Nürnberg
Fußball

Club - FC Bayern: Wunder gibt es immer wieder

Der 1. FC Nürnberg spricht sich vor dem Bundesliga-Duell gegen Rekord-Meister FC Bayern München Mut zu. Die Franken sind sich ihrer Außenseiterrolle bewusst - und glauben dennoch an ihre Chance im Derby.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gibt es auch an diesem Sonntag Grund zum Jubel für Club-Kapitän Hanno Behrens und seine Mannschaft? Denn wenn der FC Bayern München in Nürnberg zu Gast ist, heißt die Konstellation: David gegen Goliath.  Foto: Daniel Karmann, dpa
Gibt es auch an diesem Sonntag Grund zum Jubel für Club-Kapitän Hanno Behrens und seine Mannschaft? Denn wenn der FC Bayern München in Nürnberg zu Gast ist, heißt die Konstellation: David gegen Goliath. Foto: Daniel Karmann, dpa

An diesem Sonntag, vermutlich gegen 19.50 Uhr, werden die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg wissen, ob ihr Club auch weiterhin hoffnungsvoll im "Schnecken-Rennen" um den Bundesliga-Klassenverbleib mit von der Partie ist - oder ob das Unterfangen zu einer "Mission Impossible" geworden ist. Denn die Begegnung zwischen dem Tabellen-Siebzehnten aus Nürnberg und dem Liga-Primus FC Bayern München bildet nicht nur den Abschluss des 31. Spieltages in der Fußball-Bundesliga, sondern sie gibt vielmehr Aufschluss über die faktisch neue Lage im Tabellenkeller.

Sollte der Club das 191. Aufeinandertreffen mit dem deutschen Rekord-Meister verlieren und der direkte Konkurrent um den Relegations-Platz, der VfB Stuttgart, am Samstag zu Hause gegen die derzeit schwächelnde Borussia aus Mönchengladbach gewinnen, betrüge der Rückstand auf Platz 16 stattliche sechs Punkte. Bei dann noch drei ausstehenden Spieltagen und neun zu vergebenden Zählern müsste aus Club-Sicht schon ein kleines Wunder her, um die Schwaben auf den letzten Metern doch noch abzufangen.

Sollten die Stuttgarter, die bereits zum zweiten Mal in der Saison den Trainer gewechselt und nun dem ehemaligen U19-Coach Nico Willig den Cheftrainer-Posten anvertraut haben, indes nicht punkten und den Franken gegen den haushohen Favoriten eine Überraschung, beispielsweise in Form einer Punkte-Teilung, gelingen, wäre die Mannschaft von Boris Schommers weiter im Geschäft. Anstoß im mit 50 000 Zuschauern ausverkauften Max-Morlock-Stadion ist am Sonntag um 18 Uhr.

"Brauchen perfekten Tag"

Hanno Behrens, der bei der 0:3-Hinspiel-Niederlage wegen einer Bauchmuskelzerrung nicht mitwirken konnte, gab sich vor dem Duell "David gegen Goliath" kämpferisch. "Wir werden alles reinhauen", sagte der Nürnberger Kapitän - und merkte an, dass es Wunder immer wieder gebe. Dass die Aufgabe gegen den Spitzenreiter und DFB-Pokalfinalisten aus München extrem schwer wird, ist allen Beteiligten bewusst, allen voran dem Nürnberger Chef-Trainer. Man werde einen perfekten Tag brauchen, um etwas hierzubehalten, sagte Boris Schommers auf der Pressekonferenz. Aber selbst bei einem "perfekten Tag" könne es passieren, dass es am Ende doch nicht reiche - weil das Ensemble des FC Bayern München schlicht und einfach mit exzellenten Akteuren bestückt ist.

Vor allem die Offensive um die Außen Serge Gnabry und Kingsley Coman, die die etablierten Arjen Robben und Franck Ribéry vergessen machen, und Top-Torjäger Robert Lewandowski hat Bayern-Boss Uli Hoeneß in den vergangenen Wochen enorm viel Freude bereitet: "Ich finde, dass wir seit Weihnachten fantastisch Fußball spielen, bis auf das Spiel gegen Liverpool in München bin ich mit der Mannschaft total zufrieden", wird Hoeneß in der Abendzeitung zitiert. Auch der Vorstands-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ist von dem Youngster-Duo überzeugt: "Wir haben jetzt das Element auf den Flügeln, das wir brauchen. Schnelle Leute, die ins Dribbling gehen und auch Tore schießen", sagte Rummennige.

Um das Wirken von Lewandowski & Co. erfolgreich zu unterbinden, werden die Nürnberger die Räume erneut verdichten und intensiv gegen den Ball arbeiten müssen. Eine kraftraubende Spielweise, die zudem über die gesamten 90 Spielminuten höchste Konzentration erfordert. Doch Schommers sieht seine Jungs nicht ausschließlich in der passiven, reagierenden Rolle. Seine Mannschaft habe in puncto Spielaufbau deutlich an Zutrauen gewonnen. Soll heißen, dass die Nürnberger nun eher in der Lage sind, sich mit spielerischen Mitteln dem Gegnerdruck zu entziehen.

Allerdings werden die Münchner, die in der Bundesliga zuletzt vor zwölf Jahren in Nürnberg verloren haben, nicht den Fehler machen und den Club zum munteren Mitspielen einladen. Schließlich könnte ein Punktverlust die Tabellenführung kosten - sofern der hartnäckige Verfolger Borussia Dortmund das Revier-Derby zu seinen Gunsten entscheiden sollte. Und eben jene Konstellation, dass sich auch die Truppe von Trainer Nico Kovac, die seit Anfang Februar ungeschlagen ist und bis auf das 1:1 beim SC Freiburg keine Punkte abgegeben hat, im Meisterschafts-Endspurt keine Blöße geben darf, macht die Nürnberger Aufgabe zusätzlich schwer.

Aber: Wunder gibt es immer wieder - davon hat schon 1970 die Musikerin Katja Ebstein in ihrem Lied gesungen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren