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Fußball

Warum FCN-Trainer Michael Köllner eine Bereicherung für die Bundesliga ist

Der 1. FC Nürnberg ist zurück in der Bundesliga und mit ihm ein Trainer, der sich nicht in Schubladen stecken lässt.
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Im Training des 1. FC Nürnberg ist Coach Michael Köllner auch oft stiller Beobachter.  Foto: Torsten Ernstberger
Im Training des 1. FC Nürnberg ist Coach Michael Köllner auch oft stiller Beobachter. Foto: Torsten Ernstberger

Der 1. FC Nürnberg ist in der anstehenden Bundesliga-Saison Außenseiter, der Aufsteiger gilt als Abstiegskandidat. Doch der Club hat einen Trumpf in der Hand: Trainer Michael Köllner. Der Aufschwung beim fränkischen Traditionsverein ist eng mit seinem Namen verbunden. Der 48-Jährige lebt seine Werte, lebt den Fußball, lebt den Verein - und ist eine Bereicherung für die in den vergangenen Jahren immer uniformer gewordene Liga.

Köllner ist kein Ex-Profispieler wie Bayern Münchens Niko Kovac oder Leverkusens Heiko Herrlich, auch in die Schublade der jungen Trainergarde um Domenico Tedesco (Schalke 04) und Julian Nagelsmann (TSG 1899 Hoffenheim) passt er nicht. Viel mehr ist er Autodidakt, der sich seine Meriten über Jahre hinweg im Nachwuchsbereich verdiente. Ständig bildete er sich weiter, trat für den Deutschen Fußballbund als Referent und Autor auf. Und irgendwie war Köllner im März 2017 auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Nach der Entlassung von Alois Schwartz stieg er vom U21- zum Zweitliga-Trainer der Nürnberger auf - und war mittendrin im Profigeschäft. Mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Ein positiv denkender Mensch

"Die Taktung im Profigeschäft ist immens. Alles, was um die Mannschaft und den Verein herum passiert, ist eine riesige Herausforderung - und irgendwie auch Ballast. Ich lasse das Ganze aber nur so weit an mich heran, wie ich es für notwendig erachte", sagt Köllner. Er weiß, dass Trainer bei Misserfolg oft das schwächste Glied in der Kette sind. Doch mit einer Entlassung beschäftigt er sich nicht. Er ist ein positiv denkender, ein geerdeter Mensch. Immer wieder lässt der extrovertierte Redner im Gespräch positiv belegte Begriffe wie Heimat, Familie und Gemeinschaft fallen.

Was diese bedeuten, lernte der gläubige Katholik als Kind in seinem oberpfälzischen Heimatort Fuchsmühl (Landkreis Tirschenreuth). Das Gasthaus seiner Großeltern war kultureller Treffpunkt des 1600 Einwohner zählenden Ortes. Köllners Persönlichkeit reifte während seiner Schulzeit im katholischen Internat St. Augustin in Weiden. Später absolvierte er bei der Bundeswehr eine Berufsausbildung zum Zahnarzthelfer.

"Wurzeln bleiben Wurzeln", sagt der Oberpfälzer. "Und grundsätzlich geht es in jeder Gesellschaftsform um Werte. Um gemeinsame Regeln, die über allen Konfessionen stehen und das Leben erleichtern." Diese Werte will der FCN-Trainer seinen Spielern vermitteln.


Besuch im Kloster

Er gibt den Profis Leseempfehlungen, diskutiert mit ihnen über Politik oder besucht mit ihnen im Trainingslager Klöster, Kirchen und Friedhöfe. Überfachliche Bildung statt 24 Stunden Fußball satt. "Jeder Mensch sucht Orientierung im Leben. Wenn das der Job parallel liefert, ist das schon etwas Großartiges. Und der Fußball liefert das bei uns in Nürnberg." Jetzt leuchten die Augen Köllners, in seinem Gesicht stellt sich ein Lächeln ein. Er gerät ins Schwärmen über die "große Club-Fußballfamilie", die ausschlaggebend dafür war, dass er im Sommer Angebote anderer Vereine ausschlug. Der Zusammenhalt sei "einfach großartig", Köllner fühlt sich heimisch. Wer die Geschichte des FCN kenne, wisse, dass die größten Erfolge des Vereins mit toller Kameradschaft erreicht wurden. So auch der Aufstieg in die Bundesliga in der Vorsaison. Die beste Mannschaft hatten die Nürnberger nicht, aber Köllner formte aus ihr eine erfolgreiche Einheit.

