Der 1. FC Nürnberg legte einen akzeptablen Start in die Fußball-Bundesliga hin: Nach vier Spieltagen befand sich der Aufsteiger auf Rang 8. Doch es folgten zwei deftige Dämpfer (0:7 in Dortmund und 0:6 in Leipzig), eine zunehmend größer werdende Zahl an verletzten Spielern und nur noch wenige Punkte. Die Folge: Der Club ist nach 17 Spieltagen Tabellenletzter.

Dennoch haben einige Spieler in der Hinrunde auf sich aufmerksam gemacht, andere haben noch Steigerungspotenzial. Die Schulnoten 1 und 2 hat im Zwischenzeugnis jedoch kein FCN-Spieler erreicht. Ein Quartett schnitt mit der Note 3+ am besten ab. Benotet wurden die Stammkräfte mit etwa 450 Einsatzminuten in der bisherigen Saison, einzige Ausnahme ist Torwart Christian Mathenia (404 Minuten).

FCN: Nürnbergs Torhüter im Hinrunden-Check

Fabian Bredlow (13 Spiele/0 Tore) Die Nummer 1 zum Saisonstart rückte nach zwei heftigen Niederlagen mit 13 Gegentoren und einigen Wacklern zurück ins zweite Glied. Steht jedoch nach der Knieverletzung von Christian Mathenia, der ihn abgelöst hatte, wieder zwischen den Pfosten - allerdings strahlt Bredlow nach wie vor nicht die Souveränität aus, die das Team vom "letzten Mann" benötigt. Mit 29 gehaltenen Schüssen nur die Nummer 17 im ligaweiten Torwartranking. Note: 4

Christian Mathenia (5/0) War nach seiner Beförderung zur Nummer 1 ein verlässlicher Rückhalt und signalisierte mit seinen Paraden dem Abwehrverbund, dass dieser sofort auf ihn zählen konnte. War indes auch nicht frei von Fehlern Eine Knieverletzung, erlitten beim 2:5 "auf Schalke", bedeutete nach nur fünf Einsätzen in der Meisterschaft und einem im Pokal-Wettbewerb das Hinrunden-Aus. Note: 3-

Die Abwehr: Margreitter mit beeindruckenden Zweikampfwerten

Robert Bauer (11/0) Der Allrounder in der Defensive (links, rechts, innen) und Enrico-Valentini-Back-up präsentierte sich insgesamt sehr flatterhaft und ambivalent; stärkere Momente waren eher selten. Und auch in der Offensive fehlte es der Leihgabe von Werder Bremen häufig an der nötigen Konzentration und Präzision. Note 4-

Tim Leibold (16/0) "Turbo-Tim" wird in der offiziellen Statistik-Datenbank der Fußball-Bundesliga als der Nürnberger Spieler mit den meisten Sprints (400) und den meisten intensiven Läufen (995) geführt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich der Linksverteidiger sehr häufig am Offensiv-Geschehen beteiligt hat - jedoch mit überschaubarer Ausbeute. Und in seinem ursprünglichen Aufgaben- und Kerngebiet hatte er mitunter erhebliche Mühe, seine Gegenspieler unter Kontrolle zu halten. Note: 4

Georg Margreitter (17/1) Der Innenverteidiger gehörte zu den wenigen Konstanten in der Hinrunde. Absolvierte jede Partie - und überzeugte dabei mit einer beeindruckenden Zweikampf-Quote (63,2 Prozent). Gab zusammen mit Lukas Mühl sein Bestes, um den Laden hinten nicht dauerhaft geöffnet zu haben. Allerdings war auch er nicht frei von gröberen Schnitzern. Note: 3+

Lukas Mühl (17/1) Nürnbergs "Zweikampf-Meister" (241 gewonnene Duelle) hat die nach der Ewerton-Verletzung erhaltene Chance genutzt und sich in der Innenverteidigung überraschend einen festen Platz gesichert. Mit seinen 21 Jahren noch am Beginn der Entwicklung - was sich aufgrund seiner Impulsivität insbesondere in der Vorwärtsbewegung beobachten lässt. Ein Akteur mit viel Potenzial. Note 3+

Enrico Valentini (7/0) War auf der rechten Verteidigungs-Position bis zu seiner Verletzung (Sehnenanriss im Oberschenkel) gesetzt. Versuchte gegen die "Tor-Maschinen" aus Dortmund und Leipzig vergeblich, die Lücken in der Defensive zu stopfen. Nach längerer Zwangspause hoffen Trainer und Mitspieler auf seine Rückkehr in der Rückrunde - und dass zu dem bisher einzigen Scorerpunkt weitere hinzukommen. Note 4+

Mittelfeld

Hanno Behrens (13/2) Bis zu seiner Verletzung (Bauchmuskelzerrung) der Antreiber nach vorne und der "Staubsauger" vor der Abwehr. War häufiger mit Defensiv-Aufgaben betraut, so dass wenig Spielraum für offensive Kreativität vorhanden war. Dennoch: Der Kapitän agierte gewohnt solide, hatte allerdings zu wenig "Ausreißer" nach oben. Im internen Ranking die Nummer 1 bei den gewonnenen Kopfball-Duellen (41). Note: 3 Alexander Fuchs (8/1) Nach beachtlichen Leistungen in der Vorbereitungsphase wurde Fuchs in acht Partien sechs Mal ausgewechselt. Zeigte zu selten, über welche Fähigkeiten er verfügt. Beim 2:2 in Augsburg gelang ihm sein erster Bundesligatreffer. Note 4

