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Bundesliga

1. FC Nürnberg: Punktgewinn bei Schommers-Debüt

Unter Interimstrainer Boris Schommers gelingt dem 1. FC Nürnberg beim 0:0 gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund ein erstaunlich stabiler Auftritt. Ist der Klassenerhalt doch noch möglich?
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Emotionaler Ausbruch: Club-Interimstrainer Boris Schommers nach dem Punktgewinn gegen Dortmund.
Emotionaler Ausbruch: Club-Interimstrainer Boris Schommers nach dem Punktgewinn gegen Dortmund.

Thomas Grethlein hatte es nicht mehr auf der Tribüne ausgehalten. Der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Nürnberg erlebte die mit vier Minuten für den Tabellenletzten quälend lange Nachspielzeit neben der Bank. Als der letzte Dortmunder Kopfball weit über den Querbalken des Club-Tores flog, riss er schon jubelnd beide Arme hoch. Und wiederholte das noch einmal, als kurz darauf der Schlusspfiff ertönte.

Punktgewinn gegen den Tabellenführer

0:0, der FCN hatte Tabellenführer Borussia Dortmund tatsächlich einen Punkt abgetrotzt.

Eine Woche zuvor hatte sich der Aufsichtsrat nach wochenlangem Zaudern von Aufstiegstrainer Michael Köllner getrennt und musste dazu vorher Sportvorstand Andreas Bornemann opfern, der an Köllner hatte festhalten wollen. Der "Kahlschlag", wie er selbst sagte, war Grethlein nicht leicht gefallen. Umso größer war wohl seine Erleichterung, dass die Mannschaft unter Interimstrainer Boris Schommers eine verblüffend stabile Leistung zeigte, maximalen Einsatz bis zur Erschöpfung abrief und trotz des Dortmunder Dauerdrucks nie die Kontrolle verlor. Die erstaunliche Club-Steigerung vom Montagabend wirft nun allerdings die Frage auf, ob ein früherer Wechsel auf der Trainerposition nicht ein paar Punkte mehr auf das Konto gebracht hätte.Ein Thema, mit dem Schommers nichts anfangen konnte. "Es bringt nichts mehr, zurückzuschauen", sagte der bisherige Assistent von Köllner.

Schommers Änderungen greifen

Nach dem Abpfiff hatte sich die Anspannung bei dem 40-jährigen Rheinländer in einer doppelten Becker-Faust entladen: "Dieser Gegner, ein ausverkauftes Haus und dieser Ausgang - ich wüsste nicht, was man beim Debüt als Cheftrainer Besseres erleben könnte." Naja, einen Sieg vielleicht. Aber der wäre angesichts der Dortmunder Dominanz trotz der fetten Kopfballchance von Kapitän Hanno Behrens (28.) des Guten zu viel gewesen. Schommers hatte an den richtigen Stellschrauben gedreht. Er holte die von Köllner kaum mehr berücksichtigten Eduard Löwen, der sich förmlich zerriss, und Yuya Kubo zurück in die Startelf. Er formierte im Mittelfeld eine Fünferkette plus Adam Zrelak als Stoßstürmer, die den Raum für den Favoriten höchst unangenehm verdichtete. So hielten sich die brenzligen Strafraumszenen in Grenzen, den Rest erledigte Torwart Christian Mathenia quasi im Privatduell mit dem abschlussfreudigen BVB-Besten Mario Götze.

Rettendes Ufer in Reichweite

Taktisch war sich Schommers nicht zu schade, die Partie wie ein Pokalspiel eines unterklassigen Klubs gegen ein Starensemble anzugehen. Damit holte sich die Mannschaft Sicherheit und schwamm sich zur Begeisterung ihrer Fans unter den 50 000 Zuschauern nach 20 Minuten frei. "Der Trainer hat uns einen guten Plan gegeben und jeder hat sich daran gehalten. Das war das Entscheidende", sagte Innenverteidiger Lukas Mühl. An der defensiven Grundausrichtung, die sein früherer Chef Köllner abgelehnt hatte, will Schommers auch künftig festhalten. "Dieser Punkt ist die Basis. Er zeigt uns, dass wir, wenn wir unsere Hausaufgaben gegen den Ball erledigen, bei gleichem Einsatz auch gegen andere Gegner erfolgreich sein können."

Selbstvertrauen fürs Kellerduell am Wochenende

Zum Beispiel gleich am Samstag (18.30 Uhr) bei Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf, gegen den am 29. September der zweite und letzte Saisonsieg geglückt war. Der Club ist zwar weiter Tabellenletzter, aber die Zuversicht im Abstiegskampf ist mit Macht zurückgekehrt. "Das 0:0 gibt einen Schub für die Moral. Jetzt gehen wir mit breiter Brust nach Düsseldorf", sagte Mühl. Der Relegationsplatz (zwei Punkte Abstand) und das rettende Ufer (fünf Punkte) sind trotz des bisher bescheidenen Abschneidens noch in Reichweite.

Während Mühl die Rekordschlappe im Hinspiel in Dortmund zusätzlich motiviert hatte ("Nach dem 0:7 habe ich mich geschämt für die Leistung"), sah Tim Leibold die Zäsur im Verein als Ansporn. "Dass der Trainer entlassen wurde, lag auch an unseren Leistungen. Wir waren in der Bringschuld". Der Außenverteidiger, der bis auf eine elfmeterreife, allerdings nicht geahndete Zweikampfsituation (34.) gut aussah gegen Jadon Sancho, berichtete von nicht allzu großen Veränderungen im Training: "Boris hat einfach versucht, uns die Freude wiederzubringen."

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