico Tedesco übergangsweise übernommen hat, gab es erst einen Sieg: ein mühsames 1:0 bei Liga-Schlusslicht Hannover 96. Zwar ist es dem "Knurrer von Kerkrade", wie Stevens ob seiner verbalen Ausbrüche bei Interviews genannt wird, gelungen, die Defensive zu stabilisieren. Doch die spielerischen Defizite, die das teure Ensemble offenbart, kann auch der Niederländer nicht im Handumdrehen beseitigen. Angesichts dieser hochexplosiven Gemengelage sind "Auf Schalke" die Nerven aller Beteiligten weiterhin äußert angespannt.

Der 1. FC Nürnberg war gegen den VfB Stuttgart das bessere Team

Eine Situation, die dem Club, der am Freitag im Nürnberger Max-Morlock-Stadion die "Knappen" zu Gast hat, zupasskommen könnte. Zwar beträgt der Rückstand der Franken, die auf Tabellenplatz 17 gelistet sind, weiterhin vier Zähler auf den VfB Stuttgart (16.), doch die Mannschaft von Trainer Boris Schommers hat in den vergangenen Wochen unter Beweis gestellt, dass sie an den Klassenverbleib glaubt und dafür alles gibt. In Stuttgart war der Club drauf und dran, den zweiten "Dreier" in Folge einzufahren. Am Ende hieß es 1:1 - obwohl der FCN das bessere Team war.

"Wir haben leider in Stuttgart eine große Chance liegengelassen. Die Möglichkeiten, auf einen Punkt zu verkürzen, waren da", sagte Schommers. "Nun wollen wir unseren positiven Aufwärtstrend am Freitag fortsetzen und möglichst drei Punkte holen." Dass diese Partie sechs Spieltage vor dem Saisonende durchaus mit dem Prädikat "Schicksalsspiel" versehen werden kann, lässt den 40 Jahre alten Leverkusener kalt. "Grundsätzlich war in den letzten acht Wochen jedes Spiel gefühlt ein Alles-oder-Nichts-Spiel", erklärte Schommers. "Das ist es für uns nicht."

Vielmehr gehe es darum, "wieder sehr gut, sehr kompakt zu verteidigen und Schalke mit der großen Qualität in der Offensive wenig Chancen zu ermöglichen". Und weil der Gegner zuletzt immer ein Gegentor kassiert habe, gehe er davon aus, "dass wir zu Chancen kommen werden". Diese müsse man effektiv nutzen - "möglichst die erste".

Eine spezielle Partie für Club-Profi Sebastian Kerk: "Ich war auch ein Blauer"

Für Sebastian Kerk ist die Begegnung mit "Königsblau" eine ganz spezielle. Er sei früher ein "kompletter Schalke-Freak" gewesen, wird Kerk zitiert. "Mit den Jahren hat sich das beruhigt. Meine ganze Familie besteht aus Schalke-Fans, also war auch ich ein Blauer. Für mich gab es nichts außer Schalke." Dass es am Freitag gegen seine "Jugendliebe" geht, blendet der Mittelfeldmann aus: "Das ist mir in dem Moment egal. Ich spiele für den Club, mein Herz schlägt für den Club - das ist das, was zählt."

Schalke und der FCN: Gelebte Fanfreundschaft seit 30 Jahren - Teams spielen mit Sondertrikots

Ungeachtet der sportlichen Brisanz, die das 56. Aufeinandertreffen beider Vereine prägt, zollen die "Clubberer" und die "Knappen" der Fanfreundschaft, die die Anhänger beider Lager seit etwa 30 Jahre zelebrieren, Respekt: In Form von Sondertrikots, mit denen die Akteure nur in dieser Partie auflaufen. Das Schalker Trikot ist mit dem fränkischen Rechen in hellgrauem Streifenmuster bedruckt und mutet auch sonst beinahe vollständig wie das Nürnberger Auswärtstrikot an. Allerdings ist es mit blauen anstatt roten Details ausgestattet. Die Nürnberger tragen das berühmte Schlägel- und Eisen-Motiv auf ihrem weinroten Jersey.

 

"Diese Trikots sind eine Hommage an eine der bekanntesten Fanfreundschaften im Fußball, auf die wir als Verein sehr stolz sind. Wir freuen uns sehr, diese Verbundenheit auf diese Weise zu würdigen", sagt Niels Rossow, der kaufmännischer Vorstand des 1. FC Nürnberg.

 

So könnte der FCN spielen

 

  • Spielsystem: 4-1-4-1
  • Torwart: Christian Mathenia steht im FCN-Tor.
  • Abwehr: Robert Bauer könnte erneut rechtshinten verteidigen. Tim Leibold gibt wahrscheinlich seinen Pendant auf links ab. Gegen Augsburg und Stuttgart stand das Duo Ewerthon-Mühl in der Innenverteidigung, das könnte auch gegen Schalke 04 der Fall sein.
  • Mittelfeld: Zentral vor der Viererkette muss sich Coach Schommers zwischen Petrak und Erras entscheiden: Wahrscheinlich wird sich Schommers, wie gegen den VfB, für Erras entscheiden. Auf dem rechten Flügel könnte Matheus Pereira erneut den Vorzug erhalten, nachdem er gegen Augsburg und Stuttgart jeweils traf. Auf der linken Außenbahn bekommt wahrscheinlich Sebastian Kerk erneut den Vorzug vor Ivo Ilicevic.
  • Sturm: Mikael Ishak wohl ist auch gegen Schalke Schommers erste Wahl.

 

So könnte Schalke spielen

 

  • Spielsystem: 3-3-2-2
  • Torwart: Im Tor steht aller Voraussicht nach der junge Nübel.
  • Abwehr: Eine Dreierkette bestehend aus Bruma, Kapitän Stambouli sowie Nastasic macht das Zentrum dicht, außen verteidigen Caligiuri (rechts) und Oczipka (links).
  • Mittelfeld:Hier könnten Mascarell, McKennie und Rudy auflaufen - eine etwas offensivere Variante wäre es mit einem Einsatz des Neu-Profis Boujellab. Der begnadigte Bentaleb ist wohl noch keine Alternative für die erste Elf
  • Sturm: Im Sturm läuft es wohl auf Burgstaller und Skrzybski hinaus, eine Alternative wäre Embolo oder auch der Ex-Nürnberger Teuchert.

 



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