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1. FC Nürnberg

FCN: Hier muss Jens Keller als neuer Trainer ansetzen

Der spröde wirkende Trainer könnte mit seiner Erfahrung der richtige Mann für den 1. FC Nürnberg sein. Sportvorstand Robert Palikuca vertagt alle Aufstiegsträume und will jetzt erst einmal nur "in ruhige Fahrwasser" kommen.
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Neuer FCN-Trainer: Jens Keller bei seiner Vorstellung am Valznerweiher. Foto: Daniel Karmann/dpa
Neuer FCN-Trainer: Jens Keller bei seiner Vorstellung am Valznerweiher. Foto: Daniel Karmann/dpa

Möglicherweise sind am Valznerweiher die Tore zum Trainingsgelände für Kiebitze künftig öfter geschlossen als nur an den Tagen vor einem Spiel. Jens Keller schien jedenfalls ziemlich überrascht, dass seine erste Einheit mit dem Kader des 1. FC Nürnberg am Mittwochnachmittag öffentlich und nicht geheim war. Ganz einfach, weil es der Verein auf der Webseite so angekündigt hatte, bevor der 48-Jährige am Dienstag seinen Vertrag bis Sommer 2021 unterschrieb und sich freut, nun zum zweiten Mal nach seiner Zeit bei Schalke 04 bei einem großen Traditionsverein arbeiten zu können.

FCN: Jens Keller beerbt Damir Canadi als Trainer

Euphorie hat Kellers Verpflichtung unter den Club-Freunden nicht gerade ausgelöst. Dafür ähnelte der Fußball, den seine bisherigen Mannschaften spielten, dem etwas spröden und farblosen Auftreten des Trainers in der Öffentlichkeit. Intern mag Keller aber ganz anders sein. Bei seiner Vorstellung im VIP-Bereich des Max-Morlock-Stadions beschrieb er sich jedenfalls als "unheimlich kommunikativ. Bei mir weiß jeder Spieler, wo er steht. Es ist entscheidend, dass man die Mannschaft begeistert".

Für die derzeitige Situation des 1. FC Nürnberg, der nur eines seiner letzten zehn Pflichtspiele gewonnen hat, könnte Keller mit seiner Erfahrung durchaus der richtige Mann sein. Nach der Trennung von dem Österreicher Damir Canadi in der vergangenen Woche habe man sich bei der Suche nach einem Nachfolger auf Trainer konzentriert, "die in der jüngeren Vergangenheit in der Zweiten Liga gearbeitet haben", sagte Sportvorstand Robert Palikuca. Mit Markus Anfang konnte er sich offenbar nicht einigen, aber auch Keller erfüllte diese Vorbedingung. Bei Union Berlin, dass ihn Ende 2017 noch heute unerklärt auf dem vierten Tabellenplatz stehend entließ, sei Kellers Arbeit sogar "nahe am Optimum" gewesen, sagte Palikuca.

"Bei mir weiß jeder Spieler, wo er steht." - Jens Keller

In der vergangenen Saison war Keller der dritte von am Ende vier Trainern, die den Abstieg des FC Ingolstadt in die Dritte Liga nicht verhindern konnten. Trotz eines Kaders, der wie der des FCN qualitativ hochwertig besetzt zu sein schien. "Man kann die Situation sicherlich vergleichen", gab Keller zu. Die Spiele unter seiner Regie seien "sehr, sehr gut" gewesen, "was gefehlt hat, waren die Tore". Er sei froh, dass der Videobeweis nun auch in der zweiten Bundesliga eingeführt sei. "Wenn er letzte Saison schon dagewesen wäre, hätte sich (für Ingolstadt) eine ganz andere Tabellensituation ergeben."

Keller will Fokus auf stabile FCN-Defensive legen

Woran er in Nürnberg nun anzusetzen hat, ist Keller klar: "Wenn man die Tabelle und das Torverhältnis anschaut, dann sieht man, woran wir arbeiten müssen: an der defensiven Stabilität. Nach vorne hat die Mannschaft wahnsinnig viel Qualität, aber wir müssen die Stabilität finden." Beim 1:5 am Sonntag gegen Bielefeld hatte die Mannschaft noch verunsicherter und anfälliger gewirkt als unter Canadi und einen sehr zerknirschten Interimstrainer Marek Mintal hinterlassen. Es schien, als sei der Stecker gezogen. "Man sieht, dass die Mannschaft will. Sie gibt Gas, kommt aber mit Rückschlägen schwer zurecht", sagte Keller. Auch Palikuca ist mittlerweile klar, dass die Zusammenstellung des Nürnberger Kaders keineswegs homogen ist. Im Abwehrbereich und im defensiven Mittelfeld fehlt es an Qualität und Tempo. In der Winterpause wird er wohl versuchen, das personell zu ändern. Mit der schnellen Verpflichtung eines erfahrenen Torwarts wegen des Ausfalls aller drei Profi-Keeper tut sich der Club schwer. Keller geht zunächst einmal davon aus, dass der 18-jährige Benedikt Willert auch beim Derby am 24. November in Fürth im Tor stehen wird: "Der Junge hat es gegen Bielefeld gut gemacht." Bei einem vereinslosen Torwart sei davon auszugehen, "dass er wenig gearbeitet hat. Der wird Dir nicht auf Anhieb helfen". Wie er das Derby zum Einstand finde? "Einfach geil, das Spiel. Es kann nichts Besseres passieren."

Was die Spielphilosophie angeht, hat Palikuca wieder einen Trainer gewählt, der auf aggressives, schnelles Umschaltspiel steht und nicht auf Ballbesitz. "Hohes Tempo in beide Richtungen" wolle er sehen, sagte Keller, der seinen Standardassistenten Thomas Stickroth mitbringt. Fabian Gerber, der zweite Co-Trainer, mit dem Keller bereits in Ingolstadt zusammengearbeitet hat, darf bleiben.

Verändert hat sich aber das Ziel, mit dem der Club an die restliche Saison herangeht.

Palikuca setzt den im Sommer formulierten Zwei-Jahres-Plan mit dem Ziel Wiederaufstieg aus. Im vorderen Drittel mitspielen wollte der FCN mindestens. Bescheidene neue Vorgabe ist es nun, "in ruhige Fahrwasser zu kommen". Man müsse jetzt "von Spiel zu Spiel denken", sagte der Sportvorstand, und sich "auf die Ist-Situation konzentrieren". Die sieht so aus, dass der Club mit einer Niederlage in Fürth auf einen Abstiegsplatz zurückfallen könnte.

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