"Fußball ist auch ein Verdrängungswettbewerb", betont der Trainer. Man müsse eine Nische bedienen, in der andere nicht aktiv sind. "Wenn es uns gelingt, die Art, wie der Verein gelebt wird, in die Mannschaft hineinzutragen, kann das unsere Nische und nur von Vorteil sein", sagt Köllner. "Liebe, Glaube, Leidenschaft - bis in alle Nuancen."
 


Der Nürnberger Trainer im Kurzinterview


Michael Köllner über...

. . . die Situation des Vereins: "Jedem muss bewusst sein, dass der 1. FC Nürnberg vor zwei Jahren kurz vor dem Exitus stand. Wir sind jetzt von der Intensivstation runter, liegen aber noch auf Station. Trotzdem sind wir aufgestiegen. Aber es geht jetzt nicht um ein Jahr Bundesliga, der Verein muss auch in fünf bis zehn Jahren noch top dastehen. Deswegen fordere ich auch nicht auf Gedeih und Verderb Neuzugänge. Ziel muss es sein, den 1. FC Nürnberg weiter zu stabilisieren, ihn auf eine solide finanzielle Basis zu stellen und den eingeschlagenen Kurs einzuhalten. Deswegen tut jeder gut daran, mit der nötigen Erdung in die Saison zu gehen."

. . . die kommende Saison : "Viele sagen, die Bundesliga ist eine Nummer zu groß für den Club. Ich habe dieses Empfinden nicht. Ich weiß, dass wir eine Riesensaison spielen werden und die Dinge im Rahmen unserer Möglichkeiten 100-prozentig erledigen. Wenn man sich gut vorbereitet hat - und das haben wir -, hat man eine Chance. Und die werden wir beim Schopfe packen."

. . . das Pokalspiel gegen den südbadischen Fünftligisten SV Linx am Samstag (15.30 Uhr): "Das ist wie ein Meisterschaftsspiel für uns. Wir haben viele Informationen über den Gegner eingeholt und gehen das Spiel seriös an. Vergangenes Jahr hat uns der Pokal viele wichtige Impulse gegeben, nicht nur finanziell. Auch dieses Jahr wollen wir wieder auf uns aufmerksam machen."

. . . Ausschreitungen der Nürnberger Fans in der Vorbereitungsphase: "In Weismain war ich unmittelbar betroffen. Da schluckst du schon, wenn 30 Leute auf dich zustürmen. Ausschreitungen sind grundsätzlich ein No-Go. Das fällt auf den 1. FC Nürnberg zurück. Wir sind ein Verein, zu dem jeder kommen kann - und dann auch sicher ist. Man darf die Ultras nicht nur im negativen Kontext sehen, ohne sie wäre das Stadion ruhiger und weniger bunt. Wir können versichern, dass unsere heterogene Ultraszene solche Vorfälle intensiv diskutiert. Wir sprechen immer wieder mit ihnen und machen ihnen klar, dass wir uns einen friedvollen Rahmen wünschen."

. . . Rituale vor dem Spiel: "Einige Abläufe sind automatisiert, das gibt Sicherheit. So gehe ich vor einem Spiel immer 30 bis 45 Minuten laufen und höre dabei immer dasselbe Lied in Endlosschleife. Welches das ist, verrate ich aber nicht. Auch die Club-Hymne ,Die Legende lebt' darf im Bus nicht fehlen. Das Lied wird gestartet, sobald das Stadion sichtbar wird. Dann weiß jeder, dass er sich jetzt sammeln muss."



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