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Fußball

1. FCN: Sieben Antworten nach dem Debakel von Leipzig

Die erneute Auswärtsklatsche des 1. FC Nürnberg in Leipzig wirft viele Fragen auf. Die gute Nachricht nach dem 0:6-Reinfall: Tim Leibold wird nach seiner fragwürdigen Roten Karte nur für ein Spiel gesperrt.
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Schwer verdaulich war für die Nürnberger Ondrej Petrak, Georg Margreitter und Enrico Valentini (von links) der Spielverlauf in Leipzig. Dafür war auch RB-Mittelfeldstratege Emil Forsberg (rechts) verantwortlich. Foto: Jan Woitas, dpa
Schwer verdaulich war für die Nürnberger Ondrej Petrak, Georg Margreitter und Enrico Valentini (von links) der Spielverlauf in Leipzig. Dafür war auch RB-Mittelfeldstratege Emil Forsberg (rechts) verantwortlich. Foto: Jan Woitas, dpa

Das 6:0 (4:0) gegen den 1. FC Nürnberg war im 75. Bundesliga-Spiel der bisher höchste Sieg für RB Leipzig. Mit den Toren von Kevin Kampl, Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer (2) und Timo Werner (2) gelang dem Brauseklub der Sprung auf den zweiten Tabellenplatz. Viel wichtiger war für Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick aber die Erkenntnis: "Wir sind wieder auf dem Weg zu einer richtigen Einheit." Leidtragender des starken Leipziger Auftritts war der Club, der nach dem 0:7 bei Borussia Dortmund zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen Prügel einstecken musste, mit acht Punkten aber immer noch Tabellenzwölfter ist.

Nach sieben Saisonspielen folgt nun die zweite Länderspielpause. Eine Nürnberger Zwischenbilanz in Fragen und Antworten.

1. War eine falsche Taktik schuld am Nürnberger Debakel?

Nach Ansicht von Trainer Michael Köllner nicht. "Wir haben uns im eigenen Ballbesitz zu viele Fehler erlaubt, das war technisch einfach schlecht", betonte er. Aber hätte er mit solchen Fehlern angesichts des starken Gegners nicht rechnen müssen? Am Anfang tiefer zu stehen und den Raum in der eigenen Hälfte zu verdichten, hätte die beiden Gegentreffer in den ersten sechs Minuten verhindern können. Danach war das Spiel fast schon gelaufen. "Die Gegentore kommen zu schnell", sagte Verteidiger Enrico Valentini, der gegen Nationalstürmer Timo Werner kein Land sah. Torwart Fabian Bredlow beschrieb den Unterschied zum 0:7 in Dortmund so: "Dort haben wir zu passiv gespielt. Heute wurden Ballverluste im Spielaufbau eiskalt bestraft."

2. Muss der Club lernen, Schadensbegrenzung zu betreiben?

Möglichst schnell sogar. Denn die Achterbahnfahrt der ersten sieben Spiele wird sich nicht über die ganze Saison fortsetzen lassen. Das Dortmund-Debakel beantwortete der Club noch mit einem 3:0-Heimsieg gegen Düsseldorf, aber auf Dauer würden derart hohe Niederlagen am Selbstvertrauen und an der Geschlossenheit nagen. Leipzig wird nach Ansicht von Valentini noch zu verkraften sein: "Ich kann von ganzem Herzen sagen, dass wir eine Mannschaft haben, die das wieder aufarbeiten kann. Aber wir müssen jetzt auch mal knallhart zu uns selbst sein und sagen, dass das nicht noch einmal passieren darf."

3. Wie groß sind die Chancen, mit einem kaum verstärkten Zweitliga-Kader zu überleben?

Auf jeden Fall besser, als es die 0:13 Tore gegen Dortmund und Leipzig vermuten lassen. Gegen Bremen, Hannover und Düsseldorf agierte der Club auf Augenhöhe und punktete, zum Auftakt in Berlin verlor er unnötig. "Dass der eine oder andere Spieler zu Saisonbeginn an seine Grenzen stößt, ist normal. Jetzt liegt es vor allem an mir, die Spieler Woche für Woche besser zu machen, damit die Distanz zu den Topvereinen kleiner wird und wir die anderen Mannschaften auch weiter schlagen können", sagt Trainer Köllner. Das Schnelligkeitsdefizit im Defensivbereich wird jedoch nicht zu beheben sein. Zudem suchen Zweitliga-Stars wie Hanno Behrens und Mikael Ishak noch nach ihren Rollen im Oberhaus.

4. Wie geht es weiter?

Nach der Länderspielpause stehen zwei Heimspiele hintereinander an gegen Hoffenheim (20. Oktober) und Frankfurt (28. Oktober). Mindestens ein Sieg sollte herausspringen, dann wäre der Club weiter im Soll. Das nächste Auswärtsspiel führt nach Augsburg (3. November) - eigentlich kein Gegner für erneute Prügel.

5. Ist es Zeit für einen Wechsel im Nürnberger Tor?

Es wäre keine Überraschung, wenn der vom Hamburger SV gekommene und bundesligaerfahrene Christian Mathenia gegen Hoffenheim seine Chance bekommen würde. Zu Saisonbeginn hatte Köllner von einer Millimeterentscheidung zwischen ihm und Bredlow gesprochen. In Leipzig hielt Bredlow zwar einen Foulelfmeter von Werner, der das 0:7 bedeutet hätte, kassierte aber mindestens zwei haltbare Gegentreffer. Er selbst wäre von einer Torwartdiskussion nicht überrascht: "Ach Gott, ich habe sechs Tore kassiert. Wenn nicht jetzt, wann dann?" Köllner will die Einschätzung des Torwarttrainers und die Trainingsleistungen in den nächsten zwei Wochen abwarten.

6. Wie lange wird Tim Leibold nach seinem Platzverweis fehlen?

Der Linksverteidiger erhielt am Montag nur die Mindestsperre von einem Spiel. Es war zwar ein Foul, als er den sprintenden Werner stellte und der Strafstoß berechtigt. Aber es war nicht die Verhinderung einer klaren Tormöglichkeit, da Eduard Löwen mitgelaufen war. So sah es auch Köllner und das DFB-Sportgericht bestätigte diese Haltung.

7. Wie stark ist die Position des Trainers?

Sehr stark, auch wenn Köllner nach den beiden Debakeln in Dortmund und Leipzig ein selbstkritisches Wort in der Öffentlichkeit gut angestanden hätte. Sportvorstand Andreas Bornemann fand am Sonntagabend bei Sky deutliche Worte: "Er macht einen sensationellen Job. Das wird sich bis zum Saisonende nicht ändern."



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