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1.FCN: Nürnberg-Trainer Köllner im Interview: Misidjan hat viele Qualitäten

Der 1. FC Nürnberg spielt am Samstag gegen Hannover 96, einen Gegner auf Augenhöhe. FCN-Coach Michael Köllner verrät vor der Partie, warum er trotz der eher mageren Punkteausbeute zufrieden ist - und ob Matchwinner Virgil Misidjan gegen 96 wieder ran darf.
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Nürnbergs Trainer Michael Köllner gestikuliert an der Seitenlinie. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Nürnbergs Trainer Michael Köllner gestikuliert an der Seitenlinie. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Michael Köllner, Trainer des 1. FC Nürnberg, gibt sich vor der nächsten Heim-Aufgabe gegen Hannover 96 zuversichtlich - und hält die Tabelle zum jetzigen Zeitpunkt für wenig aussagekräftig. Was er gegen die Niedersachsen als wichtig erachtet, wie er Virgil Misidjan einschätzt und wie seine persönliche Bilanz nach drei Spieltagen aussieht, verrät der 48-Jährige im Interview.

Frage: Hannover 96, der nächste Club-Gegner, hat in Leipzig 2:3 verloren, weil, wie es deren Trainer André Breitenreiter analysiert hatte, "wir zu viele leichte Ballverluste hatten und dann von Leipzig im schnellen Umschaltspiel kalt erwischt worden sind". Könnte das auch Ihre Taktik sein? Auf Fehler des Gegners lauern und dann mit Tempo nach vorne?

Michael Köllner: "In dieser Liga werden Fehler generell hart bestraft, und das ist damit letztlich ein Ansatz für alle Teams. Daher ist es immer eine Lösung, auf Fehler zu lauern, gegen jeden Gegner. Dennoch werden wir in erster Linie auf unser eigenes Spiel achten und unsere Spielart gegen Hannover auf den Platz bringen wollen. Das ist uns bis dato in allen drei Saisonspielen gelungen und daran möchten wir anknüpfen."

Frage: Ihre Mannschaft erwartet den direkten Tabellennachbarn, die Spieler werden um die Bedeutung der Partie wissen: Wie begegnen Sie dem Druck, der möglicherweise von außen hineingetragen wird und den sich womöglich Ihre Akteure machen?

Antwort: "Nach drei Spieltagen hat die Tabelle noch keine bis wenig Aussagekraft. Um in diesem Spiel punkten zu können, bedarf es einer bärenstarken Leistung unseres Teams. Wir werden uns wie immer sehr gezielt und akribisch vorbereiten und dann sehen, zu was es führt. Wichtig wird ebenso die Unterstützung unserer großartigen Fans sein, die uns bereits in den ersten drei Erstligaspielen getragen haben. Wir freuen uns auf eine gute Kulisse im Max-Morlock-Stadion."

Frage: Ihre Neu-Erwerbung Virgil Misidjan hat nach seiner Einwechslung einen Traum-Einstand gefeiert und das Remis gegen Werder Bremen gerettet. Kann sich der Niederländer gegen Hannover Hoffnungen auf einen Startelf-Einsatz machen und welche Qualitäten schätzen Sie an ihm?

Antwort: "Jeder Spieler hat immer die Chance, in den Spieltags-Kader zu kommen oder sich sogar einen Startelf-Einsatz zu sichern. Voraussetzungen hierfür sind starke Leistungen im Training, besser zu sein als der direkte Konkurrent und auch prädestiniert zu sein für den jeweiligen Gegner sowie die gewählte Spieltaktik. Ergo hat es Virgil selbst in der Hand. Welche Qualitäten er hat? Meiner Meinung nach sind es viele. In Bremen hat er davon einige gezeigt. Er ist dribbelstark, hat schnelle Beine und strahlt Torgefahr aus." Frage: Wenn Sie die ersten drei Partien Revue passieren lassen: Wo hapert es noch und womit sind Sie schon jetzt sehr zufrieden?

Antwort: "Grundsätzlich bin ich zufrieden. In allen drei Spielen haben wir eine gute bis sehr gute Leistung gezeigt. Ich bin jedoch realistisch genug, um zu sehen, was unsere Möglichkeiten sind und wie es um die der anderen Teams in der Liga steht. Bis dato treten wir kompakt auf, zeigen einen attraktiven Fußball. Wenn man die Ergebnisse betrachtet, hätten wir zum jetzigen Zeitpunkt ohne Zweifel schon einige Punkte mehr auf unserem Konto haben können. Doch damit hadern wir nicht. Im Gegenteil zeigt uns das, dass wir in der Bundesliga mithalten und die Dinge, die uns stark machen, auf den Platz bringen können."

So sieht es aus vor dem Duell mit Hannover 96

In der Tabelle der Fußball-Bundesliga liegen Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg einträchtig nebeneinander: Die Niedersachsen weisen als Tabellen-Dreizehnter ebenso viele Punkte auf wie der Club, der mit zwei Zählern auf Rang 14 gelistet ist. Auch hinsichtlich der Tor-Differenz (-1) begegnen sich die beiden Mannschaften, die sich am Samstag (15.30 Uhr) im Max-Morlock-Stadion gegenüberstehen, auf Augenhöhe.

Hinsichtlich des Fan-Supports von den Rängen gibt es zwischen den Klubs jedoch mehr Trennendes denn Einendes. Während die Club-Anhänger im heimischen Stadion über weite Strecken für eine lautstarke Unterstützung sorgen, ist die Atmosphäre in Hannover oft zurückhaltend, zum Teil eher gedämpft - nur selten überbordend.

Die Spieler fordern Unterstützung

Vor allem in der vergangenen Saison war die HDI Arena weit davon entfernt, ein "Hexenkessel" zu sein. Der Grund: Teile der 96-Fans hatten aufgrund der Übernahmepläne von Klub-Präsident Martin Kind zu einem Stimmungsboykott aufgerufen - was dazu geführt hatte, dass sich Hannoveraner Spieler öffentlich über mangelnde Unterstützung beklagten. So war im August 2017 unter anderem von Martin Harnik nach dem 6:2-Erfolg im DFB-Pokal über den Regionalligisten Bonner SC zu vernehmen, dass "wir als Spieler unbedingt die Unterstützung der Fans brauchen, auch wenn sie ein Problem mit der Vereinsführung haben".

Auch der frühere Sky-Kommentator und heutige TV-Experte Marcel Reif hatte sich erst Mitte vergangenen Monats gegenüber Sportbuzzer klar positioniert: "Den eigenen Klub wie in Hannover von den Ultras im eigenen Stadion totzuschweigen, das ist doch eine sinnfreie Aktion. Das ist doch absurd."

In der aktuellen Spielzeit wird es, so der Beschluss nach Gesprächen beim Fanszene-Treffen, keinen Stimmungsboykott mehr geben - was Horst Heldt, der Manager von Hannover 96, als "richtiges Zeichen im Sinne des Klubs und für die Mannschaft" bewertete.

Von Dirk Kaiser



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