Nürnberg
Fußball

Die Gründe für den Abstieg des 1. FC Nürnberg - eine Analyse

Die Chance auf den Klassenerhalt war groß, doch mit teils hausgemachten Problemen schaffte es der 1. FC Nürnberg nicht, den neunten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte zu vermeiden - das sind die Gründe.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Enttäuschung  war nach dem Abstieg groß bei den Nürnbergern: (von links) Eduard Löwen, Sebastian Kerk, Törles Knöll Knoell, Alexander Fuchs, Hanno Behrens, Tim Leibold, Ondrej PetrakSportfoto Zink
Die Enttäuschung war nach dem Abstieg groß bei den Nürnbergern: (von links) Eduard Löwen, Sebastian Kerk, Törles Knöll Knoell, Alexander Fuchs, Hanno Behrens, Tim Leibold, Ondrej PetrakSportfoto Zink
+1 Bild

Der 1. FC Nürnberg ist zum neunten Mal in seiner Geschichte aus der Bundesliga abgestiegen. Hält man die neun Meistertitel dagegen, befindet sich die Club-Waage im Lot. Indes: Im Lot war in der Saison 2018/2019 so vieles nicht.

Lesen Sie auch: Nürnberg verpflichtet ersten Neuzugang für die kommende Saison

Nach einem respektablen und Mut machenden Beginn mit fünf Punkten aus vier Begegnungen gab es den ersten Hinweis darauf, dass zwischen Sein und Schein ein großer Unterschied besteht. Das verheerende 0:7 bei Borussia Dortmund wurde von so manchem Fan und Experten in die Kategorie "Betriebsunfall" einsortiert - zumal der Liga-Neuling nur eine Woche später wieder auf Kurs schien: Das 3:0 gegen Mit-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf hatte das BVB-Desaster zum "Ausrutscher" deklariert. Eine Fehleinschätzung - was das folgende 0:6 bei RB Leipzig und das 1:3 vor heimischer Kulisse gegen die TSG Hoffenheim belegt.

Zu viele Personalwechsel

Spätestens ab diesem Zeitpunkt dürfte dem damaligen FCN-Trainer Michael Köllner klar geworden sein, dass er mit seiner offensiv ausgerichteten und spielerisch-lösungsorientierten Taktik ins offene Messer laufen würde. Mit einer System-Umstellung, die dazu beitragen sollte, den fragilen Abwehrverbund zu festigen, war Köllner fortan bemüht, den Abwärtstrend zu stoppen - was jedoch nur bedingt gelang. Denn der Fußball-Lehrer aus Fuchsmühl (Oberpfalz) hielt weiter daran fest, stets neue Formationen auf den Rasen zu schicken - und dies war nicht immer auf Personalprobleme aufgrund von Verletzungen zurückzuführen.

Lesen Sie auch: Leistungsträger verlängert beim Club

Doch eine eingespielte, gut harmonierende Mannschaft, die Automatismen verinnerlicht hat und deren Team-Gefüge von der Abwehr bis zur Offensive miteinander verzahnt ist, lässt sich so nicht finden. Hinzu kam, dass durch die Verlagerung des Schwerpunktes auf die Defensive, die nur bedingt durchschlagskräftige Offensive zu einem noch "laueren Lüftchen" verkam - weil durch den geordneten Rückzug die Abstände zwischen den jeweiligen Mannschaftsteilen nicht mehr stimmten und so das Umschaltspiel nur schleppend vonstatten ging: 26 Tore in 34 Partien sind nicht nur die schlechteste Ausbeute aller Bundesliga-Teams, sondern auch elf weniger als in der Abstiegs-Saison 2013/2014.

Verstärkungen bleiben aus

Da die erhofften Verstärkungen zur Winterpause am Valznerweiher nicht eingetroffen waren und gerätselt wurde, warum in einer solch prekären Lage auf Transfers verzichtet worden war, ging es für Michael Köllner und den damaligen Sport-Vorstand Andreas Bornemann mit unverändertem Personal weiter. Allerdings nur bis Februar, dann mussten Bornemann und kurze Zeit später Köllner gehen. Die weiterhin ernüchternden Resultate und der ausbleibende Positiv-Trend wurden dem Duo, das bis zum Schluss auf die Selbstheilungskräfte des Ursprungspersonals gesetzt hatte, zum Verhängnis.

Keine Wende unter Boris Schommers

Köllners Assistent Boris Schommers, dem zugetraut worden war, die "Mission Klassenerhalt" erfolgreich zu beenden, gab sich kämpferisch und optimistisch, das Unmögliche möglich zu machen.

Doch auch ihm gelang es nicht, das Team aus dem Tabellenkeller zu führen - weil die System-Umstellung in Kombination mit der eingeschränkten Qualität des Kaders und den nicht getätigten Neu-Erwerbungen in der Winter-Transferperiode ihre negative Kraft entfaltet hatte: Defensiv war der Club nun zwar erstligatauglich, doch Mittelfeld und Angriff produzierten unter Schommers in 13 Begegnungen lediglich neun Treffer.

Dass bis zum 33. Spieltag der Klassenerhalt über den Umweg Relegation möglich gewesen war, hatte seinen Grund in der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz. Hannover 96 und der VfB Stuttgart machten zusammen mit dem Club den Kampf um den Liga-Verbleib zu einem Schnecken-Rennen.

Unter "normalen" Umständen hätte sich der 1. FC Nürnberg, der sich mit der Bilanz von drei Siegen, zehn Unentschieden und 21 Niederlagen aus dem Oberhaus verabschiedet, schon wesentlich früher endgültig mit dem Gang in die Zweitklassigkeit abfinden müssen.

Der Spieler der Saison

Hanno Behrens ist der Club-Spieler der Saison. Zusammen mit Mikael Ishak hat er die meisten Tore geschossen (4) und die meisten Torschüsse seiner Mannschaft abgegeben (39). Kein Nürnberger hat mehr Zweikämpfe (285) und Kopfball-Duelle (99) gewonnen und mehr Kilometer auf dem Rasen gemacht als der Kapitän. Mit 345,2 abgespulten Kilometern ist der 29-Jährige ligaweit auf Rang 20 zu finden. Pech hatte Behrens hingegen bei Latten- und Pfostentreffern: Vier Mal traf der Kapitän Aluminium. Nur der Hoffenheimer Ishak Belfodil (5) hatte mehr Alupech.

Die Enttäuschung der Saison

Yuya Kubo ist die Club-Enttäuschung der Saison. Der flinke und dribbelstarke Japaner sollte das Angriffsspiel beleben, doch Kubo blieb weit hinter den Erwartungen zurück: Ein Treffer, keine Vorlage, dazu eine Zweikampf-Quote von 40,1 Prozent - das ist einfach zu wenig, um sich dauerhaft als Startelf-Akteur und Leistungsträger zu empfehlen. Nur 22 Mal kam Kubo zum Einsatz, davon 15 Mal von Beginn an. Sieben Einwechslungen stehen zwölf Auswechslungen gegenüber. Auch unter Boris Schommers gelang dem einstigen Hoffnungsträger nicht der Durchbruch.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren