Nürnberg
Fußball

Nikola Dovedans stetige Vergrößerung

Aus Altach über Heidenheim gelangte Nikola Dovedan zum 1. FC Nürnberg, wo er wieder mit Altach-Trainer Damir Canadi vereint ist und für die Rückkehr in Liga 1 sorgen soll.
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Nikola Dovedan hat sich im vergleichsweise großen Nürnberg schnell akklimatisiert und bereits zwei Tore für den FCN erzielt. Foto: Sportfoto Zink
Nikola Dovedan hat sich im vergleichsweise großen Nürnberg schnell akklimatisiert und bereits zwei Tore für den FCN erzielt. Foto: Sportfoto Zink

In Heidenheim an der Brenz geht es beschaulich, gemächlich, gelassen zu - ein wohltuender Kontrast zum ansonsten hektischen, überbordenden und dauererregten Fußballgeschäft. Auf der Schwäbischen Alb, im Dreieck zwischen München, Nürnberg und Stuttgart gelegen, trotzen die Verantwortlichen des dort ansässigen Zweitligisten seit mehr als einer Dekade den saisonal wiederkehrenden und branchenüblichen Reflexen, die in der Regel wie folgt aussehen: Befindet sich ein Klub in einer Ergebniskrise (wie eine solche zu bewerten ist, davon gibt es unterschiedliche Interpretationen) und führt eben diese in eine Tabellenregion, die als bedrohlich für das proklamierte Saisonziel erachtet wird, dauert es meist nicht mehr lange, bis der Trainer von seinen Aufgaben entbunden und durch einen anderen ersetzt wird.

Seit zwölf Jahren derselbe Trainer

Beim FC Heidenheim, der am kommenden Freitag zu Gast beim 1. FC Nürnberg ist (Spielbeginn 18.30 Uhr), halten sie an Frank Schmidt fest - unabhängig von Ergebniskrisen und Tabellenständen. Seit 2007 ist der 45-Jährige, dessen Kontrakt bis 2023 läuft, in dieser Position Heidenheim tätig - eine gefühlte Ewigkeit. Damit ist der Mann, dessen Markenzeichen ein seitlich geneigter Kopf ist, der dienstälteste Zweitliga-Coach.

Für Nikola Dovedan ist es keine Überraschung, dass Schmidt zu "Mr. Heidenheim" avanciert ist: "Er weiß immer, was die Mannschaft braucht, und er hat einen guten Draht zu seinen Spielern." Der Neu-Nürnberger spricht aus eigener Erfahrung, schließlich bestritt er von 2017 bis 2019 unter Schmidt 58 Zweitliga-Begegnungen und erzielte in dieser Zeit 14 Tore.

Dass dem Österreicher vor dem ersten Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber eine gewisse Ambivalenz anzumerken ist, verwundert kaum: Sollte er ein Tor erzielen, will er auf keinen Fall jubeln "Das mache ich nicht. Heidenheim hat mir damals die Chance geboten, mich in Deutschland zu beweisen und zu etablieren", erzählt der 25-Jährige. Einerseits. Andererseits: "Wenn das Spiel angepfiffen wird, gibt es leider keine Freunde. Da zählt nur der Erfolg mit dem FCN."

Vergrößerung um Faktor zehn

Der Mittelfeldspieler, der in Tulln an der Donau in Niederösterreich geboren wurde und in der dortigen Jugend das Fußball-Einmaleins lernte, hat sich nach seinem Wechsel aus der überschaubaren 50 000-Einwohner-Stadt Heidenheim ins zehn Mal so große Nürnberg recht schnell akklimatisiert. Was insbesondere mit Damir Canadi zusammenhängt: Der neue Club-Coach und Dovedan kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Altach 2016 - einer 6300-Seelen-Gemeinde in Vorarlberg.

Dovedan schätzt seinen Landsmann, "weil er knallhart seine Linie durchzieht und auf seine Spieler eingeht". Zudem wolle Canadi stets das Bestmögliche für die Mannschaft und den Verein. Sätze, die in leicht abgewandelter Form auch seinen einstigen Trainer Schmidt treffend charakterisieren.

Nach zwei Spielzeiten unter Frank Schmidt ist also wieder Canadi Dovedans sportlicher Vorgesetzter. Im Gegensatz zu seiner ersten Saison in Deutschland weiß der Österreicher, der bereits zwei Mal für den Club getroffen hat, heute um die Begeben- und Besonderheiten des Fußball-Unterhauses. "Sportlich war es damals eine große Umstellung, da hierzulande mehr Wert auf die Physis gelegt wird", erinnert sich der 25-Jährige. Und er ist sich bewusst, dass der FCN ob seiner Tradition, seines Anhangs und seines Umfelds nicht mit Heidenheim zu vergleichen ist - weil die Erwartungshaltung eine andere ist. In Nürnberg und Umgebung ist alles drei, vier, fünf Nummern größer als in Heidenheim.

So scheint die 2. Liga wie gemacht für den Verein, der in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit noch immer unter dem Radar fliegt: Mit dem Abstieg in die Drittklassigkeit haben die Schmidt-Schützlinge so gut wie nie etwas zu tun. Und fürs Fußballoberhaus sind die Heidenheimer, die die Saison 2018/19 auf dem fünften Platz abgeschlossen haben, irgendwie noch nicht reif genug.

Der Club hingegen möchte nach dem Abstieg aus der Beletage schnellstmöglich in den elitären Zirkel zurück. Spätestens 2021 soll es so weit sein. Die Verantwortlichen hätten jedoch nichts dagegen, wenn die Mannschaft, die nach vier Partien mit sechs Punkten Rang 9 belegt, bereits in dieser Saison bis zum Schluss um die aufstiegsberechtigten Plätze mitspielen würde. Allerdings läuft der Club-Motor noch nicht richtig rund - darüber kann auch der späte 1:0-Erfolg über Aufsteiger VfL Osnabrück nicht hinwegtäuschen. "Gut wäre es", sagt Nikola Dovedan, "wenn wir mal eine längere Siegesserie mit vielen Punkten einfahren könnten".

Positiv in die Länderspielpause

Ein erster Schritt wäre ein Dreier gegen Heidenheim - "um mit einem positiven Gefühl in die Länderspielpause zu gehen", wie es Dovedan formulierte. Ähnliches ist von Schmidt zu vernehmen, der auf der vereinseigenen Homepage zitiert wird: "Wir brauchen ein Erfolgserlebnis. Es ist wichtig, dass wir da (in Nürnberg, Anm. d. Red.) etwas Zählbares mitnehmen. Mit einer weiteren Niederlage in die Länderspielpause zu gehen, wäre richtig bitter." Wobei: In Heidenheim würde es wohl selbst im Falle der dritten Saisonpleite unaufgeregt zugehen.

Erst ein Platzverweis

Die bisher einzige rote Karte in seiner Fußballkarriere kassierte Nikola Dovedan im Trikot von LASK Linz (Saison 2015/16). Nach einem LASK-Einwurf hatte er sich "den Ball ein bisschen zu weit vorgelegt", wie er es später beschrieb. Im Bemühen, das Spielgerät noch zu holen und unter Kontrolle zu bringen, versuchte er es mit der Variante des "durchgestreckten Fußes". Zum Leidwesen seines Gegenspielers, der Dovedans Stollen schmerzhaft am Schienbein zu spüren bekam. Dovedans damaliger Trainer war übrigens Oliver Glasner, der seit dieser Spielzeit den VfL Wolfsburg betreut.

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