 

Ondrej Petrak (15/0) Hat sich im defensiven Mittelfeld etabliert und präsentierte sich zweikampfstark (61,1 Prozent). Auch seine Pass-Quote von knapp über 90 Prozent ist für einen Spieler, der auf der Position des "Sechsers" seine Qualitäten zur Geltung bringt, bemerkenswert. Akzente oder Impulse nach vorne gehen vom "Club-Dino" (seit 2014 im Verein) jedoch weniger aus. Note 3+ Simon Rhein (6/0) Der 20-Jährige profitierte von den temporären Ausfällen der Stammkräfte im defensiven und offensiven Mittelfeld. Bei seinen Einsätzen ließ der ehemalige Leverkusener mitunter sein Können aufblitzen. Note 4 +

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Angriff/Sturm: Misidjan schneidet am besten ab

Mikael Ishak (13/2) Die "Tor-Versicherung" war in der Hinrunde zu häufig von Verletzungen und Blessuren gehandicapt, als dass sie ihre Qualitäten hätte voll zur Geltung bringen können. Zudem fehlten dem Stürmer die maßgerechten Anspiele seiner Kollegen. Einsatz und Wille, die Tor-Ausbeute (2) zu erhöhen, waren in jedem Spiel vorhanden. Note: 4+

Yuya Kubo (11/0) Der technisch versierte und dribbelstarke Japaner ließ im Abschluss die Durchschlagskraft vermissen - obwohl er die meisten Torschüsse (19) aller "Clubberer" abgab. Dabei wären seine Treffer wichtig, um seine Kollegen im Offensiv-Verbund zu entlasten. Bislang steht beim vermeintlichen Hoffnungsträger diesbezüglich aber die Null. Note: 4-

Virgil Misidjan (15/1) Die Neu-Erwerbung aus Rasgrad (Bulgarien) machte sich auf Anhieb bezahlt. Der Flügel-Flitzer bringt ordentlich Tempo ins Spiel und schafft somit Räume für die zentralen Angriffs-Kräfte. Manchmal zu eigensinnig, weil er seine Mitspieler nicht sieht oder weil er selbst das Tor erzielen will. Allerdings steht erst ein Treffer für ihn zu Buche. Note: 3+

Federico Palacios (13/2) War bis dato bei Trainer Michael Köllner der 50:50-Spieler: mal startete er, mal kam er von der Bank. Zwei Treffer auf der Habenseite sind angesichts der eher dürftigen Gesamt-Ausbeute nicht so schlecht. Wünschenswert wären mehr Durchschlagskraft im Dribbling und im Abschluss. Note 3

Adam Zrelak (9/2) Der Slowake musste sich zunächst mit einer kleineren Rolle begnügen, ehe ihm - wegen der notwendig gewordenen Personal-Rochaden - mehr Verantwortung übertragen wurde. Gehörte zum Ende der Hinrunde zu den auffälligeren Nürnbergern. Sein Abschluss und seine Effizienz sind jedoch ausbaufähig. Note: 4+

Trainer Köllner: Coach ist von Trendwende überzeugt

Michael Köllner Musste nach hoffnungsvollem Start erkennen, dass die Gegner in Liga 1 ein anderes Kaliber sind - und das Verletzungen von Leistungsträgern das Teamgefüge nachhaltig stören. Der "Rotations-Meister" versuchte mit diversen taktischen Ausrichtungen, die Ausfälle zu kompensieren - was indes zu selten gelang. Köllner ist trotz langer Durststrecke ohne Dreier und dem Abrutschen auf den letzten Platz überzeugt, die Trendwende zu schaffen - sofern das Team von weiteren Verletzungen verschont bleibt. Note: 3

Nur wenig Einsatzzeit: Die Spieler ohne Benotung

Ewerton (3/0) Gab nach langer Verletzungs-Pause sein Bundesliga-Comeback beim 0:3 gegen den FC Bayern München. Kommt bislang nur auf 56 Einsatzminuten. Kevin Goden (4/0) Der Jüngste im Kader absolvierte vier Einsätze (drei in der Startelf).

Sebastian Kerk (8/0) Kam nach seinem Achillessehnen-Riss nur langsam wieder auf Touren und ist längst noch nicht in Topform. Kommt nur auf etwas mehr als 400 Einsatzminuten.

Eduard Löwen (7/0) Verabschiedete sich mit einer Verletzung (Innenbandriss im Knie) nach Spieltag 8 in eine Zwangspause. Bis dahin wechselten sich Licht und Schatten des "Einwechslers" (vier Mal) ab.

Matheus Pereira (7/0) Musste sich nach seinem Wechsel kurz vor dem Ende der Transferperiode zunächst hinten anstellen. Der starke Dribbler empfahl sich zuletzt mit stärkeren Leistungen für die Stammelf. Patrick Erras (8/0) Zwei Startelfeinsätze - in Dortmund (0:7) und München (0:3) - reichen für eine tiefergehende Bewertung nicht aus.

Törles Knöll (9/1) und Edgar Salli (2/0) kamen sporadisch zum Einsatz, wobei Knöll immerhin gegen Hannover seinen erstes Bundesliga-Tor erzielte.

ein Artikel von Dirk Kaiser