Nürnberg
1. FC Nürnberg

FCN: Prinzip Hoffnung: Der Club ist auf fremde Hilfe angewiesen

Der 1. FC Nürnberg benötigt für den Bundesliga-Klassenerhalt am Samstag zunächst einen Sieg über Borussia Mönchengladbach und muss gleichzeitig auf Wolfsburger Schützenhilfe hoffen.
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Es geht nur gemeinsam - und mit Schützenhilfe aus Wolfsburg: Das Schicksal des 1. FC Nürnberg könnte sich bereits am Samstag entscheiden. Foto: Swen Pförtner/dpa
Es geht nur gemeinsam - und mit Schützenhilfe aus Wolfsburg: Das Schicksal des 1. FC Nürnberg könnte sich bereits am Samstag entscheiden. Foto: Swen Pförtner/dpa

Am 33. Spieltag der Bundesliga könnten die Fußballer des 1. FC Nürnberg zum neunten Mal in die Zweitklassigkeit absteigen - doch die Mannschaft glaubt an sich und wird im Vergleich mit Borussia Mönchengladbach "alles dagegenstemmen".

Im amerikanischen Sprachgebrauch gibt es eine Redewendung, die zumeist in Krisenzeiten, insbesondere im Sport, bemüht wird. "It ain't over till the fat lady sings", lautet der Mutmacher derjenigen, die in der Bredouille stecken, aber die Hoffnung auf ein Happy End nicht aufgegeben haben. Und es scheint fast so, als hätte sich der Club dieses Motto zu eigen gemacht: Obwohl der 1. FC Nürnberg, der seit dem 15. Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz verweilt, in dieser Saison erst drei Erfolge und magere 19 Punkte auf der Habenseite verbucht hat, besteht zwei Spieltage vor Rundenschluss in der Fußball-Bundesliga noch immer die Möglichkeit, den Klassenerhalt über den Umweg der Relegationsspiele gegen den Zweitliga-Dritten zu realisieren.

Allerdings benötigen die Nürnberger für dieses Unterfangen unbedingt die Schützenhilfe der Konkurrenz. Zudem sind die Franken, die an diesem Samstag um 15.30 Uhr Borussia Mönchengladbach im Max-Morlock-Stadion empfangen, zum Gewinnen verdammt. Bleibt der eigene Sieg oder aber die Schützenhilfe aus - diese müsste in diesem Fall vom VfL Wolfsburg kommen, der zeitgleich beim Relegationsplatz-Inhaber VfB Stuttgart gastiert -, wäre in der Tat der Bundesliga-Vorhang für die Mannschaft von Trainer Boris Schommers gefallen und der neunte Abstieg aus dem deutschen Fußball-Oberhaus besiegelt.

Der Blick geht gen Stuttgart

"Wir werden alles dagegenstemmen, um den Club in der Liga zu halten und die Restchance in Freiburg zu haben", schaltete Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia unmittelbar nach der 0:2-Niederlage in Wolfsburg sofort wieder in den Optimismus-Modus. Auch der zuletzt nicht berücksichtigte Innenverteidiger Georg Margreitter, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Brasilianers Ewerton (Muskelfaserriss im Adduktorenbereich) in den beiden noch ausstehenden Partien wieder neben Lukas Mühl mitwirken wird, gibt sich kämpferisch. "In der öffentlichen Wahrnehmung sind wir sowieso schon abgeschrieben. Das bedeutet für uns, dass wir nur gewinnen können, so sollten wir es auch angehen", sagte der Österreicher, der sein 100. Pflichtspiel für Nürnberg bestreiten wird, dem Fachblatt "Kicker".

Gladbacher auch unter Druck

Allerdings steht nicht nur für den Club eine Menge auf dem Spiel. Auch die Gladbacher, die der ehemalige Nürnberger Trainer Dieter Hecking (2009 bis 2012) betreut, sind zum Siegen verdammt: Um in der kommenden Spielzeit am internationalen Geschäft zu partizipieren, ist ein "Dreier" beim Club Pflicht. Denn die unmittelbaren Konkurrenten der "Fohlen", die aktuell mit 52 Punkten Platz 6 belegen und somit für die Teilnahme an der Europa League qualifiziert wären, sitzen den Gladbachern im Nacken: Die "Wölfe" als Siebter (52 Zähler) und die TSG Hoffenheim (51) als Achter machen sich ebenfalls noch Hoffnungen auf das internationale Geschäft, das mindestens zehn Millionen Euro (Europa League), bestenfalls 30 Millionen Euro (Champions League) in die Kasse spülen wird. Insofern werden sich auch die Stuttgarter, die den direkten Klassenerhalt seit vergangenem Sonntag ad acta legen können, auf einen Gegner einstellen müssen, der den Schwaben alles abverlangt.

Zehn Punkte in zwölf Spielen

Im Gegensatz zu den Wolfsburgern befindet sich das Team von Hecking, der den Verein zum Saisonende verlässt und durch Marco Rose ersetzt wird, seit Anfang Februar in einem sehr fragilen Zustand. Sah es in der Hinrunde lange Zeit noch danach aus, als könne der Klub für die Champions League planen, gab es zuletzt mehr Niederlagen als Siege. In den zurückliegenden zwölf Begegnungen holten die Gladbacher nur zehn Zähler, unter anderem durch zwei magere 1:0-Erfolge gegen Mainz und Hannover 96. Das Zehn-Punkte-Polster, das die Borussia als Tabellenzweiter nach dem 20. Spieltag auf Tabellenrang 5 hatte, ist pulverisiert - die Leistungskurve zeigt seitdem deutlich nach unten.

Am vergangenen Spieltag war es der ehemalige Nürnberger Offensivmann Josip Drmic, der, als Joker eingewechselt, seinen Arbeitgeber mit seinem ersten Saisontor vor einem weiteren Abrutschen in der Tabelle bewahrte. Das 2:2 gegen Hoffenheim sieht Drmic, der sich ebenfalls nach einem neuen Klub umschauen muss, als Chance: "Wir sollten die positiven Sachen anschauen und nicht das, was wir nicht gut gemacht haben. Wir sind hingefallen, aufgestanden, hingefallen, aufgestanden. Das ist das, was wir mitnehmen sollten", wird der 26-Jährige auf der Gladbacher Homepage zitiert.

Yann Sommer: positives Gefühl

Auch Yann Sommer war bemüht, aus dem spielerisch dürftigen Auftritt gegen Hoffenheim das Positive herauszufiltern: "Das Remis fühlt sich wie ein Sieg an. Das gibt endlich wieder ein positives Gefühl, und wir wollen das mitnehmen in die letzten beiden Spiele und dort sechs Punkte holen", sagte der Borussia-Schlussmann gegenüber der "Rheinischen Post".

Im Hinspiel war die Elf vom Niederrhein den Nürnbergern in allen Belangen überlegen. Mit dem 2:0 waren die Franken, für die seinerzeit noch Michael Köllner die sportliche Verantwortung hatte, bestens bedient. Seit Schommers das Team übernommen hat, hat sich das Defensivverhalten zwar erheblich verbessert - nicht zuletzt, weil Schommers deutlich weniger rotieren lässt als sein Vorgänger. Allerdings hapert es nach wie vor im Abschluss. Die lediglich 25 erzielten Treffer sind ein Beleg dessen und zugleich der schlechteste Wert aller Erstligisten. Gegen Gladbach sind die Nürnberger in der Pflicht, Sommer zu überwinden und mindestens ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen. Gelingt das nicht, fällt der Erstliga-Vorhang.

FCN gegen Gladbach: So könnten die Teams am Samstag auflaufen

Das Prinzip Hoffnung

It ain't over till the fat lady sings.

Hoffnung machender Satz aus dem Englischen - die Übersetzung: Es ist nicht vorbei, bis die dicke Dame singt. Oder: Es ist noch nichts verloren. Oder auch: Es ist noch nicht aller Tage Abend.

Hier handelt es sich um einen umgangssprachlichen Ausdruck, der oft als Sprichwort verwendet wird. Das bedeutet, dass man nicht davon ausgehen sollte, das Ergebnis eines Ereignisses zu kennen, das noch läuft. Meist wird der Ausdruck verwendet, wenn sich eine Situation dem Ende nähert.



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