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1. FC Nürnberg

Club-Trainer Alois Schwartz im Porträt: "Mein Ziel ist die Bundesliga"

Alois Schwartz ist der neue Trainer des 1. FC Nürnberg. Beim SV Sandhausen überzeugte der 49-Jährige als unaufgeregter Pragmatiker. Ein Porträt.
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Der neue Chef-Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg, Alois Schwartz. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der neue Chef-Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg, Alois Schwartz. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Am Tag vor seinem Wechsel zum 1. FC Nürnberg beknieten Präsident Jürgen Machmeier und Geschäftsführer Otmar Schork ihren Trainer Alois Schwartz, doch um Himmelswillen in Sandhausen beim SVS zu bleiben. Der über Stunden geführte, letztlich aber vergebliche Kampf beweist, welchen Stellenwert Schwartz für den Verein aus dem kleinsten Zweitliga-Standort hatte und welche Lücke der 49-jährige Fußballlehrer hinterlässt.

Als Schwartz vor drei Jahren vom Drittligisten Erfurt kam, war der SV Sandhausen sportlich aus der Zweiten Liga abgestiegen, blieb aber durch den Lizenzentzug für den MSV Duisburg in der Klasse. Schwartz bewirkte ein kleines Wunder. Gleich in der ersten Saison stand 17 Mal die Null, zuvor war die Abwehr die Schießbude der Liga gewesen. Auch bei Wormatia Worms, einem seiner vorherigen Klubs, reduzierte er die Zahl der Gegentore innerhalb einer Saison auf die Hälfte.


Stabile Defensivarbeit

Nur als Betonmischer möchte der Sohn eines Maurers aus dem schwäbischen Nürtingen aber nicht angesehen werden. Seine Spielphilosophie lautet: "Aus einer stabilen Defensive schnell umschalten. So ist Borussia Dortmund zweimal deutscher Meister geworden." Meister wurde der SV Sandhausen nicht. Wohl aber schafften die Kurpfälzer dreimal hintereinander locker den Klassenerhalt, zweimal als Zwölfter, zuletzt als Dreizehnter. Nach der Vorrunde stand man - den Punkteabzug wegen eines Lizenzverstoßes nicht berücksichtigt - sogar auf Platz drei.

Der Trainer rückte in den Blickpunkt. Wo immer ein Job frei wurde, tauchte sein Name auf: Erst in Hannover und Frankfurt und in diesem Sommer auch in Stuttgart, Ingolstadt, Augsburg, Darmstadt und Kaiserslautern.

Schwartz verlängerte trotzdem bis 2018. Denn eigentlich ist er ein treuer Mensch. Zehn Jahre war er Profi bei den Stuttgarter Kickers, deren Kapitän er schon mit 23 wurde und mit denen er zweimal in der Bundesliga aufstieg, Knapp sechs Jahre trainierte er den Nachwuchs des 1. FC Kaiserslautern, fünf Jahre war er in Pfullendorf. Seit 20 Jahren ist er mit seiner Frau Jutta verheiratet, mit der er in Mannheim ein Haus gebaut hat. Tochter Viviana hat gerade das Abitur gemacht.


Durch und durch solide Persönlichkeit

Zur durch und durch soliden Persönlichkeit passt auch, dass der Schwabe auf Bewährtes setzt. Von seinem früheren Arbeitgeber Kaiserslautern lotste er ein halbes Dutzend Spieler nach Sandhausen.

Sie kamen nicht zuletzt wegen der glänzenden Karriere-Aussichten. Denis Linsmayer, Florian Hübner, Lukas Kübler, der Franke Manuel Stiefler, Marco Thiede, Manuel Riemann, Aziz Bouhaddouz und Leart Paqarada - sie alle fanden den Weg aus der Dritten und Vierten Liga an den Hardtwald und wurden Leistungsträger beim Zweitligisten. Das gilt übrigens auch für Danny Blum. Am früheren Sandhäuser, der jetzt für den Club stürmt, waren viele Trainer verzweifelt, ehe er unter Alois Schwartz einer der besten Angreifer der Liga wurde. "Wir haben dem Trainer viel zu verdanken", bestätigt Denis Linsmayer. Der Vize-Kapitän lobt den "menschlichen Führungsstil."

Schwartz sorgte für Sicherheit, indem er die Mannschaft ohne triftigen Grund nicht änderte. Doch gleichzeitig war für ehrgeizige Reservisten die Tür immer offen. Er ließ hart trainieren, aber auch der Spaß kam nicht zu kurz. Mal endete der Waldlauf mit einem Grillfest, mal bog er zum Schützenverein ab, auch wenn das keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Treffsicherheit hatte.

In zwei Spielzeiten stellte der SV Sandhausen den schwächsten Angriff der Liga. Aus der Mannschaft kam der Anstoß, etwas offensiver Fußball zu spielen. Der Rückfall kam im letzten halben Jahr, als die Sandhäuser in ihren Heimspielen gerade mal sechs Tore zustande brachte. Die Zuschauer murrten, die Verantwortlichen forderten den Trainer zu mehr Mut auf. Schwartz verteidigte sich: "Was wir mit unseren geringen Mitteln geschafft haben, ist außergewöhnlich und einzigartig. Eigentlich müsste Sandhausen den Klassenerhalt feiern wie Freiburg den Aufstieg."


Alois Schwartz, der nüchterne Pragmatiker

Die Herzen flogen Schwartz trotz aller Erfolge nicht zu. Das mag an der Spielweise seiner Mannschaft gelegen haben, gewiss auch an seinem zurückhaltenden Auftreten. Schwartz wollte sich nie verstellen, ein flotter Spruch ist von ihm selten zu hören, er mag nicht das Schillernde, sieht sich nicht als Entertainer, sondern als Pragmatiker, als nüchterner Arbeiter. Er ist durch und durch bodenständig, dabei durchaus klug und reflektiert, zuweilen schlägt allerdings die Vorsicht in Misstrauen um.

Fleiß und Beharrlichkeit waren die Grundlagen seiner Laufbahn als Spieler. Obwohl kein Ballkünstler, brachte er es auf 85 Bundesliga-Spiele für die Stuttgarter Kickers und den MSV Duisburg, dazu 128 Zweitliga-Einsätze für Stuttgart und Waldhof.

Als er bei der ersten Vertrags-Unterzeichnung Axel Dünnwald-Metzler gestand, er mache gerade eine Ausbildung zum Bürokaufmann, zerriss der legendäre Kickers-Präsident das Papier und sagte: "Dann beenden Sie erst mal die Lehre und kommen in einem Jahr wieder." Resilienz nennen die Psychologen die Fähigkeit, sich trotz Widerständen zu behaupten. Es heißt, dass nicht die Besten den meisten Erfolg haben, sondern die, die sich nicht unterkriegen lassen.

Am Hardtwald musste Alois Schwartz einige Rückschläge verkraften. Jahr für Jahr haben die Besten den Verein verlassen. Die Zahl der Zuschauer stieg nur zögernd. Der Klub investierte erst mal in Steine und weniger in Beine. Auf Dauer wollte Alois Schwartz nicht nur den Mangel verwalten. Zunehmend entwickelten sich die Partner auseinander. Sandhausen will nicht nach unten, Schwartz möchte nach oben. Aus seinen Ambitionen hat er nie ein Geheimnis gemacht. Er sagt: "Mein Ziel ist die Bundesliga."

Zum Autor:
Wolfgang Brück, 67, begleitet seit 35 Jahren, zuletzt als Chefreporter, für die Rhein-Neckar-Zeitung den SV Sandhausen.


 

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