Nürnberg
Fußball

Sportvorstand des Clubs: "Wir geben Mannschaft und Trainer die nötige Zeit"

Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg, Robert Palikuca, spricht im Interview über Geduld in Zeiten des Umbruchs und das Rückgrat in Druck-Situationen.
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Club-Sportvorstand Robert Palikuca  Sportfoto Zink
Club-Sportvorstand Robert Palikuca Sportfoto Zink

Robert Palikuca, der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg, ist ein Mann klarer und offener Worte. Der 41-Jährige, der vom Erstligisten Fortuna Düsseldorf, für den er auch als Spieler aktiv war, an den Valznerweiher gewechselt ist, hat sich zur Aufgabe gemacht, den Club perspektivisch ins Oberhaus zurückzuführen. Wie er die Herausforderung angeht, warum er auf überwiegend deutschsprachige Verpflichtungen Wert gelegt hat und was er von den Aussagen des Bochumer Trainers Robin Dutt hält, hat er im Interview verraten.

Robin Dutt hat gegenüber dem Sportportal Spox ein offenes Interview gegeben. Unter anderem beklagt er, dass die Klubs viel zu schnell die Trainer austauschen und dadurch die Entwicklung einer Mannschaft verhindern - und das wiederum führe zu einem Qualitätsverlust des Fußballs im Allgemeinen. Teilen Sie diese Ansicht?

Robert Palikuca: Diese Ansicht kann ich in großen Teilen mittragen. Allerdings halte ich es für verkehrt, die Aussage zu pauschalisieren. Es gibt nun mal Konstellationen, in denen jeder Verein für sich entscheiden muss, was das Beste für ihn in einer kniffligen Situation ist.

Sind die Sportvorstände tatsächlich weniger resistent als früher und stellen den leitenden Verantwortlichen für Aufstellung, Taktik und Resultate zügiger die Entlassungspapiere aus?

Das kann ich für meine Kollegen nicht beurteilen. Wir sind in der vergangenen Saison sang- und klanglos abgestiegen - obwohl wir bis zum vorletzten Spieltag noch die Chance auf den Klassenerhalt hatten. Unterm Strich stehen jedoch der Abstieg und nur 19 Punkte auf der Habenseite. Angesichts dieser Fakten stellt sich dann sehr wohl die Frage, ob Veränderungen, insbesondere auf der Trainerposition, nicht notwendig sind.

Glauben Sie, dass Medien Entwicklungen und Prozesse innerhalb einer Organisation beschleunigen?

Der Fußball ist ein öffentliches Produkt. Und der mediale Druck, den man in diesem Geschäft mehr oder weniger heftig zu spüren bekommt, ist somit eine ganz normale Begleiterscheinung. Die Frage ist jedoch, wie ich mit diesem Druck umgehe. Stelle ich mich schützend vor meinen Trainer und meine Spieler oder lasse ich zu, dass andere Kräfte einwirken? Geschieht Letzteres, besteht die Gefahr, dass man von seiner Linie abweicht und an sich selbst zweifelt. In Nürnberg werden wir dem Trainer und der Mannschaft nach diesem großen Umbruch auf jeden Fall die nötige Zeit geben.

Bleibt der Erfolg aus, kommt ein neuer Trainer und mit ihm ein anderes Verständnis von Personalführung, Aufstellung und Taktik. Müsste nicht aber die Philosophie, das Credo, die Spielweise eines Klubs unabhängig vom Trainer sein?

Wir haben uns für Damir Canadi entschieden, eben weil er für eine Philosophie steht, die sich mit der Club-Philosophie deckt: Wir setzen auf junge Spieler, die erfolgshungrig sind und sich entwickeln wollen. Dies erfordert einerseits Geduld und andererseits den Glauben an den Trainer, die Herausforderung zu meistern. Perspektivisch wollen wir mit diesem Kader zurück in die 1. Liga und nach Möglichkeit dort die Klasse halten - ohne dabei großartige Veränderungen beim Personal vornehmen zu müssen.

Der Nachwuchs nimmt in der Club-Philosophie also eine exponierte Rolle ein?

Absolut. Wir sind froh über jeden Nachwuchsspieler, der es in den Profikader schafft - aber wir erzwingen es nicht. Was zählt, ist einzig und allein die Qualität. Um den Übergang zu begleiten, setzen wir, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bundesligisten, weiterhin auf unsere U21-Mannschaft - weil wir festgestellt haben, dass viele Youngster diesen Zwischenschritt benötigen. Nicht jeder ist schließlich ein solches Ausnahmetalent wie Jadon Sancho und Christian Pulisic.

RB Leipzig hat aktuell nur einen "Local Player" in seinem Kader, obwohl der Standort massiv im Nachwuchsbereich investiert hat. Warum tun sich viele Vereine so schwer, junge Spieler mit deutschem Pass ins kalte Wasser zu werfen?

Das weiß ich nicht. Wir gehören jedenfalls nicht dazu - weil unsere "Local Player" wie Lukas Mühl und Enrico Valentini entsprechende Einsatzzeit bekommen. Und weil wir bei der Kaderzusammenstellung darauf geachtet haben, dass die Neu-Erwerbungen überwiegend deutschsprachig sind. Eine Mannschaft wächst nach meiner Auffassung schneller zusammen, wenn es keine Sprachbarrieren gibt. Und noch etwas...

Ja, bitte.

Es ist ja nicht so, dass wir ausschließlich auf einheimische Talente setzen. Wir schauen uns sehr wohl im Ausland um. Dabei haben wir jedoch darauf zu achten, dass wir das wenige Geld effizient einsetzen und gleichzeitig das Risiko minimieren. Dank dieser Strategie haben wir mit Iuri Medeiros einen Spieler unter Vertrag nehmen können, der uns besser macht. Zudem sind wir dank Marek Mintal und Tomas Galasek in der Lage, unsere Fühler in die Slowakei und nach Tschechien auszustrecken. Beide sind in ihren Heimatländern bestens vernetzt und darüber hinaus aufstrebende, ehrgeizige Trainer, die ihren Schützlingen Werte vermitteln und professionelles Verhalten vorleben.

Der Club war in der 2. Liga einmal erfolgreich und steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals: Wie bewerten Sie den Saisonstart und was erwarten Sie von der Mannschaft bei ihrem heutigen Gastspiel in Sandhausen?

In Sandhausen ist es traditionell sehr unangenehm zu spielen. Die Mannschaft kommt extrem über die Zweikämpfe - was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir den Kampf annehmen müssen. Aber die meisten unserer Jungs wissen, was sie dort erwartet. Zu den bisherigen Begegnungen: Wir sind sowohl gegen Dresden als auch gegen Ingolstadt als verdienter Sieger vom Platz gegangen - obwohl beide Partien nur 1:0 ausgegangen sind. Was mir nicht gefallen hat, war die Art und Weise, wie wir das Spiel gegen den Hamburger SV hergegeben haben. Wir haben hochverdient mit 0:4 verloren, weil der HSV robuster und giftiger war als wir.

Das Gespräch führte Dirk Kaiser